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Belgien: Komplizin von Kindermörder ist frei

28.08.2012 | 17:46 |  Von unserem Korrespondenten Helmut Hetzel (Die Presse)

Die frühere Ehefrau und Helferin des Kinderschänders Marc Dutroux darf frühzeitig das Gefängnis verlassen. Die 52-Jährige war 1996 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Sie wird künftig in einem Nonnenkloster leben.

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Brüssel. Die Belgier kochen vor Wut: Michelle Martin darf das Gefängnis verlassen. Die Exfrau und Komplizin des belgischen Kinderschänders und mehrfachen Kindermörders wurde am Dienstag von einem Brüsseler Gericht nach nur 16 Jahren Haft freigesprochen. In Belgien ist eine vorzeitige Entlassung möglich, wenn mindestens ein Drittel der Strafe verbüßt ist.

„Sie ist keine schlechte Frau“

Die 52-Jährige war 1996 zu 20 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord, Entführung und Vergewaltigung von sechs belgischen Mädchen verurteilt worden. Nur zwei Kinder überlebten die sexuellen Misshandlungen und Peinigungen durch Marc Dutroux. Die Frau hat zwei Mädchen, die im geheimen Kellerverlies ihres Mannes eingesperrt waren, einfach verhungern lassen. Die ehemalige Lehrerin versperrte eigenhändig die Tür, hinter der die beiden achtjährigen Mädchen qualvoll starben, wie sie im Prozess aussagte. Damals saß Dutroux, von dem sich Martin 2003 scheiden ließ, bereits hinter Gittern. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Michelle Martin ist selbst Mutter – sie hat drei Kinder mit Marc Dutroux. Ihr 28-jähriger Sohn Frédéric sagt: „Sie ist keine schlechte Frau. Jetzt hat sie ihre Strafe abgesessen.“ Mit dieser Meinung steht er ziemlich allein da. Die meisten Belgier sind empört über den Richterspruch: Ebenso wie die Eltern der vier Mädchen, die Dutroux und Martin auf dem Gewissen haben, fordern sie, dass Martin die gesamte Strafe aussitzt. Nach der Entscheidung zur Freilassung Martins im Juli hatte es bereits zahlreiche Demonstrationen gegeben.

Die Freilassung ist an ein Dutzend Auflagen zum Aufenthaltsort, dem Verbot von Reisen und eine Psychotherapie geknüpft. Vor allem darf Martin keinen Kontakt zu den Familien ihrer Opfer aufnehmen. Die Frau hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Anträge auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Erst jetzt genehmigte die belgische Justiz den Antrag, weil der Resozialisierungsplan vorsieht, dass sie künftig im Kloster lebt.

Michelle Martin wird sich nach der Haftentlassung also in das Kloster der Armen Klarissen in Malonne bei Namur zurückziehen. Der Umzug wird schon lange vorbereitet: „Ich habe bereits im Jahr 2001 Möbel meiner Tante ins Kloster von Malonne gebracht“, sagte Martins Neffe der französischen Zeitschrift „Paris Match“.

„Wir fackeln das Kloster ab“

In Belgien ist die Empörung darüber groß. Aus Angst vor Angriffen wütender Bürger riegelte die Polizei am Dienstag Michelle Martins neuen Wohnsitz ab: Das Kloster verwandelte sich in eine Festung. Die Außenmauern sind bereits mit Anti-Michelle-Martin-Slogans besprayt. „Non, non, M.M.“, steht da. Bereits mehrmals wurden die Nonnen bedroht. In anonymen Telefonaten wurden die Schwestern gewarnt: „Wir fackeln das Kloster ab.“ Die Feuerwehr von Malonne ist in höchster Alarmbereitschaft.

Der Bischof von Lüttich stellte sich inzwischen hinter die elf Nonnen des Klarissenklosters: „Es entspricht der christlichen Nächstenliebe, Frau Martin im Kloster aufzunehmen. Auch nach allem, was sie getan hat, ist sie ein Mensch.“

Der Anwalt zweier Opferfamilien kündigte an, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu klagen.

