Newtown-Massaker: "Gott hat sie zu sich heimgerufen"

17.12.2012 | 18:12 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (NEWTOWN) (Die Presse)

Die bewegende Trauerfeier am Montag in der Newtown High School mit US-Präsident Barack Obama gab nach dem Mord an 26 Menschen, davon 20 Kindern, vielen Trost. Man harrt der Einlösung der Worte.

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Die Pianistin hatte Johann Sebastian Bachs Sonate noch nicht zu Ende gespielt, da huschte der Präsident ohne großes Aufhebens vom Hintereingang der Bühne in die Aula der Newtown High School. Am Abend des dritten Adventsonntags erklang nicht, wie sonst üblich, die Präsidentenhymne „Hail to the Chief“. Denn dies war kein Anlass für Pomp und Fanfaren.

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Barack Obama hatte zuvor gerade versucht, den Familien der Opfer des Schulmassakers, die sich in einigen Klassenzimmern versammelt hatten, Trost und Beistand zu spenden. Jetzt lauschte er in der ersten Reihe den Gebeten und der Andacht der interkonfessionellen Trauerfeier, während der Adlerblick des Secret-Service-Agenten in der Mitte des Saals über die Reihen wanderte.

„Wir hatten das so nötig, dass wir hier zusammenkommen“, sagte Pastor Matt Crabben. „Wir dachten ja, dass uns der Stromausfall vor ein paar Wochen die härtesten Tage des Jahres beschert hätte“, erklärte Monsignore Robert Weiss vor der Rezitation der Bibelstelle „Der Herr ist mein Hirte“. Wenige Stunden vorher hatte eine Drohung die Sonntagsmesse in dessen Kirche, der katholischen St. Rose Church, gestört. Umgehend evakuierte die Polizei das Gotteshaus.

Im ganzen Land, in Kalifornien und Oklahoma, traten jäh Nachahmungstäter des Adam Lanza auf den Plan, der am Freitag in Newtown 26 Menschen, davon 20 Kinder, erschossen hatte, dazu zuvor zu Hause seine Mutter und danach sich selbst. Überall jagten Polizeiautos mit heulenden Sirenen durch die Straßen, insbesondere in Newtown und Sandy Hook, wo längst der Katastrophentourismus eingesetzt hat. An der Church Hill Road in Sandy Hook staute es sich bis weit hinauf an die Anhöhe.

 

26 silberne Engel im Gras

In der Newtown High School zelebrierte die schwer verstörte Gemeinde eine Art Katharsis, davor waren 26 silberne Engel in den Rasen gepflanzt. Viele lagen sich in den Armen und fielen einander in innigen Umarmungen um den Hals, die mitunter Umklammerungen glichen. Rabbi Shaul Praver und der japanischstämmige Reverend der Methodistenkirche traten gemeinsam auf die Bühne, fassten einander dabei an der Schulter und der Rabbi stimmte ein hebräisches Totengebet an.

Drei Stunden hatten die Menschen in einer Schlange im Nieselregen ausgeharrt, um Einlass zu finden für die Trauerfeier mit dem Präsidenten. Die kleine Soledad, die den Amoklauf in der Sandy-Hook-Volksschule ohne äußeren Schaden überstanden hatte, drückte ihren Plüschhund „Cinemon“ an sich. Ihre Eltern und die zwei älteren Geschwister herzten sie bei jeder Gelegenheit. „Ich bin so froh, dass meine Familie heil ist. Also kann ich mich glücklich schätzen“, sagte der Vater.

Zum viertem Mal nach ähnlichen Bluttaten in Fort Hood, Tucson und Aurora hatte Obama in seiner Rolle als „Prediger und Seelentröster der Nation“ die traurige Pflicht, seine Landsleute moralisch aufzurichten. Als er Freitagmittag die Nachricht vom Blutbad an der Schule erhielt, sei dies der schwerste Moment seiner Amtszeit gewesen, erzählte zuvor Dan Malloy, Gouverneur von Connecticut, vom Gefühlsleben des Präsidenten.

„Unsere Welt ist auseinandergebrochen. Wir haben mit Newtown geweint. Newtown, ihr seid nicht allein. Das könnte in jeder anderen Stadt in Amerika geschehen sein“, sagt Obama. „Ich weiß, dass kein Wort den Schmerz ausdrücken, den Verlust wettmachen kann.“ Er verspricht, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um solche Tragödien zu verhindern. „Wir dürfen das nicht als Routine akzeptieren. Der Schutz unserer Kinder ist unsere erste Aufgabe. Kommen wir unseren Verpflichtungen nach? Nein!“

Als er dann mit quälend langen Pausen die Vornamen der 20 jungen Opfer verliest, gibt es kein Halten im Saal. Seufzen, Schniefen Wimmern, Heulen – Trauer in allen Formen. Selbst Fred, der Vietnam-Veteran mit dem Seehundschnauzer, Opa eines Erstklässlers, ist untröstlich. „Gott hat sie heimgerufen“, fügt Obama an. „Gib denjenigen, die zurückgeblieben sind, die Kraft, ihrer Erinnerung gerecht zu werden.“ Kein Geistlicher hätte dies besser formulieren können als der eloquente Mann im dunklen Anzug. Jetzt warten viele auf Einlösung seiner Worte. Etwa Abgeordnete wie die Demokratin Carolyn McCarthy, deren Mann 1993 bei einer Schießerei im Zug der Long Island Rail Road erschossen wurde und die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, für striktere Waffengesetze zu kämpfen.

