Mombasa. Aus einem ausgebrannten Autowrack steigt Rauch auf. Hunderte Soldaten riegeln die Straßenkreuzung in Majengo ab, einem Viertel der kenianischen Küstenstadt Mombasa. Seit den frühen Morgenstunden haben sie Zivilisten mit Stöcken und großen Mengen Tränengas von dort verjagt. Die wenigen Fußgänger und TukTuks, die noch vorbeikommen, drehen unter lauten Drohungen der waffenschwenkenden Sicherheitskräfte ab. Auf den Straßen liegen Steine, Ruß, Scherben - Spuren der Krawalle der Vortage. „Steine kamen aus allen Richtungen geflogen", erinnert sich ein Ladenbesitzer. Jetzt bereiten ihm allerdings die Soldaten größere Sorgen: „Sie übertreiben mit ihrer Einschüchterungstaktik."
Angriff auf Polizeistation
Auslöser für die Krawalle war der Mord an dem umstrittenen islamischen Prediger Sheikh Aboud Rogo am Montag. Er stand unter dem Verdacht, Jugendliche für die radikalislamische al-Shabaab-Miliz zu rekrutieren und illegal Waffen zu besitzen. Rogo war mit seiner Familie auf dem Weg ins Krankenhaus, als ihn 15 Schüsse trafen. Seine Frau wurde ins Bein getroffen. Sein Sohn musste vom Rücksitz aus die Bluttat mitansehen. Muslimische Jugendliche machten die Polizei für den Mord verantwortlich und gingen auf die Straße. Steine flogen, Tränengasschwaden stiegen auf, sechs Kirchen wurden angezündet. Dann attackierten Jugendliche mit Sturmgewehren eine Polizeistation in Kisuani, einem muslimischen Viertel; später mit einer Granate, die drei Todesopfer forderte und mindestens 16 weitere Verletzte.
Manche Bewohner der Stadt fürchten, dass dieser Vorfall die Fronten zwischen Muslimen und Christen verhärten könnte und mahnen zur Vernunft: „Wir sind doch alle Brüder und Schwestern", meint ein Passant verzweifelt. „Der Vorfall ist beschämend."
„Es ist ja Krieg!"
Peter Karanja vom kenianischen Kirchenrat teilt diese Sorge: „Die Gewalttaten wirken geplant und systematisch. In den vergangenen fünf Monaten wurden elf Kirchen angegriffen."
Nach einem Treffen mit christlichen und muslimischen Geistlichen im Unruhegebiet sagte Premier Raila Odinga, die Regierung verdächtige „Feinde des Landes", hinter dem Mord zu stecken. „Es ist ein Versuch, Christen und Muslime in unserem Land gegeneinander aufzuhetzen, damit es so aussehe als sei es ein religiöser Konflikt." Kenia habe viele Feinde, insbesondere seit es Truppen ins benachbarte Somalia zum Kampf gegen al-Shabaab geschickt habe. Auch Präsident Mwai Mbaki wurde gestern in Mombasa erwartet.
Der Polizeichef der Stadt, Kipkemoi Rop, steht auf der Hauptstraße. Er tippt sich auf die Brusttasche, sagt, er hätte sein Namensschild vergessen. „Es ist ja Krieg!", lacht er, schwächt dann aber ab: Alles sei unter Kontrolle. Die zusätzlich abgestellten Truppen hätten die Situation im Griff. Er appellierte aber an Eltern, Jugendliche im Auge zu behalten.
Soldaten stürmen vor
Dann rennt plötzlich eine Schar von Jungen durch eine kleine, angrenzende Siedlung. Rund 15 Soldaten stürmen hinterher, ausgerüstet mit Sturmgewehren, Tränengas, Holzstecken, Helmen und verbeulten Schildern. Es geht durch enge Gassen mit gellenden Schreien, die Soldaten teilen sich auf, schlagen im Vorbeilaufen gegen Häuserwände, bis die Menge auseinanderstrebt.
Solange der Mord an Rogo nicht geklärt ist, bleibt die Lage prekär, glauben Beobachter.
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