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Frankreich: Polizeischutz für Kinder nach Blutbad

06.09.2012 | 18:50 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (PARIS) (Die Presse)

Ein Zeuge liefert womöglich eine erste Spur zur Klärung des Verbrechens in einem Wald bei Annecy. Am Mittwoch wurden dort vier Menschen erschossen, zwei kleine Mädchen überlebten. Verbrechen hat eine historische Parallele.

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Ein britischer Tourist war mit seinem Fahrrad auf einem Waldweg bei Chevaline auf einer Anhöhe südlich von Annecy in den französischen Alpen vorbeigekommen. Was er dort am Mittwochnachmittag entdeckte und bei seinem Anruf bei der Polizei beschrieb, war grauenhaft.

In einem geparkten BMW mit britischer Nummer und laufendem Motor befanden sich drei erschossene Erwachsene: zwei Frauen, ein Mann. Daneben lag ein schwer verletztes siebenjähriges Mädchen und etwas weiter weg ein erschossener Radfahrer. Er stammte aus der Gegend, angeblich ein 40-jähriger Vater, der eben auf Väterkarenz war, er war wohl zufällig Zeuge und von den Killern mit Kopfschüssen aus einer automatischen Waffe gezielt getötet geworden.

Neben dem Fahrzeug lagen zahlreiche Patronenhülsen. Bei den Toten im Auto handelt es sich um den Vater, die Mutter und die Großmutter einer in Großbritannien lebenden Familie, die auf einem noblen Zeltplatz in Saint-Jorioz am Ufer des Sees von Annecy Ferien machte. Das siebenjährige Mädchen wurde anscheinend nicht durch Schüsse, sondern durch Schläge verletzt und soll nicht mehr in Lebensgefahr schweben.

Kind lag stundenlang unter Leiche

Die Meldung vom Massaker hatte Frankreich und Großbritannien bereits am Mittwochabend schockiert, erst recht perplex war man, als am Donnerstagmorgen die Polizei bekannt gab, dass sie kurz nach Mitternacht, rund acht Stunden nach dem Eintreffen am Tatort, ein zweites Mädchen entdeckt habe. Es sei hinter den Beinen seiner toten Mutter versteckt gewesen und unverletzt, aber völlig verstört gewesen und habe Englisch gesprochen. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, teilte mit: „Das Kind hat Lärm und Schreie gehört, konnte aber nicht mehr sagen. Es ist erst vier Jahre alt.“

In Zeitungen wird gefragt, wie es kommen konnte, dass man die Kleine so spät fand. Kriminalexperten erklärten, zuerst sei die Feuerwehr eingetroffen und habe den Tod der Erwachsenen festgestellt und die Siebenjährige weggebracht. Danach sei der Tatort abgesichert worden, für die Spurensicherung habe man vorschriftsgemäß auf die Spezialisten aus Paris gewartet. Die Polizei wusste bereits, dass die Familie eine zweite Tochter hatte, sie suchte diese überall – nur nicht im Auto.

Wie ihre siebenjährige Schwester steht die Vierjährige jetzt unter starkem Polizeischutz im Spital von Grenoble. Von den Mädchen erhofft man sich Hinweise auf den Hergang der Tat; hinsichtlich des Motivs  tappen die Ermittler im Dunkeln. Bisher weiß man, dass die Familie in einem Vorort Londons ihren Wohnsitz hatte. Der Vater sei ein 50-jähriger Iraker gewesen, die ältere Frau hatte einen schwedischen Pass.


Informationen erwarten die Behörden des Départements Haute-Savoie von ihren britischen Kollegen, die das Haus inspizierten. Britische Medien spekulieren, die Tat könnte Folge eines misslungenen Überfalls oder von Blutrache gewesen sein. Britischen Nachbarn auf dem Zeltplatz war nichts Verdächtiges aufgefallen. Einen Hinweis erhielt die Polizei von dem Radler, der sie alarmiert hatte. Er will ein weißes Auto gesehen haben, das vom Tatort wegraste.

Historische Parallele

Das Verbrechen hat eine unheimliche historische Parallele: Am 4. August 1952 wurde eine britische Familie, die in derselben Region campierte, umgebracht. Die Eltern hat man erschossen, der zehnjährigen Tochter den Schädel zertrümmert. Tatverdächtig war bald die Bauernfamilie Dominici, die in der Nähe einen Hof hatte, ihr 75-jähriges Oberhaupt wurde zum Tod durch die Guillotine verurteilt, aber von Präsident Charles de Gaulle begnadigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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23 Kommentare
Gast: Bagnas
09.09.2012 00:30
1 1

Annecy

Am Dienstagabend genehmigten wir uns am Ufer des Sees bei Annecy eine Pizza. Nicht weit vom Beau Rivage entfernt. Wir sahen reiche, sehr reiche Muslime. Warum sollte man eine einfache Familie überfallen, wenn der Reichtum neben der Strasse liegt?

