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Deutschlands Aristokraten: Adelstitel als Teil des Namens

29.09.2012 | 18:06 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Ulrich Habsburg fordert das Recht von Deutschlands Aristokraten auch für Österreich: Die Titel von einst im Namen zu tragen. Das beflügelt das adlige Ego. Nur eine harmlose Eitelkeit?

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Man vermutet sie hoch zu Ross, in Kutschen oder Oldtimern. Aber man findet die deutschen Aristokraten, authentischer als irgendwo sonst, auf dem Drahtesel: als „Adel auf dem Radl“. Bei diesen rudelartigen Ausflügen strampeln Jugendliche in identitätsstiftender Absicht von Schloss zu Schloss. Die Etappenmarken sind nicht immer Paläste, die Einfamilienhäuser verarmter ostelbischer Barone tun es auch. Wichtig ist nur, dass seinesgleichen Saft und Kuchen reicht.

Am Abend tanzt der Nachwuchs zu Friesenrock, einer schnöseligen Abart des einst wilden Rock 'n' Roll. Schließlich kommen sich die jungen Leute im Park züchtig näher. Das ist die unverhohlene Intention des sportlichen Unterfangens: schon früh die Weichen für eine standesgemäße Heirat zu stellen. So bewahrt die junge Gräfin ihre Eltern vor der Schmach, einen frischen Zweig des Stammbaums von einem bürgerlichen irgendwer knicken zu lassen. Denn dann wäre es vorbei mit dem Von und Zu, das viele deutsche Adelige mit sich tragen wie ein Hirsch sein Geweih.

Radikale Republikaner. Solch wohl konservierter Standesdünkel lässt den Kärntner Ulrich Habsburg-Lothringen offenbar voll Sehnsucht über die Grenze blicken. Auf den Braunauer Zeitgeschichtetagen stellte der Abkömmling des Erzhauses am gestrigen Samstag die Forderung auf, „die Adelstitel in Österreich – wie in Deutschland – als Teil des Namens wieder einzuführen“. Tatsächlich gingen die sonst so titelsüchtigen Österreicher nach dem Ende des Ersten Weltkriegs den radikaleren Weg. Die frischgebackenen Republikaner schafften 1919 neben den Privilegien auch alle Titel der feudalen Klasse ab. Wer sie weiter pflegt, muss mit Strafe rechnen. Die Weimarer Republik hingegen ging einen „Kompromiss“ ein, um die eben noch Mächtigen „nicht ganz zurückzustoßen“, wie die Historikerin und Adelsexpertin Monika Wienfort im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ erklärt.

Die Herrschertitel blieben ein Auslaufmodell, das sich mit dem Ableben der letzten Könige und Kurfürsten erledigt hat. Für den Rest der Sippen wurde der Titel zum Bestandteil des Familiennamens. Die Prinzen, Gräfinnen und Barone haben sich nach rechts verschoben: Ein Graf Otto von Lambsdorff mutiert zu Otto Graf Lambsdorff. In der Prädikatsversion wird aus einem fränkischen Freiherrn ein Karl Theodor zu Guttenberg. Auf die kleine Silbe „zu“ kommt es an – und wie!

Der „Gotha“ gilt. Der „Gotha“ hat nur seinen Namen gewechselt. Das „Genealogische Handbuch“ füllen die Mitglieder der Adelsverbände, deren Regeln streng gefasst sind: Ein angeheirateter Bürgerlicher, ein Bastard oder Adoptivkind haben keine Chance. Das war nicht immer so: Bis in die Siebzigerjahre gab es einen schwungvollen Handel mit den begehrten Titeln. Ist das der einzige Grund, warum man sie so eifersüchtig hütet? „Es wird nichts unversucht gelassen, um die Exklusivität ehemaliger Adelsprädikate zu erhalten“, schrieb Sebastian-Johannes Prinz von Spoenla-Metternich in seiner von Juristen gelobten Diplomarbeit. Der Rebell vermutet hinter dem genealogischen Eifer eine verborgene Agenda: Bei einer „Änderung der Staatsform sollen die alten Machtstrukturen sofort wieder erkennbar sein“.

