USA: Amokläufer tötet Feuerwehrmänner, dann sich selbst

27.12.2012 | 14:47 |   (DiePresse.com)

Der 62-jährige Täter benutzte ein Gewehr gleicher Bauart, mit dem der Amokläufer von Newton seine Opfer erschossen hatte. Zwei Männer starben, zwei weitere wurden verletzt.

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Ein offenbar verwirrter Mann hat der Feuerwehr in Webster im US-Staat New York einen tödlichen Hinterhalt gelegt und zwei von ihnen erschossen. Dafür benutzte er am Heiligen Abend ein Sturmgewehr gleicher Bauart, mit dem etwas mehr als eine Woche zuvor ein Amokläufer in Newtown (Connecticut) sechs Erwachsene und 20 Schulkinder erschossen hatte. Nach den Schüssen auf die Feuerwehrleute tötete sich der 62-Jährige selbst. In seinem Haus wurden außerdem Leichenteile gefunden - und ein bizarrer Abschiedsbrief. Mittlerweile hat sich die Debatte für und wider härtere Waffengesetze in den USA erneut verschärft.

Der Mann hatte sein eigenes Haus und sein Auto angezündet und auf die Feuerwehr gewartet. Als die Helfer aus ihren Wagen stiegen, eröffnete er sofort das Feuer. Zwei Männer starben noch am Brandort, zwei weitere wurden verletzt. Der eine wurde bewusstlos gerettet, der andere konnte mit seinem eigenen Auto fliehen - nach mehr als einer Stunde. Weil die Feuerwehr anfangs nicht löschen konnte, brannten sieben Häuser nieder. Die Anwohner mussten unter Polizeischutz gerettet werden.

EPA/MONROE COUNTY SHERIF'S DEPT. / HANDOUT

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Der 62-Jährige war laut Polizei offensichtlich geistig verwirrt - und vorbestraft. 1981 hatte er seine 92 Jahre alte Großmutter erschlagen und dafür 17 Jahre in Haft gesessen. Bis 2006 stand er unter Bewährung, danach liefen die Auflagen aus und er stand nicht mehr unter Beobachtung. Seine Mutter, mit der er zusammenlebte, starb dieses Jahr. Polizisten, die das Haus nach den Schüssen durchsuchten, fanden weitere Leichenteile. Offenbar stammen sie von der fünf Jahre älteren Schwester des Schützen.

In dem Haus entdeckten die Ermittler auch einen drei Seiten langen getippten Brief, bei dem es sich um einen Abschiedsbrief handeln könnte. "Ich muss mich noch bereit machen, um zu sehen, wie viel von der Nachbarschaft ich anzünden kann und um das zu machen, was ich am besten kann: Menschen töten", heißt es darin.

Die ermordeten Männer waren freiwillige Feuerwehrleute. Der eine war 19 Jahre alt und noch neu bei der Feuerwehr. Der andere war ein 43 Jahre alter Polizist, der vor knapp zwei Monaten den Opfern des Supersturms "Sandy" geholfen hatte. Erst vor zwei Wochen hatte er den Titel "Feuerwehrmann des Jahres" bekommen. Der Mann hat drei Kinder. Sein Sohn ist selbst Feuerwehrmann.

Gleiche Waffe wie in Newton

Die Waffe ist das gleiche Modell, das nur zehn Tage zuvor beim Amoklauf in Newtown verwendet worden war. Die Bushmaster .223 ist ein Nachbau des seit Jahrzehnten von allen amerikanischen Teilstreitkräften verwendeten Sturmgewehrs M16. Sie kann zwar kein Dauerfeuer schießen, ist aber eine halbautomatische, das heißt selbst nachladende Waffe. Auch wenn der Schütze für jeden einzelnen Schuss den Abzug ziehen muss, kann ein 30-Schuss-Magazin innerhalb von einigen Sekunden leergeschossen werden.

Eine Bushmaster gleichen Kalibers verwendeten auch die "Beltway Sniper". Die beiden Heckenschützen hatten 2002 in und um Washington mindestens zehn Menschen getötet.

