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Spanien: Dem Stierkampf geht es an den Kragen

21.09.2012 | 09:10 |  Von unserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (MADRID) (Die Presse)

Kaum noch Zuseher, kaum noch Geld, dafür wachsende Abscheu: Spaniens traditionelles Volksspektakel ist auf dem Rückzug, immer mehr Arenen sperren zu, viele Kampfstiere wandern gleich direkt ins Schlachthaus.

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Früher starben Spaniens Stiere noch zuhauf in der Arena durch den Degen des Toreros – heute landen immer mehr der oft hochgezüchteten Kampfbullen im Schlachthaus. Die umstrittene Volksunterhaltung Stierkampf ist nämlich seit geraumer Zeit in der Krise: Die Zuschauerzahlen sanken massiv, immer mehr Orte wollen kein Geld mehr für die fragwürdigen „Fiestas“ ausgeben, bei denen die Tiere zu Tode gequält werden.

Vor Kurzem schloss auch die baskische Stadt San Sebastián (Donostia) ihre Stierkampfarena: „Das Leiden der Tiere darf sich nicht in ein öffentliches Spektakel verwandeln“, erklärte der Bürgermeister, Juan Carlos Izaguirre. Zudem sei es in Zeiten leerer kommunaler Kassen nicht mehr zumutbar, „die Arena auf Kosten der öffentlichen Hand zu unterhalten, um dort sieben Stierkämpfe im Jahr zu veranstalten“. Künftig nutze man sie für Sport- und Musikereignisse.

Tierliebe? Spanienhass!

San Sebastián ist mit etwa 190.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt im nordspanischen Baskenland und vor allem durch sein internationales Filmfestival weltberühmt. Für 2016 wurde die Stadt am Atlantik zur europäischen Kulturhauptstadt gekürt. Doch nicht nur hier, wo die baskische Unabhängigkeitsbewegung „Bildu“ im Rathaus regiert, geht es den Stierkämpfern an den Kragen. Auch in anderen baskischen Orten, wo das erstarkende anti-spanische Parteienbündnis Bildu das Sagen hat, sollen Arenen gesperrt werden. Tierschützer freut das, aber hinter dieser Kampagne steckt mehr: Stierkämpfe gelten als typisch spanisch und das Bündnis Bildu, das schon in rund 100 Rathäusern im rebellischen Baskenland die Macht hat, will mit Spanien so wenig wie möglich zu tun haben.

Aus ähnlichen Motiven kam auch das Stierkampfverbot in der ebenfalls aufmüpfigen nordostspanischen Region Katalonien zustande, wo Toreros, Picadores und Co. seit Anfang 2012 per Dekret arbeitslos wurden. Auf den Kanarischen Inseln sind Stierkämpfe seit mehr als 20 Jahren untersagt. Aber sogar in den Hochburgen des Stierkampfs, etwa im südspanischen Andalusien oder in Spaniens Hauptstadt Madrid, wenden sich immer mehr Menschen davon ab. Regelmäßig gibt es Proteste vor Arenen, bei denen Demonstranten „Schluss mit der Folter“ rufen.

Belustigung für Alte

Umfragen zufolge interessiert sich nur noch eine Minderheit, meist ältere Menschen, für Stierkämpfe, die seit Jahrhunderten in Spanien (seltener in Portugal, Südfrankreich und Lateinamerika) als „nationale Tradition“ veranstaltet werden. Die Zeiten ausverkaufter Arenen sind aber lange vorbei: Viele können nur mit Subventionen überleben, immer mehr sperren zu. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl dieser Spektakel, die einst zu jedem Dorffest gehörten, auf rund 1200 halbiert. Viele Stierzüchter müssen ihre Kampfbullen mangels Abnehmern direkt ans Schlachthaus liefern. Besonders der Stierschwanz ist eine Delikatesse und steht als „rabo de toro“ auf mancher Speisekarte.

Förderer von ganz oben

Den Trend können auch die obersten Torero-Fans, König Juan Carlos und der konservative Premier Mariano Rajoy, nicht aufhalten – und das, obwohl Rajoy versucht, das Interesse anzukurbeln: Das öffentliche Fernsehen TVE muss die großen Stierkämpfe wieder live übertragen, zur besten Kinderstundenzeit am Nachmittag. Zudem möchte Rajoy die Stierkampftradition im ganzen Land als  „Kulturerbe“ gesetzlich schützen lassen.

