Ägypten: Islamisten verkünden Mehrheit für Verfassung

23.12.2012 | 17:38 |   (Die Presse)

Nicht einmal jeder dritte ägyptische Wahlberechtigte nahm am Referendum teil. Die Wahlbeteiligung lag im ganzen Land bei schlappen 32 Prozent.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Kairo/Gaw. Der ägyptische Verfassungsentwurf ist nach inoffiziellen Angaben in einem Referendum von 64 Prozent der Teilnehmer angenommen worden; 34 Prozent haben gegen die neue Verfassung gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag im ganzen Land bei schlappen 32 Prozent.

Erwartungsgemäß fiel am Samstag, in der zweiten Runde des Referendums, in der vor allem in ländlichen Regionen abgestimmt wurde, die Zustimmung zu dem Entwurf deutlicher aus: 71 Prozent stimmten für die Verfassung. In der ersten Runde, als vor allem in Städten abgestimmt wurde, lag die Zustimmung bei 56 Prozent. Opposition und Menschenrechtsgruppen haben zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung aufgedeckt und angezeigt. Die Frage ist, ob diese das relativ eindeutige Ergebnis noch entscheidend verändern könnten.

Vizepräsident zurückgetreten

Werden die Zahlen von der obersten Wahlkommission offiziell bestätigt, gilt der vorwiegend von Islamisten geschriebene umstrittene Entwurf als erste ägyptische Verfassung der Nach-Mubarak-Zeit. Die Opposition leckt ihre Wunden, gibt sich aber zuversichtlich. „Wir haben bewiesen, dass wir ungefähr die Hälfte der Bevölkerung hinter uns haben, die das alles nicht gut findet. Darauf können wir aufbauen“, sagt Khaled Daoud, Sprecher der Nationalen Rettungsfront.

Am Wochenende hat Vizepräsident Mahmud Mekki seinen Rücktritt erklärt. Mekki, der hohes Ansehen genießt, weil er zu Mubaraks Zeiten einen Aufstand der Richter für die Unabhängigkeit der Justiz angeführt hatte, galt als das liberale Gesicht rund um Präsident Mohammed Mursi.

Mekki hatte sich öffentlich darüber beschwert, im Zusammenhang mit dem Verfassungsentwurf nie von Mursi konsultiert worden zu sein. Auch der Chef der ägyptischen Zentralbank, Farouk El-Oqda, erklärte am Wochenende seinen Rücktritt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2012)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
56 Kommentare
 
12
renmin
26.12.2012 13:08
1

Na dann

steht Ägypten ja eine glorreiche Zukunft bevor. Mit Hilfe des Allmächtigen und fleißigem beten, (fünfmal täglich. Ja nicht vergessen, gelt!) geht es sicher demnächst aufwärts. Wer es nicht glaubt, dem hauen wir die Rübe ab. Und die Touristen wird es auch freuen, wenn die Bartgeier überall herumhängen und die Einhaltung ihrer Auslegung der Gebote ihres Prophiten überwachen. Kurz, wieder ein Land im A r s c h, das Potential zu einem funktionierenden und stabilen Staat gehabt hätte.

Staunton
25.12.2012 18:48
0

Krachende Niederlage für die Mubarak-Leute und die Pfründebewahrer für den Westen!

Denn man kann doch wohl davon ausgehen, dass die Freunde des Westens und die Mubarak-Leute wohl von allen Ägyptern am meisten fürchten, dass sie die Pfründe verlieren, die sie sich Jahrzehnte lang ununterbrochen mit voller Kraft auf Kosten der ägyptischen Bevölkerung genehmigt hatten. Und daher stets geschlossen zu Wahlen und Abstimmungen gehen.

Während es ja hingegen praktisch immer so ist, dass die weniger Bemittelten bzw. Mittellosen in den westlichen bzw. kapitalistischen Ländern in wesentlich geringerem Maße an demokratischen Willensbildungen teilnehmen. Bestätigt jede Statistik, sogar die vom Westen gefälschten.

