Schulmassaker: Amerikas Waffenlobby steht am Pranger

18.12.2012 | 18:12 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

In die Trauer mischt sich zunehmend Empörung über die Waffenlobby NRA und die Waffengesetze. Während die NRA abgetaucht ist, erhöht sich der Druck auf Obama, für eine stärkere Kontrolle zu sorgen.

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Newtown. Über das Brückengeländer am Stone River im Herzen von Sandy Hook ist ein Transparent gespannt: „Zusammen sind wir stark.“ Es hätte indes nicht des Appells an das Zusammengehörigkeitsgefühl bedurft: In jener schmerzerfüllten Zeit vor Weihnachten, in denen Tag um Tag die Opfer des Schulmassakers unter riesiger Anteilnahme zu Grabe getragen werden, ist die Dorfgemeinschaft noch enger zusammengerückt, als sie dies sonst ohnedies ist. In der Auslage der Boutique Sabrina & Style hängt ein Plakat mit einer aufmunternden Botschaft: „Liebe lässt uns das durchstehen.“

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In Sandy Hook kommen der ungebrochene Glaube der Amerikaner an das Gute, ihr Optimismus und ihre positive Grundhaltung zum Ausdruck, die allen Fährnissen trotzen. Eine Welle der Solidarität strömt in das Dorf. Aus New York reisen Eltern mit ihren Kindern an, um ihr Mitgefühl zu bekunden. Ein Vater legt mit seiner kleinen Tochter einen Blumenstrauß an einem der zahlreichen Mahnmale nieder, die zu Bergen an Teddybären, Geschenkpaketen und Zetteln mit Abschiedsworten angewachsen sind. Eltern versuchen, ihren Kindern das Unfassbare begreiflich zu machen.

Zahlen und Fakten: Fast eine Waffe pro US-Bürger

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„Wer braucht schon ein Sturmgewehr?“

„Im Himmel gibt es keine Tränen mehr“, paraphrasiert ein Plakat die Strophe des Eric-Clapton-Songs „Tears in Heaven“. Eine andere Zeile nimmt Bezug aufs Weihnachtsevangelium: „Schlaft in himmlischem Frieden.“ Unter dem Christbaum verrotten Truthahn-Sandwiches auf einem Tablett – symbolische Geste für jene Kinder, die nur noch als „kleine Engel“ apostrophiert werden. Eine Schulklasse hat ihre Fingerabdrücke in Malfarben auf einem Bogen hinterlassen.

Vor dem Memorial debattieren Einheimische und Fremde über die Obama-Rede, über die Konsequenzen der Tragödie, über Todesstrafe und Waffengesetze. „Ich bin eine Befürworterin von Waffen“, sagt Monica Morgan eingangs. „Mein Bruder lehrt seine Kinder bereits von klein auf den Umgang mit Waffen. Aber wer braucht schon ein Sturmgewehr – außer das Militär?“

Sie bringt eine verbreitete Stimmung auf den Punkt. Unter dem Eindruck der Katastrophe plädiert eine knappe Mehrheit der Amerikaner für mehr Kontrolle und striktere Gesetze. „Wir haben die Spitze erreicht“, glaubt New Yorks demokratischer Senator Chuck Schumer. Hunderte Demonstranten versammelten sich vor dem Büro der Waffenlobby NRA am Capitol Hill in Washington. „Schande über die NRA“, skandierten sie. „Wir sind nicht im Wilden Westen.“

Die NRA ist indessen abgetaucht. Ihr Wortführer Wayne LaPierre postulierte einst in Wildwestmanier: „Die Kerle mit den Knarren machen die Regeln.“ Larry Pratt, Chef der Vereinigung „Waffenbesitzer für Amerika“, referierte derweil ein Routine-Argument der Waffenverfechter, indem er die Logik umdrehte: Wären die Lehrer und das Schulpersonal bewaffnet gewesen, wäre es gar nicht zu dem Massaker gekommen.

Proponenten für eine stärkere Regulierung des Waffenbesitzes wie New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verspüren Aufwind, stetig erhöht er den Druck auf die Regierung: „Waffenkontrolle muss Priorität haben.“ Auch die demokratische Abgeordnete Carolyn McCarthy, durch eine Schießerei zur Witwe geworden, drängt Barack Obama zum Handeln. Der Präsident scheint jetzt tatsächlich gewillt, eine Initiative für eine Einschränkung des Zugangs zu Waffen zu ergreifen, die er lange vor sich her schob. Nach dem Attentat auf die Abgeordnete Gabby Giffords hatte das Justizministerium eine Liste von Vorschlägen für eine Reform des Waffengesetzes erstellt – der Katalog blieb im Wahljahr jedoch in der Schublade.

