50 Millionen Euro für einen Sprung

09.10.2012 | 18:17 |  von siobhán Geets (Die Presse)

„Red Bull“ lässt sich sein von Nasa und US-Air-Force unterstütztes Prestigeprojekt einiges kosten. Die wissenschaftliche Relevanz des Stunts ist vernachlässigbar.

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Roswell/Wien. Fünfzig Millionen Euro. So viel kostet das vom Salzburger Getränkeerzeuger „Red Bull“ finanzierte Projekt „Stratos“. Das Ziel: Der Salzburger Felix Baumgartner (43) sollte in der Nacht auf Mittwoch (MESZ) mit einem speziellen Ballon vom US-Bundesstaat New Mexico abheben, in 36 Kilometer Höhe aus der Kapsel springen, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen und heil landen.

35 Millionen Euro, so wird kolportiert, kosten allein Kapsel, Schirm und Baumgartners speziell entwickelter Raumanzug. Der Rest geht an die Mitarbeiter des Projektes: Es sind im Kern sieben Experten, drei davon ehemalige Mitglieder der Nasa oder des US-Militärs. Nasa und US-Air-Force unterstützen das Projekt logistisch und mit technischer Expertise und erhoffen sich Erkenntnisse für die Sicherheit ihrer Piloten. Konkret geht es um künftige Notausstiege aus Raumschiffen: Kann man nur mit Schirm und Raumanzug aus großer Höhe abspringen und Dutzende Kilometer weiter unten sicher auf der Erde landen? Versucht hat das noch niemand.

 

Wissenschaftlicher Nutzen?

Um herauszufinden, was beim Durchbrechen der Schallmauer (in diesem Höhenbereich etwa 1100 km/h) mit dem menschlichen Körper passiert, hat die Nasa etliche Geräte am Anzug angebracht. Nach der Landung sollen die GPS-Daten sowie Baumgartners Geschwindigkeit und körperlicher Zustand analysiert werden. „Wir haben nur die Daten von Menschen, die in einem Flugzeug die Schallmauer durchbrachen“, sagt der Leiter des „Red Bull Stratos“-Ärzteteams, Jonathan Clark. Die Daten des jetzigen Sprungs könnten auch für All-Touristen interessant sein.

Experten zufolge lasse sich große Wissenschaft aber nicht mit einem einzigen Sprung machen. Und die Erkenntnisse seien selbst für professionelle Piloten nur für den absoluten Notfall zu gebrauchen: „Den wissenschaftlichen Aspekt will ich nicht zu sehr strapazieren“, sagte auch der österreichische Ex-Raumfahrer Franz Viehböck zum Radiosender „Ö1“. „Baumgartner will eben als Erster Rekorde brechen.“ Viehböck stellte aber nicht in Abrede, dass man neue Erkenntnisse gewonnen habe oder noch werde, die man in Zukunft auch verwenden könne.

Durchaus möglich etwa ist, dass das Projekt Neues bringt, was Ausstattung und Technik betrifft. Immerhin wurden Kapsel, Anzug und Schirm eigens konstruiert. Es wäre nicht das erste Mal: So ist der Bremsfallschirm, den der US-Testpilot Joseph Kittinger bei seinem vergleichbaren Rekordsprung aus 31,3 Kilometern Höhe im Jahr 1960 testete, bis heute im Einsatz.

 

Riesiges Medienspektakel

Red Bull war besonders in den Tagen vor dem Sprung bemüht, den Nutzen für die Wissenschaft zu betonen, doch die wahre Motivation liegt in der Marketingstrategie: Red Bull produziert schon lange seine eigenen Extremsportstars, das Medienspektakel ist bei Stratos besonders groß. Rund 200 Stationen (darunter der ORF) übertrugen angeblich zuletzt das Ereignis über Internet und TV, bis zu fünf Milliarden Menschen sollen live dabei gewesen sein – ein enormer Prestigegewinn für den Getränkehersteller. Und vergleicht man die Kosten des Projekts mit dem Marketingbudget von Red Bull, das etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr beträgt, scheint die Summe von 50 Millionen für „Stratos“ plötzlich nicht mehr so exorbitant.