Lexikon
Der Stierkampf (corrida de toros) in Spanien lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, als Ritter zu Pferde gegen Stiere kämpften, was Vorbilder im alten Rom hatte. Die moderne, streng inszenierte Form entstand im 18. Jh., die erste Arena wurde 1733 in Sevilla (Andalusien) gebaut, erst war sie aus Holz, später folgte ihr ein mächtiger Steinbau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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24 Kommentare
Gast: basator
21.09.2012 07:29
1 1

spanien

Ich bin dafür wir schenken Spanien den WC heinzi.

Antworten Gast: schüsselfekter
21.09.2012 09:00
2 1

Re: spanien

und verkleiden ihn als stier

"...wachsende abscheu."

dem stierkampf gehts offensichtlich schneller an den kragen als der beschneidung.

Gast: Pepe essen nix Fleisch, was hat 2 Augen....ausgenommen Rind, Geflügel, Schwein, Fisch, Kalb, Truthahn, Ameisen!
21.09.2012 01:32
2 1

Zudem möchte Rajoy die Stierkampftradition im ganzen Land als „Kulturerbe“ gesetzlich schützen lassen???.....

....Tierquälerei als Kulturerbe, auf so etwas kann nur ein kranker Politiker kommen!
be.es: Tierquälerei "zur besten Kinderstundenzeit am Nachmittag", auf so etwas krankes muss man einmal kommen!

Gast: Wasserlaeufer
20.09.2012 22:12
5 2

Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Und dafuer haben die Stiere jahrelang auf den besten Weiden die beste Pflege.

Das schlachten der Tiere in Schlachthoefen
dauert wesentlich laenger, waehrend denen
die Tiere das Blut riechen und in Panik geraten.

Beim Stierkampf stuermt der Stier im maechtigen Lauf voll Adrenalin in die Arena.
Ob er in diesem Zustand Schmerz verspuert
ist fraglich. Das Nevensystem unterbindet
das Schmerzgefuehl in solch extremen Stresssituationen.
Dann hat der Stier durchaus die Moeglichkeit
alle Beteiligten zu toeten.
Der hohe Adrenalinspiegel laesst ihn aber
offenbar nicht klar "denken".
Nach ein paar Ole kommt dann sowieso
der Todesstoss; wohl nicht laenger als
eine Standard Schlachtung dauert von
Rindern die in stinkenden engen Kobeln
fuer die Schlachtung gemaestet werden.
Wo die Gegend vom Urin und Feces stinkt
und das Grundwasser verseucht wird.

http://www.youtube.com/watch?v=upfN-fWLbkU

Torros haben ausgedehnte Weidegruende zu ihrer
Verfuegung wo sie sich artgemaess entwickeln konnen nicht wie in den heutigen entwuerdigenden Tierfabriken.

http://www.youtube.com/watch?v=Lp2cVe7unv4

Jede Freiheit hat ihren Preis
und der des Stiers ist der 15 Minuten
Kampf in der Arena.

Corrida de Toro Mexico City 2011:

http://www.youtube.com/watch?v=mvSW09NSnLc

Die Gutmenschen haben eben keine Ahnung von der Spanischen-Kultur.
Die gehen lieber ihre voegelfressenden
Mizikatzerln mit Rindfleisch und Tunfischfleisch fuettern.


Antworten Gast: Es Pana
21.09.2012 14:16
0 0

Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

d.h. Sie unterstellen den Spaniern, keine Ahnung von spanischer Kultur zu haben, wenn sie den Stierkampf immer mehr ablehnen.

Dumpfösterreichische Überheblichkeit also.

Antworten Gast: Hacklwerfer
20.09.2012 23:52
3 4

Re:Die Gutmenschen haben eben keine Ahnung von der Spanischen-Kultur.

Kultur?? - Zivilisiert?? - remember Cortez...

Antworten Antworten Gast: Mexicobeobachter
21.09.2012 05:08
0 2

Re: Re:Die Gutmenschen haben eben keine Ahnung von der Spanischen-Kultur.

Cortez war immerhin ein extrem mutiger Mann. Schlau, mutig, entscheidungsfreudig... Ein Erfolgsmensch, eben. Und WEIT weniger grausam als seine Gegner.

Antworten Antworten Antworten Gast: schlÄchter
21.09.2012 08:15
0 0

Re: Re: Re:Die Gutmenschen haben eben keine Ahnung von der Spanischen-Kultur.

sg mexicobeobachter!
von mir ein dickes +

mfg
s.

