Washington/Miami/Havanna/Ag. Der karibische Tropensturm „Isaac“ hielt am Montag weiter Kurs auf die südlichen Küsten der USA: Der Sturm, der Windgeschwindigkeiten von mehr als 105 Kilometern pro Stunde erzeugte, zog mit etwa 22 km/h von Kuba her Richtung Nordwesten durch den Golf von Mexiko, teilte das Hurrikan-Zentrum in Miami (Florida) in der Nacht auf Montag (Ortszeit) mit.
Isaac wandert damit bisher genau auf den Spuren des gewaltigen Hurrikans „Katrina“, der im Jahre 2005 schwere Verwüstungen vor allem im US-Staat Louisiana anrichtete – und nicht nur das: Isaac hält sich auch zeitlich genau an Katrinas „Vorgabe“: Dieser Hurrikan hatte nämlich am 29. August 2005 die Küste von Louisiana erreicht. Laut US-Wetterämtern sind die meteorologischen und ozeanografischen Bedingungen für Isaac nahezu identisch mit denen für Katrina, etwa die Wassertemperatur im Golf, und so werde sich Isaac bei seiner letzten Etappe übers Meer wohl bis Dienstagnachmittag zu einem Hurrikan der Kategorie zwei oder drei auswachsen und bis spätestens Mittwoch früh die US-Küste zwischen dem westlichen Teil Floridas und Louisiana erreichen.
Hurrikans sind Stürme, die Windgeschwindigkeiten von über 118 km/h erreichen; bei Katrina wurden Spitzen von 280 (!) km/h gemessen. Die Experten des Nationalen Hurrikan Zentrums (NHC) der USA prognostizierten am Montag, dass der Wirbelsturm zu einem Hurrikan der Kategorie zwei mit Windgeschwindigkeiten von 160 Kilometern pro Stunde heranwachsen werde. Vor allem in Louisiana herrscht daher Katastrophenalarm, denn als Katrina dort auftraf, brachen die Deiche, die die Stadt zum Mississippi, zum Meer und einem See hin abschließen, weite Teile der Stadt wurden überschwemmt. Etwa 1800 Menschen starben.„Es herrscht große Angst“
„Wir sind in hoher Alarmbereitschaft, es herrscht große Angst“, sagte New Orleans Bürgermeister Mitch Landrieu. Seine Stadt, die etwa 360.000 Einwohner zählt (inklusive der Metropolregion sind es etwa 1,2 Millionen), sei aber viel besser vorbereitet als anno 2005. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief die Bevölkerung in niedriger liegenden Küstenregionen jedenfalls auf, sich auf Evakuierungen vorzubereiten – schließlich wird eine Sturmflut von mehr als 3,5 Metern Höhe erwartet; zugleich erklärte der Gouverneur vorsichtshalber den Notstand für seinen Staat. Auch im benachbarten Mississippi und in Alabama wurde der Notstand ausgerufen.
In Tampa (Florida) brachte Isaac den Parteitag durcheinander, auf dem die Republikaner Ex-Gouverneur Mitt Romney offiziell zum Spitzenkandidaten der Konservativen für die Wahl im November küren wollen. Der Beginn des offiziellen Programms wurde wegen des Sturms um einen Tag auf heute verschoben (siehe Seite 5). Auf dem Flughafen von Miami-Dade fielen zahlreiche Flüge aus.
Ölplattformen geschlossen
Die Inselkette der Florida Keys vor dem Südzipfel Floridas kam einstweilen glimpflich davon: Isaac hatte dort am Sonntag und Montag zu Überflutungen mehrerer Straßen geführt, Berichte über größere Schäden gab es aber nicht. Im Golf von Mexiko wurden freilich zahlreiche Plattformen zur Gas- und Ölförderung sicherheitshalber evakuiert. Bis Montagmittag fiel daher laut Behördenangaben fast ein Viertel der US-amerikanischen Ölproduktion im Golf von Mexiko aus; 23 Prozent der US-Ölförderung stammen aus dieser Region.
In der Dominikanischen Republik und Haiti hatte Isaac zuvor mindestens 20 Todesopfer gefordert, meist infolge von Sturzfluten und Erdrutschen, nach Angaben des kubanischen Rundfunks wurden in der kubanischen Hafenstadt Baracoa 17 Häuser zerstört.
Tropische Stürme sind Hurrikans, die Böen von mehr als 118 km/h entwickeln und im Atlantik oder Nordostpazifik entstehen, anderswo sagt man Zyklon (etwa Australien, Indien) bzw. Taifun (Westpazifik, China, Südostasien). Namensgeber ist „Huracán“, ein altindianischer Windgott. Der stärkste gemessene Hurrikan war im Oktober 2005 „Wilma“ mit Böen bis 340 km/h.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)
Hurrikan, Taifun, Zyklon: Fakten über Wirbelstürme
Vergleich: New Orleans während und nach ''Katrina''


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