Gast: web
06.09.2012 22:34
3 1

Hinrichtung

Geheimdienst? Automatische Waffen, lemonde spricht von Maschinenpistolen, sind wohl eher nicht die Standardausrüstung von gewöhnlichen Räubern und auch gezielte Kopfschüsse aus nächster Nähe sprechen eher für ziemliche "Professionalität".

Re: Hinrichtung

also, ihre konspirationstheorie kann ich beim besten willen nicht nicht teilen.

ein geheimdienst hätte wohl kaum grund, die gesamte familie auszulöschen, und sicher mittel und gelegenheiten, ihr hauptziel wesentlich unauffälliger und mit weniger kollateralschaden zu beseitigen.

ich würde am ehesten das organisierte verbrechen dahinter vermuten. ob ein familienmitglied darin verstrickt war, oder die familie nur durch einen tragischen zufall in diese letale situation kam, wird zu klären sein.

Re: Hinrichtung

also, ihre konspirationstheorie kann ich beim besten willen nicht nicht teilen.

ein geheimdienst hätte wohl kaum grund, die gesamte familie auszulöschen, und sicher mittel und gelegenheiten, ihr hauptziel wesentlich unauffälliger und mit weniger kollateralschaden zu beseitigen.

ich würde am ehesten das organisierte verbrechen dahinter vermuten. ob ein familienmitglied darin verstrickt war, oder die familie nur durch einen tragischen zufall in diese letale situation kam, wird zu klären sein.

Gast: xxxx
06.09.2012 19:09
4 7

Polizei - die Superheros! Around the Wöarlt!

Konnte wohl keiner nachschauen, ob da noch wer ist, diese inkompetenten Gogeln!
Nur blöd schauen=Polizei!

"Aussergewöhnliche Reflexe"

schon eine eigenartige Wortwahl. War der RAF-Angehörige überhaupt Pilot?

Ich würd mal vermuten, das schaut nach einer politischen Sache aus.

Alles eine Frage der EHRE?


Re: Alles eine Frage der EHRE?

Paranoia wohl eher.

Antworten Antworten Gast: pepiteufel
06.09.2012 23:22
4 2

Re: Re: Alles eine Frage der EHRE?

die frage ist durchaus berechtigt. die "familie aus england" ist irakischer abstammung. und sollte es eine professionelle bande gewesen sein, die sich auf touristen spezialisiert hat, kann man getrost davon ausgehen, daß es die üblichen verdächtigen (also keine einheimischen) waren.

Gast: orapoporalein
06.09.2012 16:05
7 0

Sinnlose Kommentare

Immer wieder ärgern mich die Kommentare von Menschen, die keine Ahnung von der Materie haben... Wahrscheinlich sind das genau die Leute, die keinen Finger krumm machen wenn sie ein Verbrechen vor ihren Augen sehen! Man kann sich immer leicht reden als Aussenstehender! Das einzig vernünftige Kommentar ist von Nashwin
Ich wünsche den beiden Mädchen, daß sie dieses Verbrechen verarbeiten können!!!

Re: Sinnlose Kommentare

Das beste KO-Argument von Versagern ist immer, dass es die anderen nicht besser machen würden.

0 14

wieder

so ein schießwütiger Einzelfall
das liest man inzwischen im 3 Tages Rhytmus
traurig genug die ganze Geschichte und ein Beweis mehr ,dass es an Zeitgenossen die bis auf die Zähne bewaffnet sind nicht mehr mangelt
aber die Befürworter der Waffenfreiheit haben sicher wieder eine Erklärung dafür

Antworten Gast: Pedro
06.09.2012 19:17
11 1

Re: wieder

Der Vorfall ist doch ein Paradebeispiel PRO Waffengesetzliberalisierung!

Hätten die Eltern und der Radfahrer eine Waffe dabei gehabt, dann hätte die Chance bestanden dass ein paar mehr überlebt hätten ...

Sie machen denselben Fehler den alle Waffengegner machen. Sie denken Waffenverbote würden ihre Sicherheit heben, weil dann ja niemand mehr Waffen hat. Nur das ist halt falsch. Denn Waffenverbote betreffen nur rechtstreue Staatsbürger. Verbrecher betreffen diese dagegen überhaupt nicht.
Bsp: England hat die rechtstreuen Bürger entwaffnet. Seither haben die bewaffneten Einbrüche in Häuser während die Bewohner anwesend sind drastisch zugenommen. Ist auch logisch, Gegenwehr ist nicht mehr zu erwarten.

In den USA sind aufgrund der letzten Erkenntnisse viele Staaten dabei die Erlaubnis zum verdeckten Waffentragen zu erleichtern. Einfach weil wir jetzt dank dem Verbotswahn der letzten 2 Jahrzehnte wissen, dass Waffenverbote die Probleme die Waffen bereiten kein bißchen senken.

Was glauben sie warum in vielen Staaten zb. Lehrer angehalten sind eine Waffe zu tragen?
Was glauben sie wieviele Kinder dieser Nazi Breivik töten hätte können, wenn es dort Waffen gegeben hätte?