Währenddessen bekam US-Präsident Barack Obama nach seinen Vorstößen für schärfere Waffengesetze nach dem Schulmassaker in Newtown massive Gegenwehr von der Waffenlobby zu spüren. Sie würden jegliche Einschränkung des Rechts auf ungehinderten Waffenbesitz bekämpfen, machten die Führer der einflussreichen National Rifle Assosiation (NRA) und ähnlicher Organisationen zu Wochenbeginn deutlich. Das Weiße Haus bezeichnete den heftigen Widerstand der Lobbyisten laut "Washington Post" als ernüchternd, es werde aber von seinen Vorhaben nicht abweichen.

(APA/dpa)

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62 Kommentare
 
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mir scheint, hier gibst sich die österr. Nationale Gewehr Vereinigung

ein Stelldichein. Gott sei Dank eine kleine Minderheit.

Re: mir scheint, hier gibst sich die österr. Nationale Gewehr Vereinigung

Täusch Dich nicht, wir sind viele.
Wir neigen nur nicht dazu, ständig irgendwelche inhaltsleeren Postings abzusondern. ;-)

naja der spruch

also wenn nur mehr noch SOLCHE wahnsinnige menschen waffen haben dürfen (verbrecher, die sich das illegal besorgen) dann frage ich mich aber schon ob diese antiwaffen fanatiker noch ganz bei trost sind ?!?!?

dies person war ein schwerverbrecher und hätte nach amerikanischen recht überhaupt keine waffe besitzen dürfen !

dieser fall ist wasser auf den mühlen der NRA....und das ist gut so !

ein Staat im Untergang

gut so!

und wieder ein Beispiel für die segensreiche Wirkung der Todesstrafe: wäre dieser Mann schon nach dem Mord an seiner Großmutter exekutiert worden, wären mindestens 3 Menschen heute noch am Leben, 7 Häuser wären nicht verbrannt und mehrere Schwerverletzte müßten nicht um Leben und Gesundheit bangen! Die Todesstrafe rettet nämlcih das Leben der künftigen Opfer, aber die om Sozialismus Verblendeten glauben ja an die "Resozialisierung" von Schwerverbrechern!


Gleicher Bauart - lustig

Passierte ein Verkehrsunfall gleicher Autobauart, wie schon voriger Woche :)

Anti-Waffen-Propaganda

Kann mir vielleicht jemand erklären, warum die Taten eines vorbestraften Geisteskranken zu einer Waffenrechtsdisskusion führen sollen?

Nur zur Information:
Der war Vorbestraft, also auch in den USA kein Legalwaffenbesitzer.
Im Bundestaat NY ist seit längerem ein "assault weapon ban" in Kraft.

Kriminelle halten sich nun mal nicht an Gesetze, auch gutes Zureden hilft da nicht!

Re: Anti-Waffen-Propaganda

Mag schon sein, aber gerade bei Verrückten ist schon wichtig wie leicht man an Waffen kommt. Je mehr es im Land gibt, desto leichter kommt man auch dran. Der Schwarzmarkt wird daher auch größer sein als bei uns, oder??

Re: Anti-Waffen-Propaganda

in Österreich, das ohnehin ein relativ liberales Waffengesetz hat, hätte dieser Mann keine Waffen besitzen dürfen. Und schon gar kein Sturmgewehr.

Re: Anti-Waffen-Propaganda

Je mehr "legale" Waffen im Umlauf sind, desto leichter ist es auch für Verbrecher, an Waffen zu kommen.

Insofern ist dies durchaus auch ein Grund, die leichte Verfügbarkeit von Waffen zu thematisieren.

Re: Anti-Waffen-Propaganda

Ganz einfach: bei Waffen verflüchtigen sich die Reste des gesunden Menschenverstandes wie Alkohol zu Silvester. ;-)
Natürlich kann kein Gesetz der Welt solche Taten verhindern.
Natürlich können nur gute bewaffnete Menschen böse bewaffnete Menschen stoppen.
Natürlich sind es die Menschen die töten, nicht irgendein Werkzeug.

Aber diese Logik erschließt sich vielen Menschen nicht, wenn es um Schußwaffen geht. Die Gründe dafür sind mir leider unbekannt. Vielleicht ein blinder Fleck in der Wahrnehmung? Vielleicht Ideologie?

Seltsamerweise wird kaum ein überzeugter Waffengegner ein Verbot von Autos fordern, wenn wieder einmal ein Irrer eine Amokfahrt mit mehreren Toten absolviert hat. Denn da greift die Logik plötzlich wieder.