Siehe auch USA, den Hauptpartner Ägyptens, wo die Demokraten wirklich immer(!) die ganze Kraft dafür verwenden müssen, damit ihre Wähler das Wahlrecht wahrnehmen. So ein Problem haben die Republikaner mit ihren Leuten ganz sicher nicht.

Man kann daher jede Wette eingehen, dass die weniger Bemittelten und Mittellosen stets viel weniger an Wahlen teilnehmen als die privilegierten Menschen. Wobei Letztere in Ägypten doch wohl die Mubarak-Leute und Pfründebewahrer des Westens sind. Die krachenden Verlierer (mit nur 1/3(!) der Stimmen) sind daher in Ägypten die Mubarak-Leute und Freunde des Westens! Darüber helfen auch keine der üblichen Propaganda-Lügen der Loser hinweg!

Unbenannt
25.12.2012 13:10
1

Artikel 43 bezeichnet die Glaubens- und Religionsfreiheit als unantastbar.

http://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/neue-aegyptische-verfassung-mehr-grundrechte-und-mehr-religion-12005405.html

Grüß Gott Leute!
Bevor man die Verfassung verurteilt bzw. abstempelt, sollte man sie lesen. Hier ein Link zum reinschnuppern. Ich hoffe manche nehmen sich die Zeit diesen Artikel zu lesen.

Global-Observer
25.12.2012 12:20
0

Das scheint doch ein sehr

erfolgsversprechendes Modell auch für Syrien zu sein...werden dann Christen und Andersgläubige öffentlich enthauptet???

Hans-Joachim Fuchs
25.12.2012 09:36
2

So kommt eine Minderheit in den Besitz der Macht

Als Wahlsieger bei einer Wahl mit zu geringer Wahlbeteiligung.

Antworten Lady Manhattan
25.12.2012 09:46
4

Re: So kommt eine Minderheit in den Besitz der Macht

das war beim Adi auch schon so - mit 37% hat er gewonnen...

Der Schärdinger
25.12.2012 09:26
0

Der Schärdinger

Mursi will ein Präsident für alle Ägypter sein.
Sehr mutig so zu agieren in einem Land wo jeder dritte bis fünfte Arbeitsplatz vom Tourismus abhängt.
Wie würde man bei uns sagen, alles Walzer und viel Vergnügen!

Brauchst a Ü
24.12.2012 20:09
4

ES LEBE

der arabische Frühling!!!!!

Wo ist die Rede oder die Propaganda vom arabischen Frühling der westlichen Medien?????

Antworten scheni
25.12.2012 04:44
0

Re: ES LEBE

kommt noch abwarten

Antworten Brauchst a Ü
24.12.2012 20:12
0

Re: ES LEBE

Mein Herz, mein Leben - für mein Land!!!
Friede,Freude, Eierkuchen.

befehlsverweigerer2
24.12.2012 15:43
6

in Syrien

unterstützt der Westen doch dies selben Tendenzen - wozu diese Kokodilstränen wegen Ägypten ???

enzo
24.12.2012 12:22
4

Es ist schwer für dieses Land zu hoffen

Das die Grünen und Gutmenschen lebende Kerzenleuchter usw. nun erst recht mit gutem Beispiel in der Praxis vorangehen und ihren Urlaub sowie Parteiseminare und etliche andere Großveranstaltungen in Ägypten absolvieren.
Besonders Emanzen wären als Beispielgebend erwünscht.

Antworten Hans-Joachim Fuchs
25.12.2012 12:25
1

Re: Es ist schwer für dieses Land zu hoffen

Hoffnung verbieten?
Das waere dann der Part of the Game-
Korrupti-Zynismus.
Nein Danke!

Antworten fireone
25.12.2012 07:59
1

Re: Es ist schwer für dieses Land zu hoffen

Das schau ich mir an!

starshaper
24.12.2012 12:13
4

und die Grünen in Bayern ...

"Die lange erstarrte arabische Welt ist derzeit von jungen Protestbewegungen geprägt, die Demokratie, ein Ende der politischen
Korruption und sozio-ökonomische Gerechtigkeit einfordern."

Antworten fireone
25.12.2012 08:01
2

Re: und die Grünen in Bayern ...