Selbstverteidigung ist ein Menschenrecht. Das effektivste Mittel (nicht das tödlichste - zb. ist eine legale Armbrust tödlicher und leiser) dazu ist nun einmal eine Pistole.

Ich wohne in Öst. am Land. Die Polizei braucht zu mir mind. 1/4h. Ich trage deswegen eine Waffe, weil mir ein Polizist zu schwer wäre.

Re: Re: wieder

@ Pedro
der hier geschilderte Vorfall sollte keine pro/contra Waffendiskussion auslösen ,den Argumenten der Befürworter zufolge schließe ich aber ,dass man allgemein die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgegeben hat
Fazit:
Waffen für jeden,wer Freund wer Feind ist, lässt sich eh nicht mehr unterscheiden
also
ginge es hier um Grundsätzliches ,dafür ist es aber offensichtlich zu spät
ein trauriges Leben,wenn man nur mehr in Angst dahinvegetiert

Re: wieder

wir, die befuerworter der Waffenfreiheit, nehmen an, dass sich Kriminelle die sowas auffuehren, nicht nur an das Verbot zu morden nicht halten, sondern ebenfalls nicht an etwaige Regelungen zu Waffenbesitz und -tragen. Ich nehme mal nicht an, dass die Taeter berechtigt waren, gelade Schusswaffen zu fuehren. Und ich nehme auch an, vor allem bei kriminellem Hintergrund, dass die Waffen nicht registriert, und wohl auch nicht legal besessen sind. Aber da koennen wir ja mal abwarten was da noch rauskommt. Und dank den Waffengesetzen gabs nicht mal die theoretische Moeglichkeit einer Gegenwehr gegen bewaffnete Gangster!

Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
06.09.2012 18:21
4 0

Re: Re: wieder

Die Waffen war sicherlich illegal denn mir wäre kein europäisches Land bekannt in dem der Besitz einer Maschinenpistole für Private legal erlaubt wäre.


Familiendrama?

Wenn es denn eines gewesen wäre, hätten die beiden Mädchen sicher nicht überlebt. Ich hoffe, dass diese schreckliche Tat bald aufgeklärt wird und, dass die Mädchen, trotz der Tat ein normales Leben führen werden.

"Die Ermittler hätten erst nach dem Eintreffen der Techniker Zugang zum Auto erhalten und deshalb das Mädchen erst dann entdeckt."

Ach ja. Und wie heisst der Chef der Ermittler? Louis de Funes?

Re: "Die Ermittler hätten erst nach dem Eintreffen der Techniker Zugang zum Auto erhalten und deshalb das Mädchen erst dann entdeckt."

Ich glaube, das mit dem Louis de Funes trifft's ziemlich genau!
Welches Hirni würde sonst veröffentlichen, das es Überlebende gibt, wenn schon ein toter Radfahrer neben dem Auto liegt...

Re: "Die Ermittler hätten erst nach dem Eintreffen der Techniker Zugang zum Auto erhalten und deshalb das Mädchen erst dann entdeckt."

Da offenbar nicht ersichtlich war, dass sich noch eine lebende Person im Fahrzeug befand, wollte man vermutlich nicht durch gewaltsames Aufbrechen des Fahrzeugs mögliche Tatortspuren zerstören.

Aus den wenigen Informationen im Artikel kann ich jedenfalls kein tölpelhaftes Verhalten ableiten.

Antworten Antworten Gast: pfff...
06.09.2012 18:10
2 1

Re: Re: "Die Ermittler hätten erst nach dem Eintreffen der Techniker Zugang zum Auto erhalten und deshalb das Mädchen erst dann entdeckt."

nicht mal ein arzt kann von außerhalb des autos mit sicherheit feststellen ob jemand noch lebt oder nicht.
es ist in so einem fall zunächst einmal erste hilfe zu leisten.
die spurensicherung erfolgt danach.
8 stunden lang ist kein arzt eingetroffen?
oder hat er nicht ins auto geschaut?
wenn 8 stunden lang eine lebende person nicht bemerkt wurde, hat man definitiv nicht mal dran gedacht erste hilfe zu leisten. sonst wärs aufgefallen dass einer unversehrt ist.

Antworten Antworten Antworten Gast: yoshi1
06.09.2012 19:04
4 0

Re: Re: Re: "Die Ermittler hätten erst nach dem Eintreffen der Techniker Zugang zum Auto erhalten und deshalb das Mädchen erst dann entdeckt."

Selbst Zivildiener dürfen den Tod eines Patienten annehmen wenn diesem mehrfach in den Kopf geschossen wurde. Und ca so dürften die Leichen ausgesehen haben wenn man sich die Umschreibungen des Polizisten ausmalt.

Antworten Antworten Gast: so viele experten ...
06.09.2012 16:43
1 0

aus welcher entfernung kannst denn du

feststellen ob jemand noch lebt, oder ob noch jemand im wagen ist?