Mehrere waffenfreundliche Senatoren bei den Demokraten sind unter dem Schock umgeschwenkt. „Nie wurden Babys abgeschlachtet“, erklärte der passionierte Jäger Joe Manchin aus West Virginia. „Wir sind alle Eltern und Großeltern.“ Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein will zur Eröffnung der Legislaturperiode in zwei Wochen einen Gesetzesentwurf einbringen, der Sturmgewehre wie den „Bushmaster“, das Todeswerkzeug des Adam L., und Munitionsmagazine von mehr als zehn Patronen unter Bann stellt – wie dies im Zeitraum zwischen 1994 und 2004 schon der Fall war. Unter George W. Bush lief das Moratorium aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

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142 Kommentare
 
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wieso redet eigentlich niemand

darüber mal das zu tun was Banken, Politiker oder VIPs auch tun

nämlich sich von bewaffneten Wachleuten sichern zu lassen

ein paar pensionierte Beamte oder anderweitig ausgebildete Freiwillige werden sich doch überall finden, um in einer Schule während der Schulzeiten nach ein Auge auf unsere wichtigsten Schätze zu werfen

ich würde mich sofort ehrenamtlich zur Verfügung stellen - immer dann, wenn ich nicht selbst zur Arbeit muss

für bedrucktes Papier tut man das auch - und das Zeug hat im Vergleich zum Leben meiner Kinder gar keinen Wert

gebt jedem US-Bürger ne Knarre

am besten Sturmgewehre mit Dauerschussfunktion
solang sie sich gegenseitig umbringen, lassen´s wenigstens die andern in Ruh
außerdem muß die NRA auch von was leben
die Dinger gehören benutzt, kauf mir ja kein Auto und fahr dann nicht damit...

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niemand will euch die Waffen wegnehmen, keine Sorge.

Pistolen, Messer, Armbrust, etc das soll Jeder der will haben können (nach psych. Test, versteht sich)

Sturmgewehre haben aber in den Händen von Zivilisten nichts verloren. Das ist Kriegsgerät.

Natürlich tötet immernoch der Mensch, nicht die Waffe, aber ich muss dem Menschen kein Sturmgewehr in die Hand drücken damit er 30 Menschen pro Minute abknallen kann!

Wie einfach ist das, hm?


Ein Traum:

Eine Sturmgewehr in der Hand.
Vollgepumpt mit Psyhopharmaka.

-> Sturmgewehre einsammeln
-> Psychopharmaka nur gegen Rezept

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Re: niemand will euch die Waffen wegnehmen, keine Sorge.

würde mich, wie üblich, über ein Gegenargument freuen...

Re: Re: niemand will euch die Waffen wegnehmen, keine Sorge.

Es hinkt deshalb, weil man genauso mit einer Pistole 30 Menschen in der Minute umbringen kann.
Das Problem mit diesen Kategorisierungen ist halt, dass sie absolut willkürlich gestaltet sind und auch total sinnfrei. Warum sind in Österreich zB Vorderschaftrepetierer (ugs. Pumpguns) verboten? Da gab es in Deutschland mal einen Amoklauf mit so einer Waffe. Sonst gibt es dafür überhaupt keinen Grund. Populistische Anlassgesetzgebung.
Genauso bei der Munition. ZB ist in Österreich Teilmantelhohlspitzmunition verboten, andererseits ist Voll-Kupfer-Hohlspitzmunition erlaubt. Technisches Argument dafür? Brauchen wir nicht.
(es kann gut sein, dass ich die Begriffe hier durcheinander gebracht habe. Bin auch kein Spezialist auf dem Gebiet. Sollte aber klar sein, worauf ich hinaus will)

Also. Warum jetzt Sturmgewehre verbieten? In einer Umgebung, wo es keine bewaffneten Leute gibt, ist das Kriterium vollautomatisch oder halbautomatisch vollkommen gleichgültig.
Soldaten sind für gewöhnlich auch mit Pistolen ausgestattet. Sind die jetzt auch Kriegsgerät?

Psychologische Tests halte ich übrigens auch für sinnvoll. Aber dann sollte man sich doch kaufen können, was man will.
Alles andere ist so wie: "Führerschein ja, aber einen Ferrari braucht doch wirklich niemand"

Wie kann ein Sturmgewehr

legal in die Hände eines Zivilisten gelangen?
Wieso bringt eine Mutter ihrem geistig beeinträchtigten Sohn bei, solche Waffen zu benutzen? Fragen über Fragen.

Die Waffe tötet nicht

Zuerst einmal ist es der Mensch der den Abzug zieht, also wäre es weitaus sinnvoller einen Psychologischen Test oder ein Gespräch mit einem Psychiater einzuführen, in den USA, als die Waffen zu verbieten. Drogen sind auch verboten und dennoch nehmen sie mehr als genug Menschen. Ein Waffenverbot hätte also keinerlei Wirkung.

In Österreich ist es ja schon gegeben das man ein psychologisches Gutachten braucht bevor man sich B-Waffen kaufen darf. Finde ich garnicht schlecht.

Jetzt der wichtigste Punkt nocheinmal:
DIE WAFFE TÖTET NICHT

Wenn man etwas verbieten will, dann muss man den Zugang zu der Munition erheblich schwieriger machen.
Wer nicht auf Munition angewiesen ist, darf zB zwar die Waffe kaufen, aber die Munition bekommt er nur gegen Vorlage einer Notwendigkeit. (Jagd, Sportschütze usw...)
Diese müsste man dann zwar prüfen, aber das lässt sich alles bewerkstelligen.

Klar würden sich Amokläufer immer irgendwo dann die Munition besorgen, aber ich denke das das Massaker in Newton sicherlich durch so eine Regel verhindert hätte werden können. Der "Junge" hat in seinem Wahn die Waffen und Munition der Mutter genommen. Mit der Waffe selbst könnte er sich dann, auf gut Deutsch, brausen gehen.


Re: Die Waffe tötet nicht

Getretener Quark wird breit - nicht stark, meinte schon der alte Geheimrat J.W. v.G.

Re: Die Waffe tötet nicht

meine güte....ir re was man hier alles liest.

sie haben ja absolut keine ahnung

Obama macht jede Woche ein Masaker an unschuldigen Zivilisten

Man sollte zuallererst ihm die Drohnen verbieten.....

Re: Obama macht jede Woche ein Masaker an unschuldigen Zivilisten

Hahaha!
Und Sie verüben eins an der Deutschen Rechtschreibung!
Wo bleibt der Beate-User "Pfefferstreuer"?

Ein Verbot von Waffen wird das Grundübel nicht lösen! Schon in der Bibel war es klar: der KAIN (MANN) übt Gewalt aus!

Und so ist es auch bis jetzt geblieben: Täter = Mann, Opfer = Frauen, Kinder
Da kann man die Sturmgewehre verbieten,kommt das genetisch für Gewalt destinierte Zellhäufchen halt mit einem andeen Mordsgerät.
Da muss man das Grundübel beseitigen! Da liegt es auch in der Erziehung.

Re: Ein Verbot von Waffen wird das Grundübel nicht lösen! Schon in der Bibel war es klar: der KAIN (MANN) übt Gewalt aus!

na Mäderl, schon gendergetestet??

Re: Re: Ein Verbot von Waffen wird das Grundübel nicht lösen! Schon in der Bibel war es klar: der KAIN (MANN) übt Gewalt aus!

Hohoho!
Sie sind aber einfallsreich!
Gehen Sie am Abend auch als Weihnachtsmann?

Re: Re: Re: Ein Verbot von Waffen wird das Grundübel nicht lösen! Schon in der Bibel war es klar: der KAIN (MANN) übt Gewalt aus!

ich bin der Weihnachtsmann, Tschopperl...

Re: Ein Verbot von Waffen wird das Grundübel nicht lösen! Schon in der Bibel war es klar: der KAIN (MANN) übt Gewalt aus!

die Männer ausrotten ?

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Das letzte Waffenverbot in Deutschland...

...wurde am 8.11.1938 ausgesprochen.

Von wem dürfte hinreichend bekannt sein und die Folgen auch.

Egal ob von nationale oder internationale Sozialisten, am Anfang stehen Einschränkungen der persönlichen Freiheiten wie Waffenverbote und am Ende steht die Diktatur.


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Re: Das letzte Waffenverbot in Deutschland...

da braucht man in den USA gar nichts ändern !? Sollten wir das Waffengesetz in Österreich liberalisieren weil wir andernfalls auf eine Diktatur zusteuern ?

Re: Re: Das letzte Waffenverbot in Deutschland...

Genau so ist es.
Denken Sie einmal nach wieviele Staaten einen schwarzen als Präsident haben und wieviele davon Demokratien sind - wehret den Anfängen.


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Re: Re: Das letzte Waffenverbot in Deutschland...

berechtigte Frage. Da schließ ich mich an.

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und was ist mit den ...

... Psychopharmaka, die die Täter intus hatten? werden die auch verboten?

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Je später

Je später der Abend, desto mehr linksgrüne Vollpfosten bewerten die Kommentare.

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Re: Je später

Verwunderlich, da sie idR. auch unter tags nichts zu tun haben. Oder kommen sie von der "Berufsdemo" heim?
;)

Re: Je später

Sie sind scheinbar schon zu betrunken, um noch an einer kondtruktiven Diskussion teilzunehmen. Web wundert es, wenn er schon seit 10:00 Uhr beim Würstelstand steht

Re: Je später

warum? weil wir was ordentliches gelernt haben und nicht auf Hilfshackler-Jobs angewiesen sind.

 
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