„Wenn sich nichts ändert, sind die Kids vergebens gestorben“, meint Lauren Mallon nach der Trauerfeier. Wie die meisten ist sie jedoch mehr als „happy“, dass der Präsident eigens angereist ist.

 

Beerdigung im Trikot des Idols

Nach einem langen Wochenende, das wie eine Woche anmutete, kam am Montag die schnöde Realität zurück nach Newtown. Tag für Tag sind Begräbnisse der 26 Opfer angesetzt. Den Anfang machte zu Wochenbeginn die Bestattung der sechsjährigen Buben Noah Pozner und Jack Pinto. Nach dem Willen seiner Eltern sollte Jack, ein Fan des Football-Teams der New York Giants, im Trikot seines Idols Victor Cruz zu Grabe getragen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

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125 Kommentare
 
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Newton trauerfeier..

wo sind meine 3Postings? bin ich bei der Staatsanwaltschaft gelandet die auch immer verschlampt oder verlegt ?

newton trauerfeier...

wo sind die WELT- Krokodilstränen wenn Usa TAUSENDE Menschen mit Bomben und Raketen hinmetzelt? Oder sind die Menschen vom Rest der Welt Menschen minderer Klasse?

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Und wir haben ihn dabei unterstützt

Es ist sehr angenehm Gott für diese Tat mitschuldig zu machen. Er hat damit nur insoweit zu tun, dass er uns einen freien Willen gab, der auch das Böse zulässt. Geholfen hat ihm dabei die Mutter, die ein ganzes Waffenarsenal zur Verfügung stellte. Sie hat ihren Sohn auch instruiert, wie man diese Waffen gebraucht und hat wahrscheinlich mit ihm Zielschüsse geübt. in den USA ist ja der Schiesssport Ehrensache. Des weiteren wird wohl die Familie ziemlich kaputt gewesen sein, daher der Hass auf die Mutter. Dann hat er sicherlich mit den Videospielen "abschiessen" geübt. Als ihm alles sinnlos erschien, wurde er der Unauffällige, Verschlossene, zum Wutbürger und liquidierte zuerst die Mutter und stattete ihrer Arbeitsstätte einen blutigen Besuch ab. Dann löschte er sich aus. Am Rande vermerkt: Auch bei uns kann man ohne besondere Hindernisse die Schulen betreten. Man spart auch hier mit Sicherheitskräften. Die Richter schützt man durch Eingangskontrollen, LererInnen und Kinder überhaupt nicht. Also tut doch zuerst eure Hausaufgaben und bemüht dann erst den lieben Gott!

Newtown-Massaker: "Gott hat sie zu sich heimgerufen"

Demnach hat Gott das Massaker angeordnet.

Manche erfinden einen Gott


und der macht dann das Unwetter, die Überschwemmungen, ja die Welt selbst.

Ihre Unlogik geht so: Ich habe die Welt, das Unwetter, die Überschwemmung,... nicht gemacht, DU ? Du auch nicht.
Dann muß es Gott gewesen sein.

Manche Pfarrer sagen auch, das Massaker wäre eine Glaubens-Prüfung der Opferangehörigen.

Unser Pfarrer hat den Schmäh und sagt, Gott liebt sie so sehr, dass er sie zu sich geholt hat.

Andere Pfarrer verzapfen den Unsinn, Gott hat Engerl gebraucht.

Solche Paffen sollte man in die Psychiatrie einliefern, und nicht erlauben, Menschen zu verblöden.

"Gott hat sie zu sich heimgerufen"

ja, jetzt ist der große Unsichtbare daran schuld, und nicht der Irre, der mit der Waffe um sich schießt..

Re: "Gott hat sie zu sich heimgerufen"

Geht es Ihnen jetzt besser? Ich vermute die Familien finden in dem Ausspruch Trost. Das kann natürlich ein Presse-Forums-User nicht zulassen.

Wo kommen wir da hin wenn jemand im Glauben Trost findet wenn wildhearts das partout nicht möchte?

Der gute, liebe, süsse Gott

hat sie heimgerufen!

Re: Der gute, liebe, süsse Gott

...sagt zumindest der gute, liebe süsse Obama

"Gott hat sie zu sich heimgerufen"

Und die US-Befriedigungs-Kriege sorgen dafür, dass Gottes Heimrufungen nicht im All verhallen!

Gott

und dieser "komische" Gott hat sich dabei was gedacht ?

Re: Gott

die frage ist, ob sich dieser faschings-präsident etwas dabei gedacht hat, als er das gesagt hat

0 0

Gott ist schuld, so so.

