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USA: Schuldsprüche im Prozess um Bartattacken

21.09.2012 | 07:36 |   (DiePresse.com)

Dem Anführer einer Splittergruppe der Amish droht eine lange Haftstrafe, weil er rivalisierenden Glaubensbrüdern gewaltsam die Bärte abschneiden ließ.

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Dem Anführer einer Splittergruppe der Glaubensgemeinschaft der Amish droht in den USA eine lange Haftstrafe, weil er rivalisierenden Glaubensbrüdern gewaltsam die Bärte abschneiden ließ. Ein Geschworenengericht im Bundesstaat Ohio befand Bischof Samuel Mullet am Donnerstag eines Hassverbrechens schuldig. Auch 15 seiner Anhänger, die in die Bartattacken verwickelt waren, sprach die Jury schuldig.

Der 66-jährige Mullet führt eine Gemeinde von 18 Familien, die in der abgelegenen Siedlung Bergholz rund 160 Kilometer von Cleveland entfernt leben. Zeugen beschrieben den Vater von 18 Kindern als autokratischen Herrscher über seine Gemeinde. So habe Mullet die Post seiner Anhänger geöffnet und Vergehen mit Schlägen bestraft, außerdem soll er mit mehreren jungen Frauen aus der Gemeinde Sex gehabt haben. Während des Verfahrens wurde die Gemeinschaft von mehreren Zeugen als Sekte bezeichnet.

"Terrorkampagne"

Die Staatsanwaltschaft warf Mullet vor, gegen Abweichler und religiöse Gegenspieler unter den Amish im vergangenen Herbst eine "Terrorkampagne" gestartet zu haben. Bei fünf Gelegenheiten sollen seine Anhänger ihre Opfer in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und brutal Haare und Bärte abgeschnitten haben. Bei den Amish gilt der Bart als Ausdruck von Männlichkeit, Würde und Frömmigkeit. Nach der Eheschließung darf der Bart nicht mehr geschnitten werden; das Abschneiden wird als Erniedrigung empfunden.

Staatsanwalt Steven Dettelbach sagte, die Angeklagten seien auf Mullets Geheiß in die Häuser der Opfer eingedrungen, hätten sie körperlich angegriffen und "fast wie Tiere geschoren". Um eine Verurteilung wegen Hassverbrechen zu erreichen, musste die Staatsanwaltschaft beweisen, dass die Bartattacken religiös motiviert waren und damit mehr als nur eine einfache Körperverletzung darstellen. Die Geschworenen folgten dieser Argumentation - nun kommt auf Mullet und seine Anhänger eine mehrjährige Gefängnisstrafe zu. Der Bischof selbst wurde schuldig gesprochen, die Angriffe angeordnet zu haben, nicht jedoch, daran teilgenommen zu haben. Unter den Tatbeteiligten sind drei seiner Söhne.

Verteidiger: "Es gibt eigentlich keine Beweise"

Nach US-Bundesrecht können aus Hass auf Minderheiten begangenen Verbrechen dem Nachrichtensender CNN zufolge in bestimmten Fällen sogar mit lebenslanger Haft bestraft werden. Das genaue Strafmaß im Fall Mullet muss das Gericht noch verkünden. Als Datum wurde der 24. Jänner 2013 angekündigt. Mullets Verteidiger Edward Bryan sagte, es habe nur "wenige, eigentlich keine Beweise für eine Verbindung zwischen Sam Mullet und diesen Angelegenheiten gegeben".

Die Angriffe hatten die pazifistischen Amish schockiert, denen jede Form von Rache verboten ist. Die Amish sind Angehörige einer Täufergemeinschaft, die im 18. und 19. Jahrhundert vor allem aus Deutschland, der Schweiz und dem Elsass in die USA auswanderte. Die Gemeinschaft zählt rund 260.000 Mitglieder, die meisten von ihnen leben in Pennsylvania und Ohio. Sie sind bekannt dafür, dass sie die meisten Aspekte des modernen Lebens wie Autos oder Telefone ablehnen.

(APA/AFP)

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3 Kommentare
Gast: Be-obachter
21.09.2012 22:28
1 0

Ach ja?

Bartabschneiden wird also mit langen Haftstrafen geahndet? Der Bart wächst ja eh wieder nach...

Die Beschneidung von Unmündigen ist hingegen straffrei.
Ich glaub, ich bin im falschen Film...

:) "Sex mit mehreren jungen Frauen ..."

... haette ja wohl jeder gern, bis auf die machtgierigen ErsatzVerdraenger, wie man sie unter konservativen PolitikerInnen findet :) :) :)

Wahr ist jedenfalls, dass fuer die Amish die Welt weniger als 10.000 Jahre alt ist
http://www.scilogs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/vorurteile/2008-11-15/die-erde-eine-scheibe-lehrte-die-kirche-das-je
(sie scheinen jedoch nicht an der Welt als Scheibe festzuhalten)
und
dass sehr miese AltersHierarchien den jeweils Juengeren vorschreiben, was sie tun und lassen sollen

(wobei jegliche Kommunikation auf das Abendessen beschraenkt ist, Telefon/TV/PC etc. verboten weil teuflisch sind,
-- von Internet ganz zu schweigen --
und Autos und Geld nur nach SpezialErlaubnis angefasst werden duerfen)

zb duerfen LehrerInnen bei den Amish nicht mit den Kindern ueber Dinosaurier sprechen weil die frueher als vor den ca. 6000 Jahren lebten, die die Welt lt. AmishBibel alt ist :)

(woertliche Aussage einer staatlichen Volksschullehrerin, die nicht Amish ist aber bei den Amish unterrichtet, ca. 2011 ueber den Alltag ihrer Arbeit, in einer TVdoku in 3sat oder Arte, Details nicht mehr erinnerlich)

und da wundert sich wer ueber Bartabschneidereien und andere skurrile Dinge?

Gast: Alien (Dauerzensuriert)
21.09.2012 08:30
0 0

Rollenspiel

Das erinnert mich an Rollenspiele. Dort ist der Bart eines Zwerges auch heilig...