Male/Wien/Sig/Ag. Auf den Malediven dürfen Männer und Frauen in Zukunft nicht mehr „unanständig“ miteinander tanzen: Wie die Zeitung „Minivan“ berichtet, habe das Ministerium für islamische Angelegenheiten Richtlinien zum „Verbot öffentlicher Tanzveranstaltungen“ an die Regierungsbehörden geschickt. Außerdem sollen minderjährige Mädchen von allen Veranstaltungen ausgeschlossen werden, bei denen sie zum Tanzen aufgefordert werden könnten.
Erlaubt bleiben Kinderfeste, Militärparaden, das Spielen der Nationalhymne und Pfadfindervorführungen – Veranstaltungen, die laut Ministerium den Vorgaben islamischer Bräuche genügen.
Bereits Anfang der Woche hatte die an der Regierung beteiligte religiös-konservative Adhaalath-Partei („Gerechtigkeitspartei“) verkündet, dass „Musik und Lieder“ der Jugend des Landes schadeten. „Zigaretten, Musik und Internet sind eine Vorstufe von schlimmeren Süchten wie Alkohol, Pornografie und harten Drogen“, erklärte die Partei – im übrigen ausgerechnet über den Internet-Kurznachrichtendienst „Twitter“.
Partei will Scharia einführen
Der Islam ist auf den Malediven Staatsreligion, alle 330.000 Bürger der Inselrepublik, die Touristen aus aller Welt anzieht, sind Muslime. Das Praktizieren anderer Religionen ist verboten, eine Staatsbürgerschaft bekommen selbst im Land Geborene nur, wenn sie sich zum Islam bekennen. Während die auf den Malediven praktizierte sunnitische Version des Islam traditionell als moderat galt und sich oft mit regionalen Bräuchen vermischte, gewannen religiöse Hardliner in den vergangenen Jahren zusehends an Einfluss. Im Februar bildete der neue Präsident Mohammed Washeed Hassan die Regierung um und holte die Adhaalath-Partei ins Kabinett, die die Einführung der Scharia fordert.
Wellnessbereiche geschlossen
Das Tanzverbot ist das jüngste in einer Reihe von Verschärfungen entlang islamischer Richtlinien. Ende 2011 hatte die maledivische Regierung vorübergehend Wellnessbereiche in Hotels geschlossen. Sie reagierte damit auf Proteste von Islamisten, die in den Anlagen getarnte Bordelle vermuten. Außerdem fordern die religiösen Hardliner ein Verbot von Schweinefleisch und insbesondere Alkohol – ein Schritt, der wohl gravierende Folgen für den Tourismus hätte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)
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