Ein herrliches TotschlagArgument. Ja dann wozu die Medikamente, Diplomatie, wozu die verschärften EinreiseBestimmungen. Wozu Jagd auf Obama. Lasst uns wieder Kriege führen, dass wir durch seinen mündungshaften Mund durch das Wort aus Blei zu ihm gerufen werden. Wenn du in der linken Lunge getroffen wirst so halte auch die Rechte hin, denn dein Feind liebt dich!
lässt uns Gottesurteile über Kinder fällen, ja sogar russisches Roulette sollen die Kinder spielen, dann holt Gott jedes 6te Kind zu sich, denn er liebt Kinder. Gott liebt Kanonenfutter und die Kinder von Utöya, jetzt ist auch klar, warum die Welt nicht so prickelnd ist, da sind nämlich die, die Gott nicht so mag!
Bei so einer Aussage ist doch klar wohin die Richtung geht! Gott die Verantwortung in die Schuhe schieben, also brauchma eh nix ändern.
Ja dann viel Spaß wenn Gott die nächsten Kinder ruft, denn Gott will es. Herr lass Hirn aus den Patronen regnen.

20 Kinder starben durch eine Landmine in Afghanistan,

das "grosse" Bedauern hielt sich aber sehr in Grenzen.
Ach so, die sind ja nur in einem von Amis besetzten Land ...


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Re: 20 Kinder starben durch eine Landmine in Afghanistan,

Naja das waren auch in Afghanistan :)) man sollte in muslimischen Länder sehr vorsichtig sein man sieht ja was die christlichen Terroristen alles auf der Welt machen ich hoffe das sie genau so wie in Eu gegen Muslime gesetze gebracht haben auch Gesetze gegen christlichen Terroristen bringen wäre wünschens wert

gott hat diese kinder also durch die knarre

eines wahnsinnigen zu sich zurück abkommandiert? diesem religionsverätzten land ist echt nicht mehr zu helfen, da sind ja noch die saudis modern.

Re: gott hat diese kinder also durch die knarre/beschwerer

DANKE!!!

Es ist einfach unglaublich, wofür Alles Gott herhalten muss, wenn Menschen versagen!

Waffenlobby

nachdem Obama nicht ein drittes mal zum Präsidenten gewählt werden kann, braucht er auch das Geld der Waffenlobby für einen Wahlkampf nicht mehr. Vielleicht geht sich jetzt in Bezug auf ein strengeres Waffengesetz etwas weiter. Allerdings - an den Waffen die im Umlauf sind, àndert das auch nichts, wahrscheinlich auch nichts an der Einstellung der Bùrger zum Waffenbesitz an sich.

Re: Waffenlobby

Seit wann kümmern sich Verbrecher und Irre um Gesetze??

Krank

Das ist amerikanisch krank. Die National Rifle Association hat die heim gerufen. Sonst niemand.

Die Waffen sind im Umlauf..

viel kann man dagegen jetzt nicht machen, außer verstärktes bewaffnetes Wachpersonal. Die Waffen werden sich leider auch bei einem Verbot nicht so einfach in Luft auflösen, und absammeln kann man die vielen Millionen(Schätzung) ja nun auch nicht wirklich..

überheblicher geht's nimmer!

"gott hat sie heimgerufen" - d.h. gott hat sich des irren amokläufers bedient, weil er die kinder bei sich haben wollte???!!! Und hat offenbar auch dafür gesorgt, dass Obama zuerst vier Jahre nichts gegen die irren waffengesetze gemacht hat und hat sich dann obama geoffenbart???

Ist dieser Obama jetzt bloß ein eiskalter, menschenverachtend er und prä-potenter Zyniker oder mittlerweile komplett übergeschnappt??

Erschütternd, dass so etwas der mächtigste Mann der Welt ist.

Re: überheblicher geht's nimmer!/Commissario Brunetti

Obama kennt sehr wohl die "Täter", sein Problem ist leider, dass er "sie" zur Durchsetzung der notwendigen Gesetze braucht! Aber anscheinend haben Sie den perfekten Plan für ihn. Melden Sie sich doch im "Weißen Haus"! Obama wird es Ihnen danken!

Re: Re: überheblicher geht's nimmer!/Commissario Brunetti

nein, es geht nicht um einen "Perfekten Plan" - es geht darum, dass sich ein populist als super-heroe aufspielt, auf der ganzen länge versagt und dann unter tränen (!) alles dem lieben gott in die schuhe schiebt.

Re: Re: überheblicher geht's nimmer!/Commissario Brunetti

Das fällige Gesetz: IRRE werden verboten!

Gott hat sie zu sich heimgerufen,

meint der Obama.
Das ist purer menschenverachtender Zynismus dieses Herrn.
Nicht ein Massen mordender junger Vollidiot hat die Kinder - jedes mit mindestens elf Kugeln im Körper - ins Jenseits befördert, nein, der liebe Gott hat sie heimgeholt.

Das nimmt auch etwas Schärfe aus der überfälligen Waffenverbots- Diskussion, die ohnehin verschoben wird bis zum nächsten Massaker eines sogenannten Waffenfans Marke USA.

 
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