Auch die Risken für das Unternehmen halten sich in Grenzen. Würde Baumgartner den Sprung nicht überleben, litte Red Bulls Markenimage wohl nur kurzfristig darunter. Er wäre indes nicht der erste tote Red-Bull-Protagonist: Vor drei Jahren starb der Schweizer Basejumper Ueli Gegenschatz bei einem Werbeauftritt für Red Bull. Er sprang vom 88 Meter hohen „Sunrise Tower“ in Zürich, ein Windstoß schleuderte ihn gegen den Turm. Wenige Monate zuvor war der US-Fallschirmspringer Eli Thompson während Dreharbeiten zu einem Red-Bull-Promotionfilm tödlich verunglückt. Der Getränkehersteller veröffentlichte eine Kondolenz – und machte weiter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)

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138 Kommentare
 
12 3 4
Gast: aufmerksamer123
16.10.2012 08:09
2

5 Milliarden Zuseher

da sieht man wieder mal wie sehr man der Presse (im Allgemeinen) glauben darf: es ist doch eher unwahrscheinlich das fast die komplette Weltbevölkerung dieses Video gesehen hat...

Re: 5 Milliarden Zuseher

Na so hoch oben werden's auch welche von Außerhalb sein können. Marsianern & Co. wird ja sonst noch fad, wenn's nicht die Erdlinge gäbe.

Gast: fredel
15.10.2012 11:55
0

hitzeschild

wie wurde der baumgartner gebremst. hatte er ein hitzeschild??

Gast: LordRade
14.10.2012 19:18
0

Pilot

hijodeputin kannst du nicht lesen du armer? wasn los mit dir? immer nur leute kritisieren anstatt selber was schlaues zu sagen...traurig.

rough_rider
Der schnellste Ausstieg aus einen Flugzeug war z.bsp. von einem Russischen Piloten bei 2,6 Mach. Der Fallschirm ging dann bei 900 km/h auf, der Pilot hat überlebt.

der satz ist für mich völlig schlüßig und gut verständlich, also völlig unnötig dein übertriebenes handeln. und dafür drückst du honk dem noch ein minus auf? haha peinlich bist du.

by the way....joseph kittinger hat das auch absolviert...mit der technik der 1960er. und felix? meint ihr es ist vergleichbar mit der heuteigen hightech? wohl eher nicht. felix wird allenfalls etwas nachmachen und leicht verbessern. aber besser als kittinger ist er nicht. dazu müßte er den gleichen sprung aus seiner wahlhöhe mit der alten technik absolvieren...dann wäre es eine neuheit.

so ist es nur abgekupfert und nachgemacht.

mfg
LR


Gast: LordRade
14.10.2012 19:15
0

Pilot

hijodeputin kannst du nicht lesen du armer? wasn los mit dir? immer nur leute kritisieren anstatt selber was schlaues zu sagen...traurig.

rough_rider
Der schnellste Ausstieg aus einen Flugzeug war z.bsp. von einem Russischen Piloten bei 2,6 Mach. Der Fallschirm ging dann bei 900 km/h auf, der Pilot hat überlebt.

der satz ist für mich völlig schlüßig und gut verständlich, also völlig unnötig dein übertriebenes handeln. und dafür drückst du honk dem noch ein minus auf? haha peinlich bist du.

by the way....joseph kittinger hat das auch absolviert...mit der technik der 1960er. und felix? meint ihr es ist vergleichbar mit der heuteigen hightech? wohl eher nicht. felix wird allenfalls etwas nachmachen und leicht verbessern. aber besser als kittinger ist er nicht. dazu müßte er den gleichen sprung aus seiner wahlhöhe mit der alten technik absolvieren...dann wäre es eine neuheit.

so ist es nur abgekupfert und nachgemacht.

mfg
LR


Ich hab' jetzt...

...den Fernseher während der Übertragung des Hypes vor den Ofen gestellt. Bis jetzt habe ich meinen Hund noch nicht hervorgelockt!

Gast: Sickrät Servies
09.10.2012 15:24
4

Gegen den James Bond ist der Baumgartner ein Zumpferl!


Gast: Wappler
09.10.2012 15:23
1

Ob är äs schavvt ???


Der brafe bua ...

Hätten nicht schon vor ihm...

vergleichbare Leistungen bei weitaus schlechterem Material vollbracht, wärs ja richtig kuuhl. Leider wird seitens Red Bull/Baumgartner gerne auf solche Stories verzichtet und das Projekt/das Ego gehypt.

http://artofmanliness.com/2010/10/07/skydiving-from-space-part-ii-nick-piantanidas-magnificent-failure/

Project Strato-Jump II, February 2, 1966
123,500 feet (21.21 miles)

===

Der schnellste Ausstieg aus einen Flugzeug war z.bsp. von einem Russischen Piloten bei 2,6 Mach. Der Fallschirm ging dann bei 900 km/h auf, der Pilot hat überlebt.

===


"...von einem Russischen Piloten..."

Wer oder was ist aus dem "Russischen Piloten" ausgestiegen?
"Der schnellste Ausstieg aus einen(sic!) Flugzeug war z.bsp.(wieso zum Beispiel?) von einem Russischen(sic!) Piloten bei 2,6 Mach." = falsch
"Der schnellste Ausstieg aus einem Flugzeug erfolgte durch einen russischen Piloten bei 2,6 Mach. Geschwindigkeit."

