Tschechien: Ministerium stimmt Temelin-Ausbau zu

18.01.2013 | 18:55 |   (DiePresse.com)

Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist abgeschlossen. 90 Umweltschutz-Bedingungen wurden festgelegt. Bis Ende 2013 soll der Sieger des Auswahlverfahrens bestimmt und der Vertrag unterzeichnet werden.

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Das tschechische Umweltministerium hat am Freitag dem Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin zugestimmt. Damit wurde der 2008 eingeleitete Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des Projektes, der den Bau von zwei zusätzlichen Blöcken vorsieht, abgeschlossen. Das Ministerium teilte gleichzeitig mit, dass 90 Bedingungen festgelegt wurden, deren Respektierung für den Umweltschutz erforderlich seien, damit das Projekt hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt und die öffentliche Gesundheit annehmbar sei.

Die UVP sei durch eine große Beteiligung von Nicht-Regierungsorganisationen und der Öffentlichkeit begleitet worden. Diese hätten mehr als 60.000 Stellungnahmen eingereicht, die in den meisten Fällen Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Betrieb der atomaren Quellen beinhaltet hätten, so das Ministerium. Alle diese Stellungnahmen wurden laut dem Ministerium zu Unterlagen für die UVP, wobei diese "gründlich ausgewertet" worden seien, hieß es.

Vertragsunterzeichnung Ende 2013

Der dritte und vierte Block Temelins sollen bis 2025 fertiggestellt sein. Der Auftrag hat einen Wert von rund 200 bis 300 Milliarden Kronen (etwa 8 bis 12 Mrd. Euro). Bis Ende 2013 soll der Sieger des Auswahlverfahrens bestimmt und der entsprechende Vertrag unterzeichnet werden.

Drei Bewerber haben dieses Jahr ihre offiziellen Angebote vorgelegt - der US-Konzern Westinghouse, der französische Konzern Areva und das tschechisch-russische Konsortium MIR.1200 aus Skoda JS, Atomstrojexport und Gidropress. Areva wurde 2012 von CEZ aus der Ausschreibung ausgeschlossen, weil die Franzosen die Bedingungen für die Beteiligung nicht erfüllt hätten. Areva wies dies zurück und legte bei der Wettbewerbsbehörde (UOHS) Berufung ein. Diese hat als vorläufige Maßnahme beschlossen, dass CEZ vorerst keinen Vertrag zur Lieferung der Technologie unterzeichnen darf.

Laut einer Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts CVVM ist fast die Hälfte der Tschechen - 49 Prozent - für den Ausbau Temelins. Mehr als ein Drittel - 36 Prozent - sind dagegen, und die restlichen 15 Prozent haben keine Meinung dazu.

(APA)

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21 Kommentare

Sanktionen

Gegen eine derart menschenverachtende Politik, wie es ein Pro-Atom-Kurs ist, der entgegen jeder Erkenntnis und gegen jedes besseres Wissen weiter fortgeführt wird, kann es nur eine Antwort geben:

Sanktionen!
Sanktionen!
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Sanktionen!
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Sanktionen!
...

Gegen Österreich hat man schon aus fadenscheinigeren Argumenten heraus dasselbe gerufen.

Den Strom braucht in CZ niemand, schon heute ist Tschechien der weltgrösste Stromexporteur (per Einwohner).

Das Einzige worum es hier geht sind riesige Schmiergelder.
Wetten, dass die Russen Sieger des Auswahlverfahrens sein werden?

Re: Den Strom braucht in CZ niemand, schon heute ist Tschechien der weltgrösste Stromexporteur (per Einwohner).

Sagen Sie das dem Olaf...

Die Tschechei ist kein Tourismusland


wie Österreich!

Aber sie verschandeln sich nicht die Landschaft mit Zufallsstrom-Windrädern!


Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Nachdem ja alle Privathaushalte und öffentliche Gebäude zur Änderung ihres Lichtkonsums gezwungen wurden,
mit Energieausweisen sekkiert und zur Anschaffung von A++++ Geräten sektiert wurden, ist es verwunderlich, dass überhaupt Bedarf an so viel Energie besteht.

Sollte der Mehrbedarf an Energie etwa aus der Vorratsdatenspeicherung kommen, oder gar Billigenergie für gewisse Wirtschaftszweige verschleudert werden, während andere sparen müssen?
Sind es gar die Tag und Nacht beleuchteten, teils menschenleeren Bürogebäude, die soviel Strom brauchen?
Oder brauchen wir den billigen Atomstrom zur für Speicherkraftwerke, weil Windstrom aus der Nordsee es gar nicht bis in die Alpen schafft?

Es ist schon irrwitzig, wie sich die Unionsziele oft gegenseitig im Weg stehen.

Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

1 AKW macht soviel Strom wie 1.000 moderne Windräder.

Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland


Wenn kein Wind weht, produziert ein Windrad genau 0, zero!


Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Weil Fasching ist: Wo ist ideale Standort für Windräder und Dampfkraftwerke in einer Demokratie? Sie wissen es ... aber schreiben Sie es bitte nicht :-) Leilei

Re: Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland


In der Löwelstrasse!

SPÖ-Zentrale!


Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

eben. deshalb lieber AKWs, die sind auch zuverlässig

Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Zudem hat die Atomkraft weniger Menschen getötet bzw. heimatlos gemacht als die Wasserkraft.

Re: Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Ihr Vergleich hinkt:

Staudämme brechen nur einmal, dann ist das Wasser weg.

Atommüll stellt über Jahrtausende eine Gefahr dar.

Das wird noch spannend, wenn all die Fässer voll Atommüll auf dem Meeresgrund (auch im Mittelmeer) erst einmal korrodiert sind.

Was die sichere Endlagerung von Brennstäben in Kupferummantelungen in Lehm anbelangt, so sprechen die Studien aus destruktiver Werkstoffprüfung bereits jetzt Bände.

Ihr Argument ist also schon deshalb unrichtig, weil sie den Beobachtungszeitraum unsachlich kurz gewählt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige der Probleme noch in ihrer Lebensspanne auftreten, ist höher als Sie sich vielleicht eingestehen wollen.

Re: Re: Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Tot ist tot. Ob wegen Strahlen oder wegen Wasser, tot ist tot. Also hinkt mein Vergleich keineswegs.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Jedes Leben ist wertvoll!

Nach Ihrer Argumentation macht es also keinen Unterschied, ob eine Katastrophe mit lokaler Begrenzung vorliegt und daher nur einmal Opfer fordert oder, ob eine Katastrophe weitreichende Folgen hat und kontinuierlich Todesopfer in mehreren Generationen fordert und schwere Krankheiten und Behinderungen zur Folge hat.

Ich bin doch der Ansicht, dass man soviel Verantwortung aufbringen muss, die Konsequenzen des Handelns einer "modernen" Gesellschaft bedenken muss.

Jedes Opfer ist eines zu viel.
Wenn Risikos nicht kalkulierbar sind, pokert man mit Menschenleben. Naturgewalten sind schon schwer beherrschbar, das nukleare Feuer ist es mit Sicherheit nicht, wie unzählige Beispiele zeigen...

Googlen Sie einmal nach Atomzwischen/-unfällen. Sie wären erstaunt, was wir in der Nachbarschaft schon alles hatten: Lucens 1969 (Ines 4-5), Jaslovské Bohunice 1977 (Ines 4). Belgien zähle ich einmal nicht mit. Ab 4 sprechen wir von einem kerntechnischen Unfall.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Die Tschechei ist kein Tourismusland

Mir sind alle Atomunfälle bekannt.

Die Summe der dabei Getöteten ist geringer als die Summe der bei allen Dammbrüchen Getöteten.

Die Summe der dabei Abgesiedelten ist geringer als die allein durch den Bau des Drei-Schluchten-Damms Abgesiedelten.

Ministerium stimmt Temelin-Ausbau zu

die EU will einen offenen Markt, alles klar dann macht doch einen offenen Markt.
Dieser Strom ist viel billiger. Es wird sich schon eine Firma finden die diesen billigen Strom nach Österreich bringt.
Wenn es keine Lobby verhindert.

Re: Ministerium stimmt Temelin-Ausbau zu

wenn sauber kalkuliert würde, also Endlagerung über die gesamte zerfallsdauer etc. könnte sich diesen Strom niemand kaufen. das nicht so kalkuliert werden muss liegt an der klientelpolitik - nicht nur in tschechien.

Re: Re: Ministerium stimmt Temelin-Ausbau zu

Ist beim Drei-Schluchten-Damm sauber kalkuliert worden?

Das bedeutet: Sind die Schäden der MILLIONEN von Menschen, die umgesiedelt worden, hineingerechnet worden? Der Ertragsverlust der Bauern, die damals im jetzt gefluteten Schwemmland FÜNFMAL so viel Ertrag hatten, als sie an ihrem Exil-Standort haben[1]?

Ist beim Banqiao-Staudamm sauber kalkuliert worden? Schadenersatz für die 170.000[2] durch den Dammbruch getöteten Menschen mit eingerechnet?

Ist bei der Windkraft sauber kalkuliert worden? Wertverluste von bis zu 30% [3] für angrenzende Immobilien mit eingerechnet?

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Schluchten-Talsperre#Zwangsumsiedlung_in_den_.C3.9Cberflutungsgebieten

[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Banqiao_Dam

[3] http://www.welt.de/print-welt/article261194/Windkraft-bringt-Immobilienpreise-in-Turbulenzen.html

P.S.: Ich untermauere meine Behauptungen mit Quellen. Sie nicht.

Re: Re: Re: Ministerium stimmt Temelin-Ausbau zu

So ist das eben mit totalitären Systemen...
Es gibt einen Masterplan und das Volk muss spuren - der Fortschritt, die Errungenschaft ist wichtiger als das Individuum.

Aber zum Glück leben wir ja im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts.

In der EU können wir bei soetwas mitreden wurde damals der EU-Beitritt schmackhaft gemacht! Ausserhalb hätten wir ja keine Chance solche Projekte zu verhindern!

Das Ergebnis sieht man ja!

Re: In der EU können wir bei soetwas mitreden wurde damals der EU-Beitritt schmackhaft gemacht! Ausserhalb hätten wir ja keine Chance solche Projekte zu verhindern!

mitgeredet wurde ja, aber es gibt kein vernünftiges Argument gegen die Atomkraft; jedenfalls keines dass mittels EU - Recht einen Ausbau verhindern kann ...

natürlich werden Öko-Talibans immer etwas finden um Märtyrer zu werden.

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