Solch beunruhigende Perspektiven rufen Katja Kipping auf den Plan. Die heutige Vorsitzende der Linkspartei forderte 2010 die Abschaffung der Titel, getreu dem österreichischen Vorbild: „Es wird Zeit, dass wir das auch in Deutschland tun.“ Aber gibt es unter den etwa 100.000 Deutschen blauen Blutes tatsächlich zuhauf verstockte Monarchisten? Einem „autoritären Herrschaftsmodell“, sagt Historikerin Wienfort, hänge der Adel als Gruppe nicht mehr nach: „Spätestens in den Siebzigerjahren haben sie ihren Frieden mit der Republik gemacht.“

Das war freilich auch die Zeit, als sie sich von einem Makel befreiten. Lange betonten Historiker, wie sehr die traditionelle Elite den Aufstieg der Nazis befördert hatte. Der „Zeit“-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff gelang es, sie mit dem Widerstand in Verbindung zu bringen. Nicht ganz zu Recht, findet Wienfort. Zwar engagierten sich tatsächlich viele adelige Offiziere bei den Attentatsversuchen gegen Hitler, oft aus ihrem betont konservativ-christlichen Weltbild heraus. Aber die große Mehrheit der Aristokraten wandte sich nicht gegen die Nazis. Wienforts Formel: „Auf einen Adeligen im Widerstand kamen sieben bis acht Mitglieder von NSDAP oder SS.“

Schrill und brav. Das geschönte Geschichtsbild half beim Wiederaufbau des Selbstbewusstseins. Das übliche Motiv mag arrogant erscheinen, ist aber politisch harmlos: Die Adeligen wollen aus der Masse herausstechen – durch historisches Bewusstsein, klerikale Gesinnung, eine traditionelle Familie mit vielen Kindern. Dazu kommen Soft Skills, an die Personalchefs denken, wenn ihnen ein „von“ im Briefkopf der Bewerbung entgegenprangt: geschliffene Manieren, weltläufiges Auftreten und das Beherrschen von Fremdsprachen werden gerne gesehen. Das „von“ stellt in die Auslage.

Die starke Präsenz des deutschen Adels hat auch einen handfesten Grund: Im Westen, wo er reich war, hat man ihn nie enteignet. Dynastien wie die Thurn und Taxis, die Fugger oder Guttenberg zählen in ihrer Region zu den wichtigsten Arbeitgebern. Das schafft Respekt und eine Demutshaltung der Landespolitiker. Dass es dabei bleibt, dafür sorgen rigorose Erbregeln: In vielen Familien verzichten alle Nicht-Erstgeborenen auf ihr Pflichtteil, um den Besitz zusammenzuhalten.

Prominenz und Reichtum verleiten zu Übermut. Die Klatschspalten leben von Exzessen der Blaublütigen: dem Prügelprinzen Ernst August von Hannover, der schrillen Gloria von Thurn und Taxis, dem alkoholsüchtigen Carl Eduard von Bismarck. Der Chef der Truppe zieht kaum Blitzlichter auf sich: Georg Friedrich Prinz von Preußen, Ururenkel des letzten Kaisers, ist adrett, fleißig und viel zu langweilig fürs sensationsgeile Volk. Nur 160.000 Zuschauer lockte seine Potsdamer Hochzeit vor die Fernseher – nichts im Vergleich zu royalen Festen in real existierenden Monarchien.

Da bleiben den Deutschen nur Ersatzkönige wie zu Guttenberg. So einer spiele mit der „vordemokratischen Sehnsucht“, empörte sich Kipping zu den Amts- und Würdezeiten des Ministers. Doch auch er ist vorerst Geschichte, zum Kummer der Adeligen, die stolz auf ihr Aushängeschild waren. Für die breite Masse aber trübte seine Entzauberung auch das Bild des Adels: Er biete ja doch nur Schein statt Sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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68 Kommentare
 
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Tja, es lebe die Republik!


Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
04.10.2012 12:35
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Teil des Namens

So schon im Deutschen Kaiserreich; NICHT aber in der Monarchie. Gott erhalte uns vor ALLEM Deutschen. So import, dann via Luxembourg, wo der Dialect DEUTSCH Staatssprache ist.

Gast: Alexander Simec
01.10.2012 19:14
0 0

Wer ist da verstockt?

Verstockt: Das sind heute eher Republikaner, die wider besseres Wissen verleugnen, dass die derzeitige Staatsform immer autoritärere Züge zeigt.

