Istanbul/Wien/Sig/Ag. Bei einer Schiffskatastrophe vor der türkischen Mittelmeerküste sind am Donnerstag mindestens 58 Flüchtlinge umgekommen. Medienberichten zufolge waren etwa die Hälfte der Opfer Kinder.
Demnach waren mehr als 100 Menschen, die meisten davon aus Syrien, dem Irak und Palästina, an Bord des Bootes, als es gegen Sonnenaufgang nur 50 Meter vor dem Ufer einen Fels traf und leckschlug. Viele Menschen seien im Laderaum gefangen gewesen und mit dem Schiff untergegangen. 46 Flüchtlinge konnten lebend geborgen werden oder aus eigener Kraft an Land schwimmen.
Retter suchten am Donnerstagabend noch nach Überlebenden im Seegebiet vor Ahmetbeyli bei Izmir, auch Taucher wurden zum Wrack geschickt.
Berichten zufolge hätten der Kapitän des Schiffes und ein Matrose das Unglück überlebt und seien festgenommen worden. Angeblich waren die Flüchtlinge zuvor in einem Hotel in Izmir untergebracht gewesen, Menschenschmuggler hätten ihnen versprochen, sie übers Meer nach Großbritannien zu bringen.
Immer gefährlichere Routen
Für viele illegale Einwanderer ist die Türkei ein Transitland auf dem Weg nach Europa. Der Seeweg durch die Ägäis zwischen der Türkei und Griechenland ist ein viel genutzter Weg in die EU, jedes Jahr versuchen Tausende, auf griechische Inseln zu gelangen.
Die Boote sind oft alt und kaum seetüchtig, Menschenschmuggler kassieren tausende Euro für den Transport. Im Juli hat Griechenland angekündigt, seine Wachposten an der Grenze zur Türkei zu vervierfachen, um Flüchtlinge an der Einreise zu hindern. Laut Experten wählen deshalb nun viele Migranten gefährlichere, weniger bewachte Routen übers Meer.
Die Türkei hat ihre Einreisebestimmungen in den vergangenen Jahren hingegen gelockert. Bisher flohen allein mindestens 80.000 Syrer vor dem dortigen Bürgerkrieg in die Türkei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?