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"Brechobst" made in China

11.10.2012 | 18:21 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Die Durchfall-Epidemie vorige Woche in Deutschland ist wohl nicht die letzte gewesen: Grund waren verseuchte Beeren aus China, das immer mehr Nahrung exportiert.

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Peking. Die Ursache ist geklärt: Jene Noroviren, die vorige Woche bei mehr als 11.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland Brechdurchfall ausgelöst haben, waren in tiefgekühlten Erdbeeren des Catering-Unternehmens Sodexo. Die Herkunft der Beeren hat man auch ermittelt: China. Und es dürfte bei diesem Vorkommnis nicht bleiben: Aus China werden nämlich immer mehr Nahrungsmittel importiert, deren Hygiene in Zweifel gezogen werden kann.

Wieso die roten Früchtchen, die auch in Europa in Massen angebaut werden, überhaupt aus Fernost bezogen werden müssen, ist einfach zu beantworten: wegen der geringen Kosten. Nach Angaben eines Mitarbeiters eines bekannten deutschen Marmeladeherstellers ist eine Tonne China-Erdbeeren bereits für rund 600 Euro zu bekommen (also für lächerliche 60 Cent pro Kilogramm). Deutsche Erdbeeren würden hingegen mehr als das Dreifache kosten. Und selbst günstige spanische Erdbeeren kämen noch immer auf mehr als den doppelten Preis.

Kein Wunder, dass inzwischen rund 80 Prozent aller in der deutschen Nahrungsmittelindustrie verbrauchten Erdbeeren laut Insidern aus China stammen. Warum das nicht auffällt? Weil sie meist als Marmelade, Gelee oder Geschmackszusatz in Joghurts, Süßigkeiten, Gebäck und Eis auftauchen. Und weil auf der Verpackung nicht angegeben werden muss, woher der Obstanteil kommt. Und so sind Erdbeeren aus China so gut wie aus keinem europäischen Haushalt mehr wegzudenken.

 

Von wegen steirischer Apfel

Doch damit nicht genug: Ein Großteil des Apfelsaftkonzentrats in Deutschland, Schweiz und Österreich stammt ebenso aus China wie Dosenmandarinen, aber auch Knoblauchzehen und Blattspinat. Chinas Unruheprovinz Xinjiang ganz im Westen des Landes hat sich bereits zum zweitgrößten Tomatenproduzenten der Welt gemausert und ist weltgrößter Hersteller von Ketchup und Tomatenmark. Die Entwicklungshilfeorganisation „Südwind“ schätzt, dass 37 Prozent der weltweiten Obst- und Gemüseproduktion heute aus dem Reich der Mitte stammen.

Dabei kommt es in China immer wieder zu (mitunter tödlichen) Lebensmittelskandalen, mit der Folge, dass die meisten Chinesen Produkten aus ihrem Land nicht mehr trauen. Wer es sich in Städten wie Peking und Schanghai leisten kann, kauft etwa Milch und Joghurt aus dem Ausland. Der chinesischen Führung sind die Probleme an sich durchaus bewusst. Sie hat bereits vor einiger Zeit strenge Lebensmittelverordnungen erlassen, die sich mit denen in den EU-Ländern durchaus messen können. Es hapert allerdings an der Umsetzung.

Nun sind Seuchen wie das Norovirus kein explizit chinesisches Problem. Das Virus kann überall auftauchen. Ein Grund, wieso Agrarwaren aus China allerdings anfälliger sind als Obst und Gemüse aus EU-Anbau: In der Volksrepublik wird noch großteils mit Jauche gedüngt. „Das hängt mit der Struktur der chinesischen Landwirtschaft zusammen“, erklärt Liu Xiaojing von „Orient Agribusiness“, einer Beratungsfirma in Peking, spezialisiert auf Landwirtschaft. Die Obstbauern etwa seien meist Kleinbauern, die sich hochwertige Dünger nicht leisten könnten und weiter auf Fäkalien setzten. Es sei auch für die chinesischen Zwischenhändler meist nicht nachvollziehbar, von wem sie was bekommen haben.

 

Haftung für Chinas Fehler

Europäischen Nahrungsmittelherstellern, die landwirtschaftliche Produkte aus China beziehen, ist mit solchen Erklärungen indes wenig geholfen. Nach den Produkthaftungsgesetzen, die es in den meisten europäischen Ländern gibt, müssen sie für Fehler in den von ihnen angebotenen Produkten geradestehen, auch wenn der Schuldige in Ostasien sitzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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22 Kommentare

China Gemüse/Obst

1.wozu die Wortklauberei/dies geht an wesentlichen Punkt vorbei.
Tatsache ist,daß sich viele Menschen in Mitteleuropa
die hier erzeugten Lebensmittel nicht mehr leisten können.
2.Es wird wieder dazu kommen,daß wir unser Obst/Gemüse am Balkon,Fensterbrett usw.selbst anbauen.Dazu müssen wir zu den Großeltern gehen,denn wir haben es schlicht verlernt-nicht gelernt.

Gast: Mehlwurm
12.10.2012 19:12
1 0

der LIDL bäckt mehrfach täglich frisch

und zwar Tiefkühlteiglinge wo keiner weiß wo diese herkommen.

Prost Mahlzeit!

naja so ist das halt in einer globalisierten welt!

obwohl es völlig skurill ist!

letzten frühling habe ich übrigens beim spar preuanischen spargel entdeckt, und dieser war sogar um einiges günstiger als der aus dem marchfeld!

irgendwie scheint es als machen die österreichischen bauern irgendetwas falsch, dass sie derart teuer sind, verglichen mit chinesischen oder südamerikansichen!

0 0

Re: naja so ist das halt in einer globalisierten welt!

die Bauern sind schuld? Nicht unsere Politik? In Österreich kann kein Bauer reich werden und kein Unternehmen florieren. Lohnnebenkosten!In China kosten die Arbeiter fast nichts und werden ausgebeutet.

Re: Re: naja so ist das halt in einer globalisierten welt!

ach geh bitte, die bauern in österreich zahlen dank ihrer lobbyoranisation, der ÖVP, sowieos keine steuern!

Gast: muraene
12.10.2012 15:23
3 0

......es ist halt so billig! Gell!

Nix ist billig.Das heißt wohl, dass auch in den teuren österreichischen Markenmarmeladen, etc. auch dieser Sch.... drinnen ist, nur weil sie bei uns verarbeitet und verpackt wurden?
Na, Mahlzeit! Aber jeder österreichische Bauer muß jede Kuh beim Namen nennen, von der das Schnitzel kommt. Es kommen ja auch Käfigeier aus dem Ausland in unsere Teigwaren. Das steht aber auch nicht drauf und bei uns ist Käfighaltung verboten. Mit uns kann man´s ja machen. Sch.......EU, aber den Friedennobelpreis bekommens. Schöner Frieden, auf Kosten der einheimischen Bauern und der Gesundheit der Konsumenten.
Wir fordern Herkunftskennzeichnung auch bei allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Wo kann ich mich beschweren? Ich weiß eh, beim Salzamt.

Antworten Gast: Salz amt
12.10.2012 19:03
0 0

Re: ......es ist halt so billig! Gell!

Nein, bei der Kommission. Geht auf Deutsch und die Antwort bekommen sie auch auf Deutsch. Bitte tun Sie das, Demokratie lebt von Partizipation!

Gast: sid
12.10.2012 09:05
4 1

wenn zum Düngen dieser Früchte nur reine Fäkalien und keine Chemie zum Einsatz kommen- dann ist das bitte BIO!

Zur Info: auch Taubenschei... ist BIO! Und was da drin ist, ist bekannt (Bakt., Viren, Pilze...)

Man kann auch von natürlichem (biologischem) Anbau krank werden.

Gast: Das Ekel Alfred
12.10.2012 08:54
6 0

Transporte von der anderen Seite der Erde


Das Märchen vom mündigen Konsumenten.
Ganz selten schauen die Leute darauf, wo die Ware herkommt.

Bei Obst, Gemüse, Fisch aus China oder Vietnam wird mir im voraus übel.

Aber, liebe Konsumenten, es ist halt so billig! Gell!



Antworten Gast: @Das Ekel Alfred
12.10.2012 20:20
0 0

Re: Transporte von der anderen Seite der Erde

Dafür haben "WIR" den Friedensnobelpreis!

Wo unser Essen herkommt - bitte wer will denn schon so kleinlich sein und nachprüfen ob wir Essen aus einer Diktatur zu uns nehmen...

"Diktatorisches Essen" aus Vietnam, Kambodscha oder China?

Egal, der Verkaufsladen und der Essenstisch ist demokratisch und nobelprized!

10 0

unglaublich


und im warsten Sinne zum Kotzen! ich wuerde nie China Erdbeermarmelade kaufen...eine Kennzeichnungspflicht ist absolut notwendig!

Alles klar......

in der Steiermark müssen Obstbauern ihre Apfelbäume ausreissen, da der Ernteerlös nicht mehr kostendeckend ist.
Streuobstwiesen mit ihrer Vielzahl an krankheitsresistenten Arten waren nicht mehr im so genannten Mainstream - also weg damit. Da können sich unser kleinstruktuierten ehrlichen Bauern noch so anstrengen, gegen das Preisdiktat des Handels bzw. des Konsumenten kommen sie nicht an.
Für eine Imagepflege und Information der Bürger wäre z.B. dieser Berlakovich verantwortlich, aber was soll man denn zu so was noch sagen??
Guten Appetit mit den angesch****en Lebensmitteln aus China!

die unfähige EU

soll endlich Kennzeichnung durchsetzen !! wenn etwas in China produziert wird kann es doch nicht sein das nur weil es in Österreich umgepackt wird dann Made in Austria drauf steht !!! ist bei fast allen Produkten so

2 0

Re: die unfähige EU

Wieso die unfähige EU - es sind die Mitgliedsstaaten, die dies verhindern, von einer starken Lebensmittelindustrielobby "unterstützt"

Antworten Gast: uibel
12.10.2012 09:51
1 0

Re: die unfähige EU

Na geh, jetzt solls die EU richten?
Das ist ja in Österreich gar nicht gewünscht.
Das Made in austria - Siegel zeigt ja auch nicht woher die Rohstoffe kommen.

Gast: Der Grund war ein anderer...
12.10.2012 01:24
2 0

So billig wie möglich...

Das einzig positive ist, das nicht mehr passiert ist, ebensogut hätte das weit dramatischer Folgen nach sich ziehen können...

In diesem Fabriken arbeiten Harz IV Empfänger 40 Stunden die Woche mit einen Monatsgehalt von 370.- Euro, die Waren müssen die billigsten vom billigsten sein, die verwendeten Arbeitsmittel sind eher ein Fall für den örtlichen Schrotthändler...

Da wundert es eigentlich nur mehr, das nicht mehr passiert, und das was jetzt passiert ist, war ohnedies über eher früher als später zu erwarten!

Ob sich was ändert, nein, dafür muß leider weit schlimmeres passieren.

Antworten Gast: sid
12.10.2012 09:11
2 0

Re: So billig wie möglich...

sorry- wo arbeitet ein Harz IV Empfänger? Bin mit dem Begriff nicht so vertraut, klingt aber wie "da arbeiten Arbeitslose...."

egal, 11.000 Kinder mit Brechdurchfall- ist ihnen das nicht dramatisch genug? Stellen sie sich das bildlich vor! Hatten sie schon mal Brechdurchfall? Ist nicht so lustig wie es klingt!

Gast: Verkrampfter-von-vorgestern
11.10.2012 22:03
2 2

Nachdenken-warum-denn-schon?

Falsch: "..Aus China werden nämlich immer mehr Nahrungsmittel importiert..

--> Richtig schreibt man: " Aus China werden nämlich immer mehr Nahrungsmittel =exportiert= und nach(z.B.) Deutschland =importiert=

Ist das eigentlich wirklich so schwer? Geo 5te Klasse soweit ich mich erinnern kann..

Rest des Arikels:
Ja, so is des im Kapitalismus eben - Der Profit zählt und nix anderes.

Mahlzeit bei den leckeren Produkten mit viel Hausverstand gekauft eben auch und den schönen Bildchen und Textchen auf den Verpackungen!


0 1

Wo ist der Fehler????

Sie schreiben selber:
" Aus China werden nämlich immer mehr Nahrungsmittel =exportiert= und nach(z.B.) Deutschland =importiert=".
Das ist immer eine Sache des Standpunktes so wie bei "links" und "rechts":
Importieren ist immer von dem Land zu sehen, das etwas bekommt (Deutschland) und der Import kommt AUS einem anderen Land hier ist das China!
Exportieren wird vom Exporteur aus gesehen, der (China) exportiert NACH (Deutschland) oder IN !

Wenn China NACH Deutschland exportiert, dann importiert doch Deutschland AUS China!

Zitat 1: "Grund waren verseuchte Beeren aus China, das immer mehr Nahrung exportiert." Das relativpronomen "das" bezieht sich auf China, es ist der Exporteur, es hat also Erdbeeren exportiert!

Zitat2: " Aus China werden nämlich immer mehr Nahrungsmittel importiert, deren Hygiene in Zweifel gezogen werden kann."
Hier wird der Standbpunkt des Importeurs (Deutschland) angenommen, als Deutschalnd importiert AUS China.
Man kann höchstens fragen, ob "VON" nicht besser klingt!

Antworten Gast: sid
12.10.2012 09:23
0 0

Re: Nachdenken-warum-denn-schon?

wenn sie so großen Wert auf Rechtschreibung und Form legen (ich nicht), muss ich ihnen einen Interpunktionskurs nahelegen.

Ihren letzten Absatz musste ich dreimal lesen...

zum Artikel:
ich ess keine Erdbeeren. Meine 89-Cent-Marmelade könnten bestimmt auch Allergiker essen.

Gast: BieneDieser Gastname kann nicht verwendet werden. Überschrift*
11.10.2012 20:46
6 1

Obstbauern können sich keinen Dünger leisten?

Pestizide aber schon, und zwar so viel, dass selbst die Bienen es nicht mehr überleben. Man bestäubt von Hand.

http://www.guardian.co.uk/environment/2010/dec/16/crucial-role-cities-honey-bee?INTCMP=SRCH
" target="_blank">http://www.guardian.co.uk/environment/2010/dec/16/crucial-role-cities-honey-bee?INTCMP=SRCH


Aber die Globalisierung ist ja was tolles: wir Importieren den Billigramsch, und exportieren die guten Sachen für die Chinesen, die das eigene Futter nicht mehr wollen.

Antworten Gast: franz-josef
11.10.2012 21:48
7 0

Re: Obstbauern können sich keinen Dünger leisten?

Genaugenommen essen die Leute in der EU also mit chinesischer Sch.ei.e behandelte Erdbeeren?

Und erkranken daran?

Und wie war das doch gleich, geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut? Ach so, das ist anders gemeint.

Na dann.