Beweis: Unter anderem die "Reform" der Parteienförderung, die die herrschenden Verhältnisse einbetonieren soll.

Wird aber nix nützen: Und dann, wenn es zu spät ist, wird man wieder heulen über menschverachtende Regimes, die Republiken sind.

Dieser Artikel ist der Presse unwürdig, wundert einen aber andererseits auch nicht bei einem Blatt, das am Tropf der republikanischen Presseförderung hängt.

Antworten Gast: GrafGudenus
03.10.2012 20:34
0 0

derzeitige Staatsform:

nichts anderes als eine Visitkarte, dergleichen kann man so oder anders zeigen; so wie Karte gezeigt wird, passt offensichtlich jemandem nicht.

Antworten Gast: Johann S
03.10.2012 13:01
0 0

Re: Wer ist da verstockt?

Ihr Prinzip der Ablenkung ist leicht durchschaubar und bringt Sie Ihrer skurillen Idee einer Restauration,keinen Schritt näher,werter Simec(Palacky)

Gast: Politiker34
01.10.2012 08:18
1 1

Titelgeilheit

Wenn Ulrich Habsburg in der Wirtschaft Karriere gemacht, oder sonstige Erfolge aufzuweisen haette, waere ihm das Tragen eines Adelstitels sicherlich egal.

Antworten Gast: GrafGudenus
01.10.2012 09:06
0 1

reklamiert UHL für sich ...,welchen ?


lol

adel ...

einfach nur peinlich

Kann man diesen Artikel nicht herausnehmen?

Gast: Käufliche Elite
30.09.2012 23:16
1 0

Rentiert sich Titelkauf? Titel alleine ist längst nicht alles was Adel ausmacht, das sollte Habsburg-Lothringen eigentlich wissen …

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis als großes Vorbild?
http://www.youtube.com/watch?v=eelAqRUPbqY
http://www.youtube.com/watch?v=ucRTL2GQYS8&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=plL6Eok4jEE&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=Z0hmuNfYDoE&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=szfdclfrZro&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=YzOdcthySRA Geadelter Reichtum

http://www.youtube.com/watch?v=ut3IxTEbIg0 Schillingsfürst
http://www.youtube.com/watch?v=lKSidEnYcbo Hohenlohe

http://www.youtube.com/watch?v=KeIEpDw1dGo&feature=related Vorbild Adel?

http://www.youtube.com/watch?v=AVI16aBlA8Y&feature=related Adel heute
http://www.youtube.com/watch?v=1N5lHHzicZw&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=T7CFIVdIRsc&feature=related

Die roten Parvenüs wären unter den ersten Aspiranten zum Adelstitelkauf, denn der rote Parteiadel residiert schon seit Jahrzehnten mit größter Lust auf Bürgerkosten in den Palais des einstigen Hochadels. Durch Adelstitelverkauf würde allerdings der Adel verproletarisiert werden:
http://www.youtube.com/watch?v=xO_W3NKSsWw&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=POZ3jjrAG3E
http://www.youtube.com/watch?v=gLjJCaVJNNA&feature=relmfu „Quiet Way“

http://www.youtube.com/watch?v=8UZEKnB35VA&feature=related Ernennung zum Kaiser
Wie es dazu kam, dass Robert Heinrich zu unserem geliebten Kaiser von Gottes Gnaden wurde ...

Und vor solchen Herrschaften sollen wir dann kriechen?

Antworten Gast: GrafGudenus, Paris
01.10.2012 09:10
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sollte ... eigentlich wissen …

Hier dürfte Wissenslücke gegeben sein, Ursache des Auflaufes!

Gast: Hacklwerfer
30.09.2012 22:12
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Burgoisie 2.0


titelgeilheit

wiese bitteschön bilden sich leute ein besser als andere zu sein, weil sie ein kleines zu von oder sonstiges in ihrem namen enthalten haben. wieso bilden sich leute immer noch ein, blaues blut zu besitzen? monarchen wie auch die queen in england haben in ihrem leben nichts geleistet und wurden doch nur in eine familie hineingeboren. weg mit der monarchie. familien blauen blutes leben doch nur auf kosten von steuern der bürgerlichen. hauptsache sie bekommen ihre jährlichen geburstatgsparaden und verschleudern geld wo es nur geht. dass es sowas im 21 jhdt überhaupt noch gibt.

