Medikamente im Pferdefleisch nachgewiesen

14.02.2013 | 15:44 |   (DiePresse.com)

In Großbritannien wurden Medikamenten-Spuren in zum Verzehr bestimmten Pferdefleisch entdeckt. Phenylbutazon ist für Menschen gesundheitsschädlich.

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Der europäische Pferdefleisch- Skandal erreicht eine neue Dimension: Tests der britischen Lebensmittelaufsicht haben ergeben, dass Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Der britische Umweltminister David Heath sagte im Parlament, acht Pferde von britischen Schlachtern seien positiv auf das Medikament getestet worden. Drei davon sollen in Frankreich in die Nahrungskette geraten sein. Insgesamt wurden 206 Pferdefleischproben getestet.

Die britische Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA arbeite mit den französischen Behörden zusammen, ergänzte Heath. Seinen Angaben zufolge wurden Spuren des Medikaments aber nicht in den vom britischen Markt genommenen Tiefkühl-Lasagnen der Marke Findus gefunden. Der Fund von Pferdefleisch in diesen Produkten hatte den aktuellen Skandal ins Rollen gebracht.

Medikamentenpass existiert bereits

Phenylbutazon wird oft bei Rennpferden eingesetzt. Der Wirkstoff wird vereinzelt bei Rheumapatienten eingesetzt, aber nur zurückhaltend. In Großbritannien und Frankreich ist die Verwendung bei Menschen aufgrund von starken Nebenwirkungen wie Magenentzündungen oder -blutungen verboten.

Pferde, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind, dürfen in der EU nicht mit Phenylbutazon behandelt werden. Aus den USA, aus Kanada und Mexiko werden allerdings jährlich tausende Tonnen Pferdefleisch in die EU importiert, berichtet die "Welt". Jedes Pferd hat eine Art Medikamentenpass. Vergangenes Jahr hatte sich die EU darüber besorgt gezeigt, dass die Medikamentenpässe bei Pferdefleisch aus Mexiko nicht immer einwandfrei seien.

EU will Medikamente-Tests

Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe zu Phenylbutazon vorschlagen. 1500 in die EU eingeführte geschlachtete Pferde sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere. Die EU-Kommission will den Mitgliedsstaaten bei der Fahndung nach Rückständen freie Hand lassen.

In Österreich besteht weniger Gefahr, dass Pferdefleisch in Rindfleisch-Produkte gemischt wurde. Wie Ö1 berichtet, prüft die Agentur für Ernährungssicherheit Produkte auf ihre Echtheit. Zur Zeit werden Schwerpunktkontrollen bei Fertiggerichten durchgeführt. Ergebnisse seien Ende dieser bzw. Anfang nächster Woche zu erwarten.

"Krasser Fall von Verbrauchertäuschung"

Die deutsche Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte gegenüber der ARD, dass es bisher  zwar keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung gebe, es aber ein "krasser Fall von Verbrauchertäuschung" sei. Die europäischen Ermittlungsbehörden müssten nun gemeinsam in dem Fall vorgehen.

Gründe für das Untermischen fraglich

Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel wollte auch eine Gesundheitsgefahr nicht ausschließen. Pferdefleisch sei an sich nicht billiger als Rindfleisch, daher sei ihm unerklärlich, warum es untergemischt wurde, sagte der Grünen-Politiker. "Da muss es ja irgendeinen Grund geben, und dem gehen wir nach, aber Ergebnisse haben wir noch nicht."

Die EU will auch die Reform der europäischen Kennzeichnungsregeln beschleunigen. Möglicherweise sollen Unternehmen künftig gezwungen werden, auch bei verarbeitetem Fleisch das Herkunftsland anzugeben. Bisher gilt diese Pflicht nur für frisches Rindfleisch. Ab Dezember 2014 soll die Regelung voraussichtlich auf frisches Lamm- und Schweinefleisch sowie Geflügel ausgedehnt werden.

Fälle in Deutschland

In Deutschland entdeckte nach Real auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Edeka-Sprecher am Donnerstag in Hamburg. Der Artikel sei am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht ausschließen konnte. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent.

