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Der Präsident, der gleichzeitig Kronprinz ist

29.09.2012 | 18:06 |  von Rudolf Balmer (Die Presse)

Die Franzosen haben ein entspanntes Verhältnis zur Aristokratie.

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Wer meint, keine Nation sei republikanischer als die Franzosen, irrt. Wenige Völker in Europa haben zwar so blutig die Herrschaft des Adels beendet wie sie: Auf der Pariser Place de la Concorde wurden außer König Ludwig XVI. und Marie-Antoinette viele Adelige nur ihrer Abstammung oder Königstreue wegen guillotiniert. Wie die Kirchen wurden nach der Revolution von 1789 auch die Herzöge, Barone, Grafen oder Ritter enteignet. Die meisten Familien dieser Noblesse aber haben mit Titeln, internen Regeln und Traditionen überlebt. Ein Blick in bestimmte Illustrierte wie „Point de Vue“ oder „France Dimanche“ genügt, um sich ein Bild davon zu machen, wie quicklebendig und gesellschaftlich selbstbewusst die aristokratischen Familien sind, und welche Anziehungskraft sie offenbar auch heute auf die Leserschaft ausüben.

Adelsbezeichnungen, deren Gebrauch innerhalb der Aristokratie aufs Genaueste definiert ist, haben indes keinerlei offizielle Bedeutung. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Allein auf dem zu Frankreich gehörenden polynesischen Archipel Wallis et Futuna herrschen weiterhin drei Könige. Und auch der heutige, vom Volk gewählte Präsident François Hollande ist wie seine Vorgänger und zuvor die Monarchen laut einem Edikt von 1601 „Koprinz von Andorra“ und damit zusammen mit dem spanischen Bischof von Urgell Souverän des Minireichs in den Pyrenäen. Vertreter des Hochadels werden nicht mehr respektvoll „Monseigneur“ genannt, für „Kirchenfürsten“ ist die Anrede aber immer noch üblich.


Titel als Kulturerbe. Frankreich hat heute sogar einen fast nostalgischen Hang, alte Titel wie einen Teil des Kulturerbes zu pflegen, so wie die Monarchen ihren anerkannten Platz im Geschichtsunterricht der Republik haben. Schon nach den wilden Jahren der Ersten Republik (1792–1804) sorgte Napoleon nicht nur dafür, dass bestimmte Vertreter der Aristokratie wieder in den Dienst der Nation treten konnten, er schuf auch zusätzliche vererbbare Adelstitel und eine ganze Hierarchie von Orden. Damit hat er für eine gewisse „Inflation“ der Ehrentitel gesorgt.

Heute haben die Franzosen ein ziemlich entspanntes Verhältnis zu ihren Aristokraten. Manchmal wird mit einem Rest jakobinischer Abneigung über sie gespottet, es handle sich um „fins de série“ (Auslaufmodelle) der Geschichte. Höchstens wird moniert, die Nachkommen ehemaliger Feudalherren mit ihren hochtrabenden Namen seien im diplomatischen Dienst übervertreten. Umgekehrt hat es niemanden schockiert, dass jüngst eine La Rochefoucauld, eine Vertreterin einer der ältesten Aristokratenfamilien, für die Linksfront kandidiert hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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2 Kommentare
Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
30.09.2012 14:14
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Wallis et Futuna, Frankreich herherrschen weiterhin drei

Majestäten farbiger Haut! Demnach gibt es Prinzen und Prinzessinnen. Vielleich kommt Österreich zum Zug. Etwas mehr Farbe in Wien täte gut? Hat Österreich berteits für einen Konsul ein Credentiale überreicht?

Antworten Gast: GrafGudenus, Paris
30.09.2012 14:45
0 0

herrschen weiterhin drei Re: Wallis et Futuna, Frankreich, es herrschen ...

EU SOFORT auf Kosten der Republik Ö anrufen