Re: titelgeilheit

Unter den Leuten die einstmals vom deutschen/oesterreichischen Kaiser fuer ihre Verdienste fuers Vaterland und/oder der Dynystie geadelt wurden und dieses Privileg auch vererben durften, waren auch hoechst anstaendige Menschen drunter. Fleissige, sehr verantwortliche und hoch gebildete Leut'. Ich bin Ihnen um nichts neidig. Aber eine Frage draengt sich mir in diesem Zusammenhang dennoch auf: haben die Menschen "blauen Gebluets" - angesichts der auf uns zurollenden Katastrophen - keine anderen Sorgen? MfG.

Antworten Antworten Gast: GrafGudenus, Paris
01.10.2012 09:27
0 0

Blaues? Hier liegt ein Kernpunkt. Immer mehr ist dies

nur verdünnt vorhanden!

Zwei Prolo GMütter, etwas weiter zurück eine Majestät dazu Strassenmächen niedrigster Prolo-Herlunft.

Etc; 400 Jahr zurück kleiner Kriegsmann, der etwas aufgestiegen ist, ohne Standeserhöhung.

Man kennt also sehr gut Rahmen der Diskussion.

Realisiert UHL, dass GV Prolo niedrigster Her... geheiratet hat. Liegt hier nicht überwundene Frage?

Antworten Gast: Guckst du
30.09.2012 20:13
6 1

Re: titelgeilheit

Die bilden sich nicht ein was Besseres" zu sein, sondern Leute wie Sie bilden sich anscheinend ein was "Schlechteres" zu sein, anders sind die Angriffe auf den Adel nicht zu erklären. Wer über "den Dingen" steht hat überhaupt kein Problem ob nun jemand Graf, Herzog oder sonstwas ist, ob jemand einen Titel soundso hat oder nicht. Wer mit solchen Dingen Probleme hat, leidet wohl eher an (anerzogenen?) Minderwertigkeitskomplexen.
Ihnen persönlich würde ich daher empfehlen, mal in sich zu gehen, um mit sich selber ins Reine zu kommen, bevor Sie hier unbedarfte Schimpftiraden vom Stapel lassen. Des Weiteren würde ich Ihnen empfehlen, sich ein wenig in Rechtschreibung zu üben, denn, ob Sie das nun glauben oder nicht, genau da fängt es auch an, ob man für (mehr oder weniger) voll genommen wird oder nicht.

Antworten Gast: GrafGudenus
30.09.2012 18:54
0 0

ENTHALTEN

enthielten?

Antworten Gast: nunjaesistdochso
30.09.2012 18:17
3 1

Re: titelgeilheit

ökonomen gehen davon aus, dass das englische königshaus mehr einbringt als es dem steuerzahler kostet.

umwegrentabilität ist aber kein schlagwort für den stammtisch.
was aber, objetiv betrachtet, eigentlich völlig powidl ist.

;)

Die Adelstitel abzuschaffen

war das einzige Nützliche, das die Sozialisten jemals für das Land geleistet haben.
Jetzt sollte man sich den akademischen Titeln zuwenden...

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Re: Die akad Titel abschaffen

Dem können Sie leicht entgehen.

Einfach nicht studieren!

Re: Die Adelstitel abzuschaffen

Adelstitel mit akademischen Titeln zu vergleichen scheint mir doch etwas eigenartig...

na zum Glück haben wir keine anderen Probleme


Antworten Gast: baumrinde ulrich
30.09.2012 18:19
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Re: na zum Glück haben wir keine anderen Probleme

Frau Agatha, ein Gesetzesentwurf sieht vor, ab 32.10.2035 alle Probleme NACHEINANDER zu lösen.

Meiner Meinung nach eine mehr als gute Sache.

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In einem Land wie Österreich voller Proleten (98%) bitte liebe Presse KEINE Artikeln über Monarchen, Adeligen, Titeln, und Geld... bitte!


Antworten Gast: Johann S
30.09.2012 14:47
1 0

Re: In einem Land wie Österreich voller Proleten (98%) bitte liebe Presse KEINE Artikeln über Monarchen, Adeligen, Titeln, und Geld... bitte!

Artikel n??.
Liebe Satire.

Antworten Gast: GrafGudenus
30.09.2012 14:30
0 0

Glaosar bittet und bittet,

also ...

 
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