Auf einen Blick
Die Affäre Dutroux hatte in den 1990er-Jahren ganz Belgien traumatisiert. Der Belgier Marc Dutroux hatte sechs Mädchen entführt, missbraucht und in einem geheimen Verlies eingekerkert. Dort starben vier der Mädchen. Seine Ehefrau und Komplizin trug eine Mitschuld, weil sie die beiden Kinder Julie und Mélissa verhungern ließ. Das Verbrechen hatte zu landesweiter Empörung geführt, weil Dutroux ebenso wie seine Frau schon zuvor wegen Entführung und Vergewaltigung von Mädchen im Gefängnis waren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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41 Kommentare
 
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Gast: daswirdjaimmerbesser
29.08.2012 09:08
2 0

Selbstjustiz..

..der Belgier könnt ich mir da vorstellen.
Wäre ihnen nicht zu verdenken.

ein passender Ort

Da es die Kirche international mit Kinderrechten (Stichwort: Missbrauchsfälle, Schweigen des Papstes dazu, Verurteilung in USA, ...) auch nicht ganz so genau nimmt, ist das schon ein passender Ort für die Dame. Vielleicht hat das Kloster auch eine kleine Schule oder einen Kindergarten dabei, dann wäre es ja ganz optimal.

Gast: Gluteus Maximus
29.08.2012 06:23
2 0

na die Nonnen könnten ja auch ins Gefängnis gehn

wenn sie der armen Martin helfen wollen, dazu braucht man sie nicht freilassen..........

Vom Gefängnis ins Kloster...

Frau Martin wird weiterhin von der Gesellschaft ferngehalten und kann nun aufrichtig Buse tun. Wer will ihr dies verwehren?

Re: Vom Gefängnis ins Kloster...

Aufrichtig Buße kann sie auch im Gefängnis tun - das will ihr keiner verwehren.

Gast: ipacksnet
29.08.2012 00:10
10 0

Die Frau hat zwei Mädchen, die im geheimen Kellerverlies ihres Mannes eingesperrt waren, einfach verhungern lassen. Die ehemalige Lehrerin versperrte eigenhändig die Tür, hinter der die beiden achtjährigen Mädchen qualvoll starben.......

...und dann sagt der Sohn „Sie ist keine schlechte Frau“!!!!!!!
be.es: ist dieser Sohn(28 Jahre)eh in Behandlung???

Gast: Echt eine Sauerei! In Europa läuft derzeit ALLES verkehrt.....Hohn für die Opfer und Belohnung für die Täter!
29.08.2012 00:02
4 0

Sie wird künftig in einem Nonnenkloster leben???....

...Wer weiß wer weiß, vielleicht wird sie noch eines Tages heilig gesprochen, bei den religiösen Zuständen heute, ist ALLES möglich!
be.es: warten wir es einmal ab, in ein paar Wochen wird sie aus dem Kloster verschwunden sein....."Das Kloster ist der Weg bis sie am Ziel ist"!?

Gast: werbistdu
28.08.2012 23:55
5 0

Ich würde mir wünschen

... daß diese Kreatur ihre Freiheit nich mehr lange genießen kann.
Die Belgier sollen diese Hexe jagen, und dann zerquetschen, wie eine Fliege.

Gast: heute seid ihr saturierten zensierer von der presse aber wieder streng!da ich weiss,wer heute dienst hat,seid ihr morgen dran!da setzt s was,ihr morons:))
28.08.2012 23:37
7 2

fassungslosigkeit

hungerfolter für mm,in einem finsteren kellerverlies,und warten auf den tod!!!

Gast: AlterKämpfer
28.08.2012 22:54
0 11

Barmherzigkeit

Warum steht so etwas in der Zeitung.
Laßt sie doch im Kloster büßen.
"Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!"
Röm 2, 1

1 0

"Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!"

Klassische Unterdrückungsphrase, um nur das Volk ja nicht über die herrschende Kaste nachdenken zu lassen.

Oder was glauben Sie war die Funktion der katholischen Kirche seit hunderten von Jahren?

3 0

Re: Barmherzigkeit

Das bezieht sich aber auf Menschen.

Gast: Seelsorger
28.08.2012 22:30
0 7

Letztendlich ein versöhnlicher Ausklang. Vom Saulus zum Paulus. Gott vergibt den verirrten Schäflein!

