Indien: Missbrauchsopfer kämpft um Überleben

28.12.2012 | 17:27 |   (Die Presse)

Die 23-jährige Frau, deren Massenvergewaltigung in einem Bus in Neu-Delhi wütende Proteste in Indien auslöste, ist schwerer verletzt, als bisher bekannt. Die Studentin kämpfe demnach um ihr Leben.

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Neu-Delhi/Singapur/AG. Der Gesundheitszustand der indischen Studentin, die am 16. Dezember Opfer einer Massenvergewaltigung in einem Bus in Neu-Delhi geworden war, ist prekärer, als bisher bekannt. Die 23-Jährige wurde am Mittwoch auf Beschluss des indischen Kabinetts in ein Spital in Singapur überstellt. Dort gaben die behandelnden Ärzte des Mount-Elizabeth-Krankenhauses jetzt bekannt, dass ihr Zustand keineswegs stabil sei, sondern dass sie um ihr Leben kämpfe.

Die junge Frau habe nicht nur einen Herzstillstand erlitten, sondern auch noch Gehirnverletzungen. Außerdem laboriere sie an einer Lungen- sowie einer Unterleibsentzündung. „Die Patientin kämpft gegen alle Widrigkeiten, sie kämpft um ihr Leben“, sagte Kelvin Loh, ein leitender Vertreter des Krankenhauses. Die Klinik ist auf Organtransplantationen spezialisiert.
Das Schicksal der Studentin hatte in Indien wütende Proteste, vor allem unter jüngeren Menschen, ausgelöst. Die 23-Jährige war am 16. Dezember nach einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einen Bus gestiegen. Dort wurde sie von sechs betrunkenen Männern angegriffen, brutal vergewaltigt, mit einer Eisenstange geschlagen und aus dem Bus geworfen.

Polizist bei Protesten getötet

Die Männer wurden zwar mittlerweile festgenommen, die Proteste in Indien aber reißen nicht ab. Am Sonntag war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen, bei denen 100 Menschen verletzt wurden – ein Polizist so schwer, dass er verstarb.

Der Angriff auf die Studentin könnte das Fass in einer Gesellschaft zum Überlaufen gebracht haben, die ihre weiblichen Mitglieder gerne noch immer wie Waren behandelt, die man kauft und wegwirft. Vor einigen Jahren wurde eine junge Frau von ihrem Schwiegervater angezündet, nachdem sie gegen die wiederholte Vergewaltigung durch ihren Ehemann protestiert hatte.
Arrangierte Ehen und Zwangsverheiratungen stehen noch immer genauso an der Tagesordnung wie Misshandlungen junger Ehefrauen, die entweder den Erwartungen ihres Ehemannes oder ihrer Schwiegereltern nicht entsprechen beziehungsweise deren Nützlichkeit erlischt, sobald ihre Mitgift kassiert wurde.

Den Behörden wird vorgeworfen, derartige Übergriffe gerne zu ignorieren. Mittlerweile wurde eine Reihe von Maßnahmen erlassen: mehr Polizisten in unsicheren Gebieten und beschleunigte Gerichtsverfahren bei Vergewaltigungen. Außerdem wird geprüft, ob die Höchststrafe bei Vergewaltigung auf die Todesstrafe geändert werden könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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6 Kommentare

Dramatisch:

Ein NICHT KOMMENTIERBARER Artikel heisst: Indien, wo Frauen fast nichts wert sind.

Ich ändere das auf:
Österreich: Wo das Volk nichts wert ist!!!
Man lässt es die Meinung nicht artikulieren! Und das in einem demokratischen Rechtsstaat!
Schämt sich die Presse denn nicht?
Sämtliche Themen, die die Menschen hierzulande bewegen, werden zum Posten gesperrt!!!!!!!!!!
Das ist Wahnsinn!

Das Opfer

ist mittlerweile verstorben. Andere Medien berichteten vor einer Stunde davon.

Furchtbar. Möge die Frau nun ihren Frieden finden

Re: Das Opfer

hat mit sicherheit seinen frieden gefunden, wieso schreiben sie im konjunktiv???
keinen frieden jemals mögen vergewaltigende männer finden! ich bin für sehr harte strafen weltweit!
das ganze ist nicht nur ein indisches problem wie der zuletzte b e k a n n t gewordene zwischenfall in der U6 beweist. die dunkelziffer liegt sicher bei weitem höher! moslemische frauen zum beispiel würden nie anzeige erstatten, weil sie dann nicht nur in ihrer gesellschaft zu verachteten parias werden sondern weil sie um ihr leben fürchten müssen!

ich plädiere für lebenslang, weil das opfer ebenfalls lebenslang mit den psychischen folgen zu leben hat. und die sind nicht ohne! eine gestörte sexualität sowie angstneurosen sind noch die harmloseren folgen! eine seriöse untersuchung zu dem thema könnte ein umdenken in der rechtssprechung bringen.
aber solange sogar richterinnen wie jenes krude grazer exemplar, das einen afghanischen pograbtscher samt anschließender misshandlung vom vorwurf der sexuellen misshandlung freigesprochen hat, habe ich keine illusion, dass sich der schutz der frauen in Ö.verbessern wird!


Wunsch

Ich wünschte mir, dass Delikte gegen Leib und Leben bei uns genauso hart bestraft werden würden, wie kleinere Finanzdelikte (bei den großen passiert sowieso nichts).

Wie kann es sein, dass Vergewaltiger, Kinderschänder und Schläger auf Bewährung frei kommen?

Auch das Alter sollte bei diesen Delikten keine Rolle spielen.

21

Absurde Strafen bei Sexualdelikten in Austria

Ich stimme Ihrem Kommentar zu und ergänze mit paar Fragen: Wie kann es sein, daß ein Täter, der ein FÜNZFEHNJÄHRIGES MÄDCHEN FÜNFMAL VERGEWALTIGT NUR EINE TEILBEDINGTE STRAFE BEKOMMT UND DIE PAAR MONATE DER UNBEDINGTEN STRAFE GEMÜTLICH ZU HAUSE MIT EINER FUSSFESSEL ERLEDIGEN KANN? DAS IST MENSCHENVERACHTEND, das zeigt, daß es WENIG ZÄHLT, wenn die Seele eines Mädchens schwer gestört, wenn nicht sogar zerstört wird. Wenn jemand z.B. in einen Supermarkt einbricht, was natürlich auch nicht in Ordnung ist, da ist die Strafe oft höher als bei einem Sexualdelikt, DA STIMMEN DIE RELATIONEN ALLZU OFT NICHT !!!

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