Rund 450 wütende Passagiere haben am Wochenende in Bulgarien einen Zug entführt. Zuvor war eine Regionalbahnverbindung zusammengebrochen, berichteten am Dienstag bulgarische Medien. Die Bahn habe den Vorfall zunächst verschwiegen und ihn erst zugegeben, nachdem in sozialen Netzwerken im Internet Bilder und Videos aufgetaucht waren.
Ein Defekt legte die elektrische Regionalbahn der Hauptstadt Sofia in Richtung Nordwestbulgarien noch in der Vorstadt Ilijanzi lahm. Knapp 450 Passagiere, die wegen des langen Wochenendes rund um den bulgarischen Nationalfeiertag am 6. September unterwegs waren, strandeten auf dem Bahnsteig.
Schnellzug wird zu Regionalzug erpresst
Große Hoffnung auf einen Ersatzzug hatten die Reisenden offenbar nicht. Denn als sich ein Schnellzug näherte, sprangen mehrere Passagiere auf die Gleise und zwangen den Lokführer zu stoppen. Andere Wartende stürmten den Zug und brachten die Schaffner durch Drohungen dazu, die Türen zu öffnen. Dann pressten sich hunderte Menschen in die Waggons. Um einem weiteren "Aufstand" vorzubeugen, entschieden die Bahnverantwortlichen, den Schnellzug als Regionalverbindung zu nützen und verordneten dem Lokführer, in allen 27 Stationen zu halten.
Die Bahn bestätigte nunmehr, dass von 35 Elektrozügen, die in den 1970er Jahren in Russland produziert worden waren, nur noch neun einsatzfähig sind. Für neue Züge fehle das Geld, sagte ein Sprecher dem TV-Sender "bTV".
(APA)
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