Mysteriöses Gewaltverbrechen auf einem Waldparkplatz: Vier Menschen sind in den französischen Alpen erschossen worden - zwei Mädchen überlebten die Tat. Eine Vierjährige wurde erst nach knapp acht Stunden unverletzt im hinteren Teil eines Autos unter den Beinen seiner toten Mutter entdeckt. Die etwa siebenjährige Schwester wurde bereits am Mittwochnachmittag schwer verletzt neben den vier Leichen an einem Waldweg in der Nähe des Sees von Annecy entdeckt. Bei den vier Toten handelt es sich vermutlich um Vater, Mutter und Oma der Kinder sowie einen Radfahrer aus der Region.
Die Opfer sind offenbar alle durch Kopfschüsse getötet worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, sagte am Donnerstagabend im Fernsehsender TF1, alle Opfer seien von mehreren Schüssen getroffen worden, "und alle wurden von mindestens einer Kugel im Kopf getroffen". Eine Autopsie der Leichen am Freitag werde mehr Klarheit bringen, fügte der Staatsanwalt hinzu. Das Auto war von Kugeln aus einer automatischen Pistole durchsiebt.
Die Tat hat Ähnlichkeiten mit einem Verbrechen im Jahr 1952: Damals wurden in der Nähe ein britischer Biochemiker, seine Frau und deren Tochter umgebracht. Hauptverdächtig war die Familie Dominici, Bauern aus der Nähe. Ein letzter Beweis konnte jedoch nie erbracht werden.
"Wissen nicht, warum sie sterben mussten"
Der Hintergrund der nunmehrigen Tat ist weiter unklar. "Wir wissen nicht, warum die Menschen sterben mussten", sagte Staatsanwalt Maillaud Donnerstanachmittag. Auch die Identität von drei der vier Opfer sei noch nicht eindeutig geklärt. Nach ersten Ermittlungen handle es sich jedoch um die Mitglieder einer Familie, die in Großbritannien lebte. Staatsanwalt Maillaud wollte dies am Donnerstag aber nicht bestätigen.
Bei der älteren Frau wurde offenbar ein schwedischer Pass gefunden. Die Ermittler fanden zudem einen irakischen Pass, welcher der jüngeren Frau gehören könnte. Zumindest der Vater soll aus dem Irak stammen. Das vierte Opfer war ein Radfahrer aus der Region. Alle wiesen Schussverletzungen auf. Am Tatort wurden zahlreiche Patronenhülsen gefunden, die von einer automatischen Pistole stammen. Ein anderer Radfahrer hatte das Verbrechen entdeckt.
Kopfschüsse mit Automatikpistole
Die Staatsanwaltschaft hält einen kriminellen Hintergrund für wahrscheinlich, schließt aber auch ein Familiendrama nicht aus. Den Angaben zufolge wurden drei der Opfer durch Kopfschüsse getötet. Es sei mit mindestens einer Automatikpistole "sehr, sehr oft" geschossen worden. Staatsanwalt Maillaud sprach von einem Verbrechen von "extremer Brutalität".
Das gegen Mitternacht entdeckte vierjährige Mädchen, das sich stundenlang nicht bemerkbar gemacht hatte, wurde erst entdeckt, als Experten für Spurensicherung aus Paris eingetroffen waren. Es konnte zunächst nicht zur Aufklärung beitragen. Es habe Lärm und Schreie gehört, könne aber nicht mehr sagen, berichtete Staatsanwalt Maillaud. Auch wenn sich der Zustand der Siebenjährigen nach der OP stabilisierte, wird sie voraussichtlich erst in den nächsten Tagen vernehmungsfähig sein. Die beiden Mädchen stehen nach Angaben des Staatsanwalts unter Polizeischutz.
Bei dem erschossenen Radfahrer handelt es sich um einen jungen Familienvater aus der Region. Entdeckt wurden die Mordopfer von einem weiteren Fahrradfahrer, der offenbar kurz nach den Schüssen den Tatort erreichte. Der Mann, ein früherer Angehöriger der britischen Royal Air Force, verständigte die Polizei und brachte das schwer verletzte Mädchen in die stabile Seitenlage. Staatsanwalt Maillaud lobte die "außergewöhnlichen Reflexe" des Mannes.
(APA/Red.)



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