Gast: hansibua
09.10.2012 14:39
0

bond

hoffentlich wird das keine werbung für den neuen james bond film "skyfall" ;-)

Gast: Hmm.
09.10.2012 14:27
4

50/50??

Red Bull kann es sich gar nicht leisten, dass etwas schiefgeht. Das Geplapper von 50/50 ist ein künstliches Hochtreiben der Gefährlichkeit der "Mission".

Warum nennen die das überhaupt so? Es schickt sie ja keiner rauf...

Gast: elli
09.10.2012 14:23
4

Baumgartner

Ich hoffe vür felix das er es Schafft

Antworten Gast: bad boy
09.10.2012 15:16
1

Re: Baumgartner

Mir ist der Baumgartner sowas von Wurst.

Aber ich hoffe, elli, du lernst vielleicht einmal die Rechtschreibung.

Gast: grazerin
09.10.2012 13:55
2

Laut Servus TV wird der Sprung abgesagt!


Antworten Gast: hkl.e
09.10.2012 15:21
0

Re: Laut Servus TV wird der Sprung abgesagt!

Aber geh, der Surm hupft schon.

brzzzl

Also ich finde es toll, dass mal wieder so etwas gemacht wird...vor allem die Daten die die Wissenschaft daraus ziehen wird können.
Hoffe es zahlt sich aus für zukünftige Technologien.

Gast: Ösi
09.10.2012 13:17
9

Lächerlich!

Joe Kittinger sprang mit Skianzug und Wollhaube! Das war 'ne Leistung!!!

good riddance

Ösi

Get rich or die tryin'

Einzig fahler Beigeschmack ist, dass Herr Baumgartner etwas viel Vorbereitungszeit benötigte. Ich denke, dies liegt daran, dass Red Bull das Geschehen rund um den Sprung noch mehr Medial ausschlachten kann.

PS: Den Sprung zieh ich durch, selbst wenn ich an einer Influenza leide und noch die Essigpatscherl umgewickelt habe.

Uje, all in vain!

"...mehr Medial..."(sic!)
Sie wickeln sich die Essigpatscherln um und wir ziehen uns Windeln an, da wir uns bei Ihrer Rechtschreibung vor lauter Lachen ansch...en!

Antworten Gast: Das dritte Auge
09.10.2012 13:22
5

Re: Get rich or die tryin'

Wer sich Informiert ist klar im Vorteil.

Red Bull bzw. Baumgartner hat ursprünglich gedacht dass er sich da einfach mit einem Ballon hinauf lässt. Abspringt und das wars.

Dem war aber nicht so. Je mehr er sich damit beschäftigt hat desto schwieriger wurde alles (auf Grund der Gegebenheiten)

Schließlich hat sich die NASA und sogar die US-Air-Force mit eingeschalten. Und nun wurde aus einem Weltrekortversuch ein Forschungsprojekt.

Eines von den wenigen wo Österreich wenigstens einmal an der Spitze steht.

Weder Wissenschaft noch das Verteidigungsministerium haben auch nur einen Cent dazu geschenkt.
Dietrich Mateschitz hat einen großteil aus der Werbekasser von Red Bull gezahlt.

Aber selbst jetzt wo wir uns alle einfach zurücklehnen könnten und einem Österreicher alles Gute Wünschen und uns mit ihm freuen könnten für sein Projekt gibt es noch genug Leute die Felix Baumgartner oder Red Bull alles mögliche vorwerfen, unterstellen und Neid erster Klasse sprühen lassen.

Re: Re: Get rich or die tryin'

Mein Kommentar war ironisch gemeint. Was den Sprung betrifft bin ich ganz bei Ihnen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Das dritte Auge
09.10.2012 14:27
0

Re: Re: Re: Get rich or die tryin'

Na gut!

Nur es ist inzwischen sehr Schwer davon zu unterscheiden. Da manche tatsächlich Felix und Red Bull alles mögliche unterstellen oder vorwerfen.

Wenigstens weiß man bei diesem Projekt wofür man all die kleinen und großen Dosen getrunken hat :-)

Re: Re: Re: Re: Get rich or die tryin'

Wie wahr, wie wahr! Ich trink's auch gern - vor allem nach dem Sport.

"Ich trink's auch gern..."

Wie interessant! Vielleicht können Sie uns auch an Ihren Ausscheidungsvorgängen teilhaben lassen?

Re: "Ich trink's auch gern..."

Das hätten Sie wohl gerne, hm?

 
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