Und man sieht wie groß das Herz der RKK ist. Hier haben alle reuigen Sünder Platzt.
Beten wir alle für unser Seelenheil!

Re: Letztendlich ein versöhnlicher Ausklang. Vom Saulus zum Paulus. Gott vergibt den verirrten Schäflein!

Ein versöhnlicher Ausklang? Das meinen Sie nicht im Ernst.

Ob hier wirklich ein Sinneswandel stattgefunden hat, bezweifle ich stark. Ich vermute eher, dass der Eintritt ins Kloster ein geschickter Schachzug war, um die Haftstrafe zu verkürzen. Bereuen und beten kann sie auch in der Haftanstalt - und nach Absitzen ihrer Haftstrafe gerne in lebenslänglicher Sicherheitsverwahrung.

Bitte prüfen

Soweit ich weiß war das Urteil 30 Jahre und nicht, wie in diesem Artikel steht, 20 Jahre.

die weiß zuviel

über die Männer, die die Kinder missbraucht haben. deshalb hat sie nur 20 Jahre ausgefasst.
so wie der Elsner zu viel weiß.
deswegen wird das recht verbogen, damit solche Menschen wieder die Freiheit genießen dürfen. und die kath. Kirche steht wie immer auf der Seite der Mächtigen.

Ein Skandal.

Die bereuht überhaupt nichts, würde das jederzeit wieder machen.

Gast: b745
28.08.2012 19:56
4 3

ins kloster da sind kinderschänder willkommen?


Gast: Hauer G
28.08.2012 19:51
13 2

Die Justiz scheint nicht nur bei uns einen Kuschelkurs zu fahren

Das gesunde Rechtsempfinden des Volkes kann das nicht nachvollziehen.

Antworten Gast: badewannengedanke
29.08.2012 00:53
2 0

Re: Die Justiz scheint nicht nur bei uns einen Kuschelkurs zu fahren

Ich finde die Entscheidung, sie vorzeitig zu entlassen, ebenfalls unverständlich. Allerdings habe ich vor Menschen, die das "gesunde Rechtsempfinden des Volkes" anführen, mindestens ebenso viel Angst wie vor schlechten Richtern.

Eine Verhöhnung der Opfer!

Und ein Stich ins Herz der Angehörigen. Sie tun mir unglaublich leid.

Gast: 3OO
28.08.2012 18:29
14 2

Unfassbar !!

Nach dem Wellnesurlaub (inkl. psychologischer Betreuung auf Staatskosten) im Kloster wird sie wohl ein Buch schreiben u. dann in Talkshows auftreten !! Sind "wir" noch ganz dicht in Europa ?? ps: Na wenigstens sperrn die Norweger solche Figuren für ewig weg ,obwohl es sich natürlich um unterschiedliche Greueltaten handelt falls jemand meint mich deshalb korrigieren zu müssen,aber auch in diesem Fall gibts nichts (mehr) was ein Leben in Freiheit gerechtfertigen würden,echt zum speiben dieser Vorgang !!

Re: Unfassbar !!

"... wenigstens sperrn die Norweger solche Figuren für ewig weg..." Wollen wir wetten? Nach dem wenigen, was ich über die norwegische Justiz weiß, würde ich eher vermuten, daß Breivik nach deutlich weniger als 16 Jahren wieder frei sein wird. Schließlich hat ihn die norwegische Gesellschaft zum Massenmörder gemacht, da darf sie sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern muß sich um seine Resozialisierung kümmern ... oder wie immer man das argumentiert.

Gast: (x) FPÖ
28.08.2012 16:46
6 15

Und die Scheuchs wollens bei jeder Gelegenheit wegsperren!

Die linkslinken Jagdgesellschafter und Durchkriminalisierer!

Re: Und die Scheuchs wollens bei jeder Gelegenheit wegsperren!

Ach ja? Wieviele Tage waren die Herren denn nun im Gefängnis?

Antworten Gast: globetrotterneu
28.08.2012 23:09
1 1

Danke für diese Meldung aus dem blauen Politbüro!

Jetzt weiss ich wieder, wieso ich nie mehr FPÖ wählen werde.

 
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