2 2

Armes Stallvieh...

... verbringt eine elende Lebenszeit im Vergleich zu den Stieren mit "bester Weide und bester Pflege", wie Sie schreiben, gewiß. Doch Sie schreiben an der Sache vorbei, der Hauptkritikpunkt ist ein anderer: Es geht primär nicht um Leiden und Sterben der Arena-Stiere, sondern um den abscheulichen Aspekt, daß ein Quäl- und Tötungsritual der Unterhaltung, dem Zeitvertreib, der Volsbelustigung dienen kann, daß Menschen in großer Zahl (nicht bloß ein paar behandlungsbedürftige Psychopathen) Freude daran finden! Der Gipfel dabei ist wohl, eine derart primitive Scheußlichkeit aufwerten zu wollen, indem man sie als "Kulturerbe" bezeichnet.

2 1

Re: Armes Stallvieh...

Tippfehler: Es sollte natürlich "Volksbelustigung" heißen.

Antworten Gast: Konservativer
20.09.2012 23:48
1 3

Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Bravo! Endlich mal einer, der nicht mit diesem widerlich links-gutmenschlichen Öko-Strom mitschwimmt.

ICH WERDE DEN STIERKAMPF FINANZIELL UNTERSTÜTZEN! JETZT ERST RECHT!

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
21.09.2012 08:21
1 0

Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

sg konservativer1
von mir +

ole`!

m besten g
s.

Antworten Antworten Gast: Strumpf des Toreros
21.09.2012 07:32
3 1

Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Nicht finanziell unterstützen. SELBER als Stier in die Arena gehen! Ist ja eh so lustig, gell?

Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Essen sie fleisch oder Fisch ?
Falls ja, ist ihr posting entbehrlich.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Strumpf des Toreros
21.09.2012 08:31
0 1

Re: Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Kennen Sie den Unterschied zwischen "töten, um zu leben" und "töten als Belustigung"? Falls nein, ist Ihr posting entbehrlich

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Konservativer
21.09.2012 18:23
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Fleisch essen ist Töten zur Belustigung.

Man ist darauf heute nicht angewiesen, weil man sich auch vegetarisch ernähren kann, also ist der Fleischkonsum Töten als (leibliche) Belustigung.

Der Stierkampf ist ethisch betrachtet also EXAKT dasselbe wie der Konsum von Fleisch.

Und ich esse Fleisch. Aber wenigstens stilisiere ich mich nicht zum Opfer deswegen.

ICH ESSE FLEISCH, WEIL MIR DAS WOHL VON TIEREN WENIGER BEDEUTET ALS MEIN LEIBLICHES WOHL!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Strumpf des Toreros
21.09.2012 21:19
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

"Fleisch essen ist Töten zur Belustigung"....."Der Stierkampf ist ethisch betrachtet also EXAKT dasselbe wie der Konsum von Fleisch." Echt??? Sie haben ja wirklich eine eigentümliche Sicht der Dinge. Etwas verworren, aber amüsant zu lesen. Übrigens auch Vegetarismus bedeutet zu töten - nämlich Pflanzen. Es gilt nämlich ganz allgemein das Prinzip "Leben braucht Leben zum Leben". Es gibt natürlich auch Ausnahmen: die Kuhmilch, der Ziegenkäse...

Re: Re: Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Sie können auch ohne Fisch & Fleisch leben.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Strumpf des Toreros
21.09.2012 10:41
0 1

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Laenger als 15 Minuten dauert kein Kampf

Nona, natürlich kann ich das. Und vielleicht tu ich es ja auch. Aber das beantwortet nicht meine Frage. Also: wie stehen Sie zur Diskrepanz "töten um zu leben" - "töten als Belustigung"?

Gast: Hacklwerfer
20.09.2012 21:58
2 0

Die spinnen - die Iberer...


3 0

cocarde

in frankreich gibt es den stierkampf unblutig!man muß dem stier die cocarde von den hörnern reissen.

Antworten Gast: Frenchiebeobachter
21.09.2012 05:09
2 0

Re: cocarde

In Frankreich toetet man Menschen, nicht Stiere.

Gast: cartarossa
20.09.2012 19:30
9 4

Das Zu-Tode-Quälen von Säugetieren zur allgemeinen Volksbelustigung - und das im "zivilisierten" Europa des 21. Jahrhunderts! Eine Schande!