Deutschland: Grünes Licht für Gentests an Embryos

01.02.2013 | 12:20 |   (DiePresse.com)

Embryonen können vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf schwere Erbrkankheiten untersucht werden, wenn es eine genetische Veranlagung gibt.

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Paare mit schweren Erbkrankheiten können künftig unter bestimmten Voraussetzungen Gentests an Embryonen vornehmen lassen. Nach jahrelangen Debatten billigte der deutsche Bundesrat am Freitag in Berlin mit einigen Änderungen die Rechtsverordnung, die die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) regelt. Damit ist der Weg frei für das PID-Gesetz, das der Bundestag bereits vor eineinhalb Jahren beschlossen hatte. Das Bundesgesundheitsministerium will die Regelung nun zügig umsetzen.

Beim PID-Verfahren werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen schon vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche schwere Erbkrankheiten untersucht. Erlaubt sind Gentests an Embryonen nur dann, wenn ein Elternteil oder beide Elternteile die Veranlagung zu einer schweren Erbkrankheit haben oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tot- oder Fehlgeburt droht. Eine vorherige Beratung ist Pflicht.

Keinen Rechtsanspruch auf Zentrum

Anders als ursprünglich geplant soll die Zahl der PID-Zentren, in denen Gentests an künstlich erzeugten Embryonen möglich sein sollen, nun begrenzt werden. Es soll keinen Rechtsanspruch auf die Zulassung eines PID-Zentrums geben. Die Zulassung soll vielmehr im Einzelfall geprüft werden und unter anderem davon abhängig gemacht werden, ob es überhaupt einen Bedarf gibt. Der Bundesrat stimmte mehrheitlich für diese Empfehlung des Gesundheitsausschusses des Bundesrats. Damit soll die Konzentration auf einige wenige Zentren erreicht werden.

Bei einem weiteren Streitpunkt, den Ethikkommissionen, bleibt es bei der von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geplanten Regelung. Die Forderung, in jedem Land maximal eine Ethikkommission zu erlauben, erhielt in der Länderkammer keine Mehrheit. Die Ethikkommissionen sollen in jedem Einzelfall prüfen, ob Eltern eine PID vornehmen lassen dürfen. Bahr zeigte sich "sehr zufrieden" mit der Entscheidung des Bundesrates. "Wir werden die Änderungen jetzt umsetzen und auf den Weg bringen", erklärte er. Damit gebe es "endlich Rechtssicherheit für betroffene Paare und alle Beteiligten".

(APA/AFP)

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5 Kommentare

Bahn frei...

... für die Aussonderung behinderten Lebens. Der Dammbruch ist geschehen. Scheibchenweise werden die Gesetze in den nächsten Jahren weiter liberalisiert werden. Wer ein Recht auf Leben hat, bestimmt ein anderer. Stoppt den Wahnsinn!

Re: Bahn frei...

Wenn solch eine Technologie wirklich ausschließlich zur "Aussonderung behinderten Lebens" verwendet würde, wäre dagegen gar nichts einzuwenden. - Denn früher hat das die Naur selbst können, indem der Mensch einfach bald nach der Geburt gestorben ist. Heute bemüht man sich die noch so schlimmen Fehlbildungen an zB inneren Organ, die niemals ohne Medikamente überleben könnten, zu erhalten, und damit können sie sich auch fortpflanzen. - Aus diesem Grund wird die Menscheit auch immer kranker.
Wirklich schlimm wäre es aber, wenn das sogenannte Designer Baby kommt, bei dem man sich von der Haarfarbe bishin zur ungefähren Endgröße alles aussuchen kann.
Und noch viel schlimmer wäre es, wenn gar die Politik sagt, wie viele intelligente Menschen sie braucht für die Leitung oder Forschung usw und wie viele Muskulöse um zB Häuser zu bauen. Dann wäre es nur noch ein kleiner Schritt bis man diese extra dafür hergestellten Menschen als Sklaven halten darf.
Das ist die echte Gefahr bei dieser Art der Gentechnologie. Nicht etwa das zu machen, was die Natur ohne uns sowieso getan hätte.

Re: Re: Bahn frei...

"Wenn solch eine Technologie wirklich ausschließlich zur "Aussonderung behinderten Lebens" verwendet würde, wäre dagegen gar nichts einzuwenden. - Denn früher hat das die Naur selbst können, indem der Mensch einfach bald nach der Geburt gestorben ist. Heute bemüht man sich die noch so schlimmen Fehlbildungen an zB inneren Organ, die niemals ohne Medikamente überleben könnten, zu erhalten..[]"

Alter Schwede...wie sind Sie denn drauf?

Re: Re: Bahn frei...

"gar nichts einzuwenden" gegen die Einteilung 'lebenswert' und 'nicht lebenswert'? Würden Sie einem Menschen mit Down Syndrom ins Gesicht sagen: "Du bist nicht lebenswert", "besser man hätte dich rechtzeitig im Embryonalstatus erkannt und beseitigt"? Sorry, da kann ich nicht mit. Es bleibt nur mehr ein kleiner Schritt zur Zwangseuthanasie der Behinderten, der Kranken, der Alten.

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Re: Re: Bahn frei...

Die "wirklich schlimm"-Bedenken sind zusammen mit demokratisch und ethisch beschränkenden Gesetzen ein Widerspruch.

Und ein erschütterndes Beispiel dafür, wie primitiv das "Gesetz" als überhebliches Ferngewissen für die Andern gemeint ist.

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