Demokratie in diesen Ländern können sie sich aufzeichnen. Auf jeden abgesetzten Diktator folgt dort ein neuer.

starshaper
24.12.2012 12:12
3

Aus linken Welt-Vorstellungen ...

"Tunesien, Lybien, Ägypten. Der arabische Frühling - und jetzt?
18. Dezember 2012, 19:30
Welt-Vorstellungen

Wann: 18. Dezember 2012, 19:30 Uhr
Wo: Grüne Akademie - Eingang 2 , Am Fuße des Schlossberges 2, 8010 Graz"

Antworten enzo
24.12.2012 12:24
0

Re: Aus linken Welt-Vorstellungen ...

Warum nicht passt doch zur Faschingszeit,dürfen die keine Kabarett Veranstaltungen machen ???

laquetepario
24.12.2012 08:31
3

Beängstigend!


Daily Observer
24.12.2012 08:00
20

was mich wundert:

dass mit 32% wählerbeteiligung schon eine verfassung zemetiert werden kann!
allein das zeigt schon die verwerflichkeit des mursi-regimes, das um nichts besser ist als das des diktators mubarak!

steppenwolf
24.12.2012 07:14
10

wie sollen denn 50Prozent Analphabet wählen ?

der Koran wird unreflektiert auswendig gelernt, das ist es auch schon gewesen - wer diese bildungsfernen Wutmassen je gesehen hat, der weiß - Le Bon lebt! Demokratie und Islam? - der beste Witz des Jahres!

vegetation
24.12.2012 06:39
22

die Dummheit des Westens

Das mit dem arabischen Frühling war der grösste politische Blödsinn seit Jahrzehnten.

Antworten enzo
24.12.2012 12:07
2

Re: die Dummheit des Westens

Was kann es für die USA besseres geben wie ein Krisenherd vor der Haustür Europas.
Die EU hat doch einst das Maul weit aufgerissen,dass es ein wirtschaftlicher Gegenpart zu USA und Asien sein will.
Da der Ami alles andere möchte als ,dass Erdöl in Euro gehandelt wird,sind eben die Dinge so gekommen wie sie nun sind.
Fehlt noch Syrien und der Iran.

Antworten Daily Observer
24.12.2012 08:05
2

Re: die Dummheit des Westens

den sturz von mubarak hat ägypten allein den mutigen jungen menschen vom tahrir platz zu verdanken, die sogar ihr leben geopfert haben, um den diktator mubarak zu entmachten! diese zu unterstützen war kein fehler des westens!
man hat halt gehofft, dass sie sich politisch auch durchsetzen können. dass die anfangs verbündeten moslembrüder, die sich feig dem kampf ferngehalten haben, die errichtung eines islamischen gottesstaates im hinterkopf gehabt haben und sich jetzt mit dem militär gegen die jungen demonstranten wenden würden, hat man vermuten aber nicht wissen können!

Antworten Antworten fireone
25.12.2012 08:18
1

Re: Re: die Dummheit des Westens

Wie naiv kann der Westen sein, wenn man glaubt, dass in diesen Ländern eine Demokratie Chancen hat? Auf dem Tahrirplatz können noch soviele demonstrieren, die Mehrheit ist auf dem Land zuhause und wenig bis gar nicht gebildet. Denen kann man alles erzählen und sie werden es glauben. Nicht nur Ägypten ist für den Westen verloren, sondern die ganze Region.

Antworten Antworten enzo
24.12.2012 12:12
2

Re: Re: die Dummheit des Westens

Ja eben wissen ist Macht ,daher werden die Dummen immer unterliegen auch wenn sie es noch so gut meinen.
Das gilt aber für alle Länder dieser Erde.
Kennen sie ein Land wo sich nach der Vertreibung eines Diktators die
Lebensituation der Bevölkerung verbessert hat ???

 
12

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    10:00
    Wien
    17°
    Steiermark
    19°
    Oberösterreich
    19°
    Tirol
    14°
    Salzburg
    18°
    Burgenland
    17°
    Kärnten
    19°
    Vorarlberg
    19°
    Niederösterreich
    14°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden