Minister: Japan soll Pflegefällen "schnelles Sterben" erlauben

21.01.2013 | 17:18 |   (DiePresse.com)

Japans Finanzminister ist für drastische Äußerungen bekannt. Nun empörte er mit einer Wortmeldung im Rat für die Reform der Sozialversicherung.

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Japans Finanzminister Taro Aso hat bei einem Treffen des Rates für die Reform der Sozialversicherung drastische Reformvorschläge geäußert. "Gott bewahre, wenn man zum Leben gezwungen ist und sterben will - man kann nicht ruhig schlafen, wenn man daran denkt, dass alles von der Regierung bezahlt wird", sagte der 72-jährige Minister bei dem Treffen am Montag. "Das Problem wird nicht gelöst, bis man sie möglichst rasch sterben lässt." Er selbst habe schriftlich verfügt, dass er "schnell sterben" wolle.

Aso bezeichnete Patienten, die künstlich ernährt werden, als "Röhrenmenschen". Später ruderte er zurück und sagte, er habe lediglich seine "persönliche" Meinung geäußert und nicht über die Aufgaben des Gesundheitssystems für Pflegebedürftige gesprochen. "Es ist wichtig, das man seinen Lebensabend in Frieden verbringen kann", betonte Aso dann.

Altern als sensibles Thema

Nicht zum erste Mal trat der aus einer angesehenen Industriellenfamilie stammende ehemalige Regierungschef mit fragwürdigen Äußerungen hervor: 2001 zog Aso Unmut auf sich, als er sagte, erfolgreiche Länder seien die, in denen "reiche Juden" leben wollten.

Altern ist ein sensibles Thema im ehemaligen Kaiserreich: Japan gehört weltweit zu den Länder mit der ältesten Bevölkerung. Rund ein Viertel der 128 Millionen Japaner sind bereits über 60 Jahre alt. Es wird damit gerechnet, dass diese Bevölkerungsgruppe bis 2050 auf 40 Prozent der japanischen Gesamtbevölkerung anwächst. Zugleich schrumpft die Zahl der Sozialversicherten, die die Kosten für Gesundheitsversorgung und Pflege letztlich tragen.

(APA)

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2 Kommentare

nur persönliche Meinung

Hoppala. Falsche Taste gewesen.

Ja - was ich sagen wollte: Argumentation erinnert doch sehr an unseren abgetretenen Herrn Juncker, dessen erklärte Strategie es war, zuerst kleine Steinchen zu werfen, um zu sehen, was die Bevölkerung wohl darauf sagen würde. Und so weiter - ist ohnedies jedem EU-Bürger bestens bekannt.
Also ist der Gedanke schon einmal in den Köpfen der Leute placiert.

In den letzten Monaten taucht in den Medien immer wieder diese offenbar von den Eliten herbeifantasierte "soziale Reformmöglichkeit" auf, nicht nur für Alte ab 60, unheilbar alte Kranke - sondern zuletzt auch für junge Menschen mit "wahrscheinlich" nicht mehr heilbarer Erkrankung.

Langsam ist das Wort "Reform" aus dermaßen berufenen Mündern zu fürchten, scheint mir.


nur persönliche Meinung


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