Eine Tiefkühl-Lasagne mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch wurde in einem Lager in Brandenburg vorsorglich sichergestellt. Die Spur führte nach Nordrhein-Westfalen: Von dort sei das verdächtige Produkt über einen Großhändler nach Brandenburg gelangt. In Niedersachsen wurde ein Kühlhaus geschlossen. Bayern kündigte verschärfte Kontrollen an, hat aber bisher keine Auffälligkeiten entdeckt.

Lasagne-Rückruf

Nun befürchtet auch der dänische Lebensmittelkonzern Tulip, möglicherweise mit Pferdefleisch angereicherte Tiefkühlgerichte nach Deutschland geliefert zu haben. Tulip habe den Handelskonzern Rewe vor zwei Tagen aufgefordert, zwei Lasagne- und Canneloni-Tiefkühlgerichte wegen des Verdachts aus den Geschäften zu nehmen, die Produkte enthielten Pferdefleisch, sagte ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag in Kopenhagen. Tulip kaufe Produkte von der französischen Comigel, die im Zentrum des Pferdefleisch-Skandals in Großbritannien steht. Auf den Produkten stehe nicht der Firmenname Tulip.

Lebensmittelkontrolleure hatten zuerst in Irland festgestellt, dass Rindfleischprodukte auch Pferdefleisch enthielten. Inzwischen weitet sich der Skandal auf immer mehr Länder aus. Ein Untersuchungsbericht des britischen Parlaments geht davon aus, dass die bisherigen Funde von Pferdefleisch nur die "Spitze des Eisbergs" sind. "Das Ausmaß der Verunreinigung, das in der Produktionskette offenbar wird, ist atemberaubend", sagte Anne McIntosh. Sie ist die Vorsitzende des Agrarausschusses, der den Bericht erstellt hatte. Ohne Zweifel würden weitere Fälle ans Licht kommen.

(Red./APA)

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36 Kommentare
 
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Häufigstes Schmerzmittel

"Phenylbutazon wird oft bei Rennpferden eingesetzt."

Nicht nur. Phenylbutazon ist das am häufigsten verschriebene NSAID in der Pferdemedizin. Jedes Pferd - auch Freizeit- bzw. Sportpferde - das schon einmal Schmerzmittel bekommen hat, hat unter Garantie schon mal Phenylbutazon (zusammen mit einem Magenschutz) bekommen.

rezeptpflichtige Lasagne

auch nicht schlecht

Re: rezeptpflichtige Lasagne

Welcher Gaul isst schon Lasagne? Phenylbutazon ist für Humanoide nicht zugelassen.

so wurde die Idee zum Skandal geboren...

Der Landwirtschaftskommissar besichtigt einen Vorzeige-Biobauernhof und lobt dabei die artgerechte Haltung der Tiere. Zum Abschied deutet er jedoch auf eine Weide und fragt den Biobauern: "Sagen Sie mir doch bitte: Warum hat diese arme Kuh denn keine Hörner?"

Darauf der Bauer: "Nun, es gibt mehrere Möglichkeiten, warum eine Kuh keine Hörner hat. Es kann sich beispielsweise um einen Geburtsfehler handeln. Oder die Kuh hat sich die Hörner abgestoßen. Es ist natürlich auch möglich, dass der Besitzer der Kuh die Hörner abgesägt hat, aber konkret in diesem speziellen Fall handelt es sich um ein Pferd!"

Hmmmmm.... denkt sich da der Biobauer.... der Rest ist bekannt. jaja unsere lieben Technokraten aus Brüssel.

Mehr Sorgen

macht mir der von Nestle bestochene Wasserkommissar...

Lachkrampf

Ich wiehere vor Lachen!!!!!!!!!

Endlich wieder ein Skandälchen, hahahahahaha!

Kauft osterreichischen Pferdeleberkäse

Wäu unsere Rösser san ned bled bittescheen!

Re: Kauft osterreichischen Pferdeleberkäse

Herst mir hod ana die Punktal vom Ö gstoin.

bei den fuhrwerkspferden aus rumänien werden wohl kaum medikamente für teure rennpferde die größte rolle spielen.

es ist sehr traurig, daß man so etwas den höchstbezahlten besten aller besten in unserer topeliteneukommission extra sagen muß. aber diese topelitenfachtrotteln glauben ja immer noch daß es keinen unterschied gibt zwischen wildtieren, haustieren, arbeitstieren und extra für die fleischgewinnung gehaltenen tieren.

Re: bei den fuhrwerkspferden aus rumänien werden wohl kaum medikamente für teure rennpferde die größte rolle spielen.

Es ist ein Irrglaube, dass Phenylbutazon nur bei Rennpferden eingesetzt würde. Jedes Freizeitpferd bei uns kriegt das.

Und was mit den ausgedienten Pferden passiert, weiß ja keiner so genau. Ein Schlachter in Österreich wird sie nicht kaufen, wenn sie lt. Pferdepass nicht zur Schlachtung geeignet sind. Aber wenn man das Pferd im guten Glauben als "Beistellpferd" verschenkt und der Beschenkte das Pferd dann sonstwohin transportiert, wer weiß...

Re: bei den fuhrwerkspferden aus rumänien werden wohl kaum medikamente für teure rennpferde die größte rolle spielen.

Egal was die anderen schreiben oder zugeben, viele bleiben weiter auf Rumänien fixiert. Es ist bedauerlich und lächerlich für den "korrekten" Westen.

nun also auch rewe.

ich geh davon aus daß comigel auch weiterhin ungestraft betrügen darf? konzerne dürfen das doch. das ist doch eu gebot.

Re: nun also auch rewe.

Nein, nicht Comigel sondern Spanghero. Ja, Konzerne wie Metro (Rewe, Real, Mediamarkt, Saturn ...)

Re: Re: nun also auch rewe.

spanghero auch.

aber comigel ist der koch und der hat augen, geruch und geschmack und weiß daher daß das kein rind ist das er da in die pfanne haut.

der hersteller ist verantwortlich für die qualität der rohstoffe die er einsetzt.
die kann ihm niemand nehmen.
kann sein daß er auch betrogen wird, aber davor muß er sich eben absichern bevor er ein produkt in seinem namen weitergibt.

Geiz ist Geil

Vermutlich werden die kranken und alten Sportpferde in den Südosten verkauft, dann werden sie auf "Pensionbetrieben" geschlachtet und als günstiges Fleisch zurück geliefert.
Bei uns ist ja alles soo teuer.
Mich wundert schon lange wohin die alten Freizeitpferde verkauft werden.

Re: Geiz ist Geil

Die werden normalerweise gar nicht verkauft, weil sie keiner kaufen würde. Ein altes Freizeitpferd erhält entweder einen Gnadenhofplatz oder es wird eingeschläfert und dann von der TKV abgeholt.
Im Pferdepass steht drin, ob das Pferd für die Schlachtung bestimmt ist oder nicht. Der Pferdehalter kann das frei entscheiden. Ist es das nicht, wird einem kein Schlachter das Pferd abkaufen (eben wegen bestimmter Medikamente). Ein Pferd, das zur Schlachtung bestimmt ist, darf aber im Krankheitsfall mit gewissen Medikamenten nicht behandelt werden.

Was aber passiert, wenn ein altes Freizeitpferd als "Beistellpferd" vermittelt wird, weiß natürlich niemand.

Re: Geiz ist Geil

Mediamarkt, Rewe, Real und viele andere gehören dem Geiz-ist-Geil-Konzern-Metro AG

Ich werde das Gefühl nicht los, dass dies eine Story auf Abruf war

um irgendetwas unbemerkt im Hintergrund laufen zu lassen. Ist mir zuviel Geschrei für für einen Riesenskandal mit genau null Toten. Was sollen wir nicht erfahren?
Ich kenne Gaunerbande.

Rezept für Lasagne ...

... hat nach der Menge des enthaltenen Arzneiwirkstoffes jetzt eine ganz neue Bedeutung.
Fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker oder Fleischhacker.

Das wird gefährlich