Wien/La paz/Dab/Wg/Ag. Die bolivianische Polizei hat im Zentrum von La Paz, der größten Stadt des Landes, am Dienstag (Ortszeit) einen seltsamen Fund gemacht: In einer Tiefgarage wurden radioaktive Gesteinsbrocken im Gesamtgewicht von etwa zwei Tonnen gefunden. Die Strahlung geht auf Spuren von Uran in dem Gestein zurück. Die Gesamtmenge des Urans konnte zwar bisher nicht ermittelt werden, ein Regierungsvertreter schätzte den Wert des Fundes aber auf etwa 50 Millionen Dollar.
Die Steine lagen in Plastiksäcken, der Fundort liegt unweit zahlreicher ausländischer Botschaften, etwa der USA und Brasiliens. Vier Bolivianer wurden im Zuge der Ermittlungen verhaftet, das Gestein wird untersucht. Woher es stammt, ist unklar, denn in Bolivien wird kein Uran gefördert. In Potosí, im Südwesten des Landes, gibt es allerdings eine bekannte Lagerstätte; 2010 hieß es, man werde Vorstudien für eine Förderung initiieren. Vize-Innenminister Jorge Pérez meinte, das Gestein stamme wohl aus Brasilien und sei für den Transport nach Chile oder Europa gedacht gewesen.
Verdächtigungen aus Israel
In Südamerika werden nur in Brasilien nennenswerte Mengen von Uran gewonnen, 2011 waren es 265 Tonnen. Daneben gibt es geringe Vorkommen in Argentinien und Peru. Aus Uran können unter anderem Atomwaffen gebaut werden – 2009 hieß es in einem vertraulichen Bericht der israelischen Regierung, dass der Iran Uran aus Bolivien für sein umstrittenes Atomprogramm beziehe. Boliviens linkspopulistische Regierung von Präsident Evo Morales gilt als Freund Teherans. Allerdings werden die Gerüchte von Bolivien bestritten – schon mangels Urangewinnung im Inland.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2012)
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