12 21

geistig verwirrt

sind wohl alle Waffennarren ...und oft auch Republikaner dazu...hat Trphen King eigentlich schon einmal einen Horror Roman geschrieben in dem diese Leute alle die Waffe auf sich selbst richten und abdruecken? Dann wird's voll in der Hoelle...

6 1

Re: geistig verwirrt

alle Republikaner sind geistig verwirrt? i Sie wirken geistig verwirrt! oder schlecht informiert!

Re: geistig verwirrt

Sehr nett. Allen Waffenbesitzern den Tod wünschen und sie posthum in die Hölle schicken. Sehr vorbildlich!

16 11

Reaktion

Nach der Denkweise der NRA kann das nur eines bedeuten: Jeden Feuerwehrmann bewaffnen, bis auf die Zähne. Weg mit dem Wasserschlauch und umrüsten auf Vollautomatische. Auf jedes Feuerwehrauto eine 50mm Kanone statt des Wasserwerfer. Und das Problem wäre gelöst.

14 5

wird...

... Jetzt eigentlich jeder mord/irre als amoklauf(er) tituliert und mit den massenmorden und schusswaffenregeln verknuepft? Ist ja eh alles so gut/schoen/heimelig in Oesterreich... Man muss nur die schreckliche welt draussen entsprechend aus der perspektive schreiben!

Re: wird...

Ja, die haben ihre Sichtweise.
Und wir haben unsere.

ein Volk,

das nur für die obersten 1% arbeitet,
bei dem 46 Mill. von Essensmarken abhängig sind,
über 2 Mill. im Gefängnis sitzen,
bei drohendem wirtschaftl. Abschwung und Hyperinflation,
dieses Volk wird selbst für die größte Armee zur Gefahr, wenn es freien Zugang zu Waffen hat,

deshalb FEMA-Camps,
deshalb sind ca. 800.000 Amis im Secret Service-Bereich tätig,
deshalb sind zu viele Waffen eine Gefahr für die Regierung

was soll die Regierung also dagegen machen?


Re: ein Volk,

auf den punkt gebracht
deswegen werden die buerger eingeschuechtert, mit linker propaganda bombardiert und schliesslich zur aufgabe dieser elementaren freiheit gebracht.

in einem land wo es ueber 300 millionen private feuerwaffen gibt (statistisch gesehen ueber 100 millionen waffenbesitzer) - das ist ein pulverfass, das hochgehen WIRD

aber genau das haben die gruendervaeter vorgesehen und deswegen den 2. verfassungszusatz implementiert, damit sich das volk gegen ein tyrannisches regime erheben kann und sich wehren kann gegen die aufgezwungene staatliche gewalt


Re: Re: ein Volk,

die gründerväter haben gesehen das der beginn der unabhängigkeitskriege wie ein bauernkrieg abgelaufen ist mit heugabeln gegen kanonen, sonst nix.

die illusion der macht des einzelnen durch die eigenen waffen beruhigt. und zwar darüber das die staatsgewalt in vielen bereichen versagt oder aufgegeben hat. kastensystem wie in indien nur subtiler.

0 19

Hochstilisierte Gewaltopfer.

Schon peinlich wie diese ermordeten Feuerwehrleute
schon wieder als "Heros" bezeichnet werden.

Das ist typisch Amerika,
lässt man sich erschießen ist man ein Held.

26 2

Re: Hochstilisierte Gewaltopfer.

"... Laesst man sich erschiessen..." Das muss man sich mal auf der zunge zergehen lassen. Kleine kulturelle aufklaerung: hierbei handelt es sich nicht um helden, man erweist diesen leuten, die mitten in der nacht aus dem bett springen um andere zu retten, nur den respekt den sie verdienen. Ist grantln' besser?

Wettrüsten

Nach 2 Jahren hat den jeder Kindergarten Atomwaffen und einen 30 m Minengürtel

Das schreit

Das schreit nach einer Bewaffnung der Feuerwehrleute.....

Re: Das schreit

Ja, und in West Virginia will man die Kindergartentanten bewaffnen, weil es schon vorgekommen ist, dass Kindergartenkinder mit den Waffen ihrer Eltern in den Kindergarten kamen und auf andere Kinder loszugehen begannen.....!

13 11

Re: Re: Das schreit

"Kindergartentanten" (sic!)

Die korrekte Berufsbezeichnung lautet Kindergartenpädagogin. Das weiß ich nämlich, weil meine Freundin eine ist. ;-)

 
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