Felix Baumgartner ist knapp zwei Wochen nach seinem erfolgreichen Sprung aus der Stratosphäre in seiner alten Heimat in Salzburg angekommen. "Es war ein überwältigender Blick", sagte Baumgartner bei einer Pressekonferenz am Samstag über die Zeit kurz vor dem Absprung. "Du weißt, du hast viel erreicht. Und jetzt musst du den Sprung machen, ein Sprung ins Unbekannte", sagte Baumgartner.
Der 43-Jährige zeigte sich bei dem Medientermin mit seinem Team im Red-Bull-"Hangar 7" entspannt. Am Tag zuvor war er am selben Ort gefeiert worden. Vor zahlreichen nationalen und internationalen Journalisten gab sich Baumgartner stolz über seine Leistung: "Die Welt hat den Atem angehalten" , so der Salzburger, lässig in Jeans und weißem T-Shirt gekleidet.
Der Extremsportler hat mit seinem Sprung aus der Stratosphäre als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrochen und zwei weitere Rekorde aufgestellt: Für den höchsten Fallschirmsprung und für die höchste bemannte Ballonfahrt.
Probleme kurz vor dem Absprung
Dass der Jump alles andere als leicht war, zeigten die Erzählungen des Teams. Als Baumgartner von dem 55 Stockwerke hohen Ballon in eine Höhe von 39.045 Meter gezogen wurde, bekam der Salzburger Probleme mit seinem beheizbaren Visier. Bis sich Baumgartner von der Stromversorgung der Kapsel abkoppelte und sich an der Versorgung seines Brustgurtes anhing, um abzuspringen, wussten er und sein Team nicht, ob das Problem auch dann noch bestehen würde.
"Der größte Alptraum, abgesehen von Problemen mit dem Anzug, ist ein vereistes Visier", sagte sein Mentor Joe Kittinger, der mit Baumgartner in ständigem Funkkontakt war. Wäre Felix ohne Sicht ins Flachtrudeln (Flat Spin) gekommen, wäre das enorm gefährlich gewesen, wie Kittinger anmerkte. Das Team hat gemeinsam mit Felix über Funk beraten, ob er springen kann oder nicht. "Im Endeffekt war es seine Entscheidung", erklärte der 84-Jährige.
"Wir mussten sichergehen, dass das Visier im freien Fall funktioniert", sagte der technische Leiter von "Red Bull Stratos", Art Thompson. Doch als sich Baumgartner mit dem Strom an seinen Brustgurt hing, funktionierte glücklicherweise auch das Visier wieder. "Hätte Felix ein Zeichen mit den Daumen gemacht, hätten wir abgebrochen", so Thompson.
Puls von 160 beim Trudeln
Und dann kam der Salzburger in den gefährlichen Flat Spin, der zum Tod führen kann. "Felix hatte einen Puls von 160, ich glaub meiner war über 200", beschrieb Kittinger den Moment. Doch Baumgartner konnte sich stabilisieren. Der Stabilsierungsschirm, der in diesem Moment für den Notfall aufgegangen wäre, hatte sich bereits aktiviert. "Der Countdown begann zwei Mal", sagte Basejump-Berater Luke Aikings. Doch Baumgartner schaffte es ohne diesen Schirm. Die Daten, die dabei aufgezeichnet wurden, werden wie das Equipment für die zukünftige Raumfahrt von immensem Wert sein, meinte Jonathan Clark, der medizinische Leiter des Projekts. NASA und die Luftwaffe hätten bereits großes Interesse gezeigt, sagte Thompson.
"Ich hatte die letzte Entscheidung, ich bin der, der das Leben riskiert", sagte Felix Baumgartner. "Und das war ein fantastischer Sprung, der in die Geschichte eingehen wird. Nicht nur wegen der Höhe und der Geschwindigkeit auch wegen der Präzision", betonte Joe Kittinger. "Ein normaler Basejumper hätte das nicht hinbekommen. Felix ist unglaublich gut trainiert", sagte Mike Todd, Techniker für lebenserhaltende Maßnahmen.
Dass Baumgartner einen Überschallknall verursacht haben dürfte, zeigte neben mehrerer Zeugen auch eine Tonbandaufnahme, auf der ein dumpfer Knall zu hören war. "Ich habe nichts gespürt und gehört. Man hat mir gesagt, dass man eine Schockwelle spürt, aber da war nichts", berichtete der 43-Jährige. Weil der menschliche Körper so klein sei, höre man das eigentlich nicht, so Art Thompson, doch das Aufnahmeteam sei zufällig genau unter Baumgartner gestanden.
Nach "Red Bull Stratos" geht auch für das Team der Alltag wieder los. "Wir werden alle neue Herausforderungen finden, aber nie mehr eine so tolle Challenge", sagte Kittinger.
Ende der Basejump-Karriere
Baumgartner sieht mit "Stratos" das Ende seiner Karriere als Basejumper. "Ich bin am Ende meiner Reise angekommen. Ich habe dieses Kapitel erfolgreich abgeschlossen." Der Salzburger wir sich der zweiten Hälfte seines Lebens als Hubschrauberpilot widmen, ein Buch veröffentlichen, das Angebot als UNO-Sonderbotschafter annehmen und vielleicht eine Familie gründen. Das Interesse an der bemannten Raumfahrt hat er allerdings nicht verloren. "Das wäre eine spannende Aufgabe." Die Kapsel von Baumgartner soll im "Hangar 7" ausgestellt werden.
(APA)





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