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Adelige in Italien: Zuerst Exil, dann TV-Show

29.09.2012 | 18:06 |  von Iris Bonavida (Die Presse)

Das ehemalige Königsgeschlecht empört durch Skandale, der restliche Adel distanziert sich davon.

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Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert: Daran halten sich vor allem die Nachfahren des letzten Königs von Italien. Vom Korruptionsverdacht bin hin zu Skandalen mit Prostituierten – beliebt hat sich die Adelsfamilie von Savoyen bisher nur bei den italienischen Boulevardblättern gemacht.

Daran hinderte sie auch nicht ein jahrzehntelanges Leben im Exil: 1946 entschied sich das italienische Volk mittels Referendum für ein Ende der Monarchie – der Adel wurde abgeschafft, der vierte und letzte König, Umberto II., musste nach nur einem Monat die Regentschaft beenden. Seinen Nachfahren wurde 1948 ein absolutes Einreiseverbot nach Italien erteilt. Erst 54 Jahre später wurde die Verfassung durch die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi geändert, und das ehemalige Königsgeschlecht durfte wieder italienischen Boden betreten.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis Vittorio Emanuele, der Sohn des letzten Königs, Ärger mit der italienischen Justiz bekam: Er wurde mit dem Verdacht, in organisierte Kriminalität verwickelt zu sein, verhaftet; außerdem wurden ihm noch Korruption, Fälschung sowie die Ausbeutung von Prostituierten vorgeworfen.

Olivenwerbung. Sein Sohn Emanuele Filiberto suchte sich die Medienpräsenz schon etwas bewusster aus: Er tauchte bei Werbespots für Oliven und eingelegte Zwiebeln auf und machte bei den italienischen Formaten zu „Dancing Stars“ und „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ mit. Beliebter wurde er dadurch beim italienischen Volk allerdings nicht.

Viel zu tief sitzt der Zorn der Italiener auf die Monarchie. Daran ist vor allem der dritte König, Vittorio Emanuele III., schuld: Er unterschrieb das faschistische Rassengesetz von Benito Mussolini. Und er bewilligte den Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg – beides hatte den Tod von hunderttausenden Italienern zur Folge.


Zurückgezogener Adel. Trotz allem wird der Gebrauch von adeligen Titeln auch in amtlichen Dokumenten toleriert. Der restliche Adel in Italien hält sich relativ bedeckt und distanziert sich vor allem vom ehemaligen Königsgeschlecht. Einer der letzten Überlebenden der toskanischen Adeligenfamilie der Medici, Lorenzo de' Medici, schreibt etwa recht unpompös historische Romane und hat seinen Hauptwohnsitz in Spanien.

Doch der italienische Staat ist bemüht, zumindest den historischen Wert der Noblesse zu bewahren: Bereits zum 31.Mal wurden 2011 alle Familienstämme des italienischen Adels in einem Lexikon festgehalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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