Strengeres Waffenrecht: Obama schickt Vize Joe Biden vor

19.12.2012 | 18:19 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Die mächtige Waffenlobby NRA bricht nach dem Amoklauf mit 26 Todesopfern an Grundschule erstmals ihr Schweigen und kündigt Schritte an, um so etwas künftig zu verhindern.

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Washington. Joe Biden ist der Mann für die kniffligen Fälle der Obama-Regierung. Der Präsident hat nach dem Massaker an einer Schule von Newtown (Connecticut) mit 26 Todesopfern seinen Vize beauftragt, eine Kommission zu leiten, die Antworten auf die drängenden Fragen nach Reform des Waffenrechts finden soll. Die Themenstellung für das Gremium ist freilich komplexer, wie Obama mehrfach seit dem Schulmassaker anklingen ließ. Eingebunden sind auch Bildungsminister Arne Duncan und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius, die Maßnahmen auf breiter Ebene diskutieren sollen.

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Wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Kongress hat Ex-Senator Biden schon als Unterhändler des Präsidenten bei den Verhandlungen zur Gesundheitsreform und zur Anhebung des Schuldenlimits die Fühler zu seinen Exkollegen ausgestreckt. Obama hat „Amtrak Joe“, der mehr als 30 Jahre mit dem Zug nach Washington pendelte, überdies als „Botschafter für die Mittelklasse“ eingesetzt.

Während der Chor der Verfechter für striktere Waffengesetze mit jedem Tag anschwillt, hat die mächtige Waffenlobby NRA (National Rifle Association) erstmals seit Newtown ihr Schweigen gebrochen: Sie verurteilte am Mittwoch die „schrecklichen und sinnlosen“ Morde und werde alles versuchen, solche Bluttaten zu verhindern. Für Freitag kündigte sie eine Pressekonferenz an, in der sie ausführlich Stellung nehmen will. Die Kritik der letzten Tage hatte der NRA schwer zugesetzt, nun wollte sie zumindest den richtigen Ton in einer Debatte treffen, die ihren Interessen zuwiderläuft. Wie stets nach derlei Anlässen ist die NRA gleich nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown abgetaucht – mit dem Kalkül, die erste Empörung zu überstehen, um sich dann weiter gegen eine Verschärfung des Waffenrechts zu stemmen. Jetzt wird die Entrüstung nicht so schnell abebben; der Tod von allein 20 Kindern hat die Nation in ihrem Innersten getroffen.

 

Folgen für die Waffenhersteller

Die Demokraten bereiten indessen eine Initiative für rigorosere Maßnahmen vor, und Präsident Obama signalisierte seine Unterstützung für einen Vorstoß der Senatorin Dianne Feinstein: Die kalifornische Politikerin will demnächst halb automatische Sturmgewehre und Magazine mit mehr als zehn Patronen unter Bann stellen. Unter dem Eindruck des Schulmassakers haben Offizielle in Kalifornien und Michigan schon jetzt lokale Waffengesetze verschärft.

Auch unter den Republikanern zeichnet sich ein Abweichen von der harten Linie ab, wie Senator John McCain suggerierte. Sein Mitstreiter Lindsey Graham relativierte dagegen, ein Waffenverbot würde nur ein „trügerisches Gefühl der Sicherheit“ geben. Unterdessen verzeichnet die US-Wirtschaft erste Auswirkungen: Die Aktien der Waffenschmiede Smith & Wesson fielen um 20 Prozent. Die Private-Equity-Firma Cerberus stieß den Produzenten des Bushmaster-Sturmgewehrs ab.

Auf einen Blick

Die mächtige US-Waffenliga National Rifle Association hat am Mittwoch nach tagelangem Schweigen zu dem Amoklauf von Newtown erstmals eine Stellungnahme publiziert: Darin wurde angesichts der Katastrophe Bedauern ausgedrückt – und die Bereitschaft angedeutet, eine Verschärfung des Waffenrechts in den USA hinzunehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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29 Kommentare
 
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Die amerikanische Situation für uns unvorstellbar


Ich kann mich an ein Interview mit einer über 60-jährigen Amerikanerin erinnern: "Die Gauner sind alle mit guten Waffen ausgestattet. Da müssen wir mindestens so gute haben, um uns ernsthaft wehren zu können."

Ganz Unrecht hatte sie nicht. Nur durch die Veränderung des Gesetzes, könnte man da nicht viel bewirken. Da müsste man zuerst ein ganzes Land entwaffnen, auch die Gangster und das wird schwer sein.

In Österreich können wir uns noch darauf verlassen, dass uns das Gewaltenmonopol des Staates schützt, sollte es einmal nicht mehr so sein, werden auch wir gezwungen, zu den Waffen zu greifen.

Re: Die amerikanische Situation für uns unvorstellbar

Nur wird Ihnen der Staat dann keine mehr zubilligen ... - bei uns geht die Macht nicht mehr vom Volk aus sondern "von oben" - bin in die EU.

Wesentlich wirksamer und ehrlicher wäre es,

wenn man die USA zur FRIEDFERTIGKEIT erziehen würde. Man muß nicht alle (in- und ausländische Konflikte) mit der Waffe in der Hand lösen.

Bei der US-Army geschieht zur Zeit das Gegenteil: die angeborene Tötungshemmung wird den GI wegtrainiert, damit sich verläßlich einsatzfähig sind. Die Tötungshemmung war seit eh und ja ein Grund, daß man lieber mit Fernwaffen (Bomben, Raketen) tötet, da sieht man nicht so genau, wie das Blut spritzt!

Auf die Einschränkung des Waffenbesitzes kommt es (mit Ausnahme der Schnellfeuerwaffen) nicht an - wäre das der Fall, dann müßten in der Schweiz ständig Morde passieren, weil jeder Rekrut seinen Karabiner zuhause aufbewahrt.

Außerdem kann man ja Massenmorde auch durch Sprengmittel, Gift etc. begehen, worüber man auch ständig hört...

Auch für die USA scheint Aktionismus die besteht Reaktion der Politiker zu sein, auf Vorwürfe zu reagieren...

Re: Wesentlich wirksamer und ehrlicher wäre es,

Die bei den Schweizern daheim "herumliegende" Sturmgewehre sind, soweit ich weiß, nicht einsatzbereit, weil irgendein mechanisches Teil fehlt - das erst bei den Übungen bzw im Ernstfall ausgeteilt wird.

Re: Re: Wesentlich wirksamer und ehrlicher wäre es,

Ach so? Und wieso gibt es dann soviele Selbstmorde in der Schweiz mit der eigenen Waffe?

Re: Re: Wesentlich wirksamer und ehrlicher wäre es,

Das stimmt so nicht ganz, die Gewehre sind einsatzbereit, es ist jedoch eine Sperre eingebaut, die den vollautomatischen Modus blockiert. Diese wird nur auf Befehl entnommen. Die Taschenmunition wird seit ein paar Jahren nicht mehr ausgegeben.
Wie oft pro Jahr schweizer Reservisten auf den Schießstand gehen müssen, weiß ich allerdings nicht.
Was ich weiß ist, daß die Dienstwaffe nach Beendigung des aktiven Dienstes sehr günstig vom Soldaten erworben werden.

nicht Waffen töten Menschen


Menschen töten Menschen.

(wurde vermutlich zu diesem Thema schon hunderte Male gepostet)

Was wirklich verboten gehört

sind die Ballerspiele am PC. Jugendliche mit 10 Jahren nieten alles um, was sie zu sehen bekommen. Ohne nachzudenken und Angstfrei. Wenn sich das nicht auf die Psyche eines jungen Menschen niederschlägt, weiß ich auch nicht mehr weiter. Das hat mit Realität nichts mehr zu tun. Wenn ein junger Mensch sich für Schußwaffen interessiert, dann soll er zu einem Schützenverein gehn. Dort wird ihm auch gleich der richtige Umgang mit einer Schußwaffe gelehrt. Was Obama da jetzt im SInn hat ist Symptombekämpfung und nicht Ursachenbekämpfung. Ursache ist die Verrohung von Jugendlichen durch PC Ballerspiele. Diese Massenmorde sind seit 1990 akut. Das deckt sich genau mit dem Zeitpunkt des Aufkommens solcher Computerspiele.


Re: Was wirklich verboten gehört

OK, wenns so ist, dann verbieten und verschärfen wir aber nichts. Das Waffengesetz in Österreich ist ok.

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Re: Was wirklich verboten gehört

Die Produktion von Ballerspielen ist ein Industriezweig! Der Anführer "Call of Duty" hat sich millionen mal verkauft und trotzdem gibt es nicht stündlich Amokläufe.

Aber man braucht schon etwas Fantasie um Spielen die Schuld an solchen Massakern zu geben.
Vollautomatische Sturmgewehre können ja garnichts damit zu tun haben.

Re: Re: Was wirklich verboten gehört

Sicher ist es ein Industriezweig wie alles andere auch. Das Töten ohne Gefahr am PC dur Ballerei frißt sich bei anfälligen Leuten ins Unbewußte. Nicht jeder ist Alkoholiker wenn er 4 Biere am Tag trinkt, bei manchen ist ein Seitel schon zuviel. Nur zum Vergleich.

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Re: Was wirklich verboten gehört

http://www.youtube.com/watch?v=jPEXKHLuxlw

2 0

Re: Was wirklich verboten gehört

Tut mir sehr leid, aber das ist nachgewiesenermaßen absoluter Schwachsinn. Gewalttätige Filme haben da bspw einen viel höheren Einfluss, abgesehen davon müsste es bei uns, da es in Österreich diesbezüglich nur eine frewillige Selbstkontrolle gibt, permanent Amokläufe geben.

Mehrere Personen in meinem Freundeskreis, mich eingeschlossen, spielen seit Jahrzehnten Computerspiele, tw auch "Ballerspiele" wie Sie es nennen, und weder ist von uns jemand an Schusswaffen interessiert noch in irgendeiner Weise gefährlich oder gewaltätig.

Re: Re: Was wirklich verboten gehört

Wenn Dich aber das Schießen nicht interessiert, warum spielst Du dann überhaupt Ballerspiele?

Re: Re: Re: Was wirklich verboten gehört

Weil Ihn viellecht die Taktik und Zusammenarbeit interessiert?

ES GAB KEIN MASSAKER

So unglaublich ist das, dass man es wirklich nicht glauben will. Aber: in der Schule in Newton gab es KEIN Massaker....

Lehrer mit Waffen??

Ich stelle mir das schön vor wenn sogar in Volksschulen die Lehrer Waffen tragen und den Kindern Weihnachts Geschichten vorlesen. Sehr romantisch. Und wenn sich eines der Kinder seltsam benimmt, gleich entsichern und zielen. Das Kind könnte ja auch eine Waffe haben. Sicher ist sicher.

o

... Die Angst der Räuber vor dem Volk

Wer Mord verhindern will ,rüstet das Militär ab .

Das kostet aber wieder Arbeitsplätze!

Werden Smith&Wesson, Colt und Remington nicht gerade erfreut sein!

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Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

hätte es nicht 26 Tote geben müssen, dann hätte der Amoklauf gestoppt werden können. Außerdem ist Obama ein Heuchler; wenn seine Drohnen-Piloten in Afghanistan oder Pakistan mit Raketenwerfern Terroristen jagen und dabei versehentlich Zivilisten samt Kindern in die Luft sprengen, kostet ihn das nicht einen Seufzer und hier heult er wegen "diesen wunderschönen Kindern".
Wenn ein derart blutrünstiger Friedensfürst Waffen einsammeln will, ist Vorsicht geboten. Guantanamo ist immer noch nicht geschlossen und der Patriot-Act mit der Aufhebung von habeas corpus ist immer noch in Kraft. Bevor er die Aufgabe von der Freiheit, Waffen zu besitzen, zugunsten von Sicherheit fordert, sollte er vorher zumindest die Bürgerrechte wieder
herstellen.

Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Auch Präsident Obama braucht die Republikaner für Gesetze. Wenn die das verhindern.....

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Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Und hätte es ein Waffenverbot gegeben, wäre dieser Amoklauf gar nicht erst passiert.

(Abgesehen davon ist es sehr sinnvoll einer dafür nicht ausgebildeten Lehrerin eine Waffe in die Hand zu drücken.. Vor allem gegenüber jemandem der seit seiner Kindheit am Schießstand übt..)

0 2

Re: Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Anstatt eines Minus würde ich gerne konkrete Antworten lesen, die auf diese FAKTEN eingehen. Aber scheinbar gleicht sich das Niveau dieses Forums immer mehr dem der Krone an..

Re: Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Dem angeblichen Taeter wurde eine Waffe aufgrund der stengen Gesetze verweigert. Er hat sich die Waffen illegal beschafft. Illegal kann man sich ueberall in der Welt Waffen beschaffen. Illegal bedeutet: Verboten. Verbotenes kann man nicht verbieten...

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Re: Re: Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Tut mir leid, sie scheinen schlecht informiert zu sein. Er hatte die Waffen von seiner Mutter, die sie zuhause rumliegen hatte. Hätte es ein Verbot gegeben, hätte er die nicht einfach von der Sofacouch mitnehmen können, da wären nämlich gar keine gelegen!

Abgesehen davon wechseln auf Tauschbörsen und Flohmarkten in den USA Waffen ohne jegliche Sicherheitskontrollen legal den Eigentümer.

Re: Re: Re: Re: Wenn nur eine der Lehrerinnen eine Waffe gehabt hätte,

Glauben Sie wirklich wenn Waffen illegal wären, gäbe es keine zu erwerben? Wie gut das funktioniert sieht man täglich in Mexico...

Die BBC brachte vor ein paar Jahren einen Bericht über den illegalen Waffenhandel in GB; für rund € 100 gabs eine Glock und für € 150 ein AKM - also ein ECHTES Sturmgewehr, kein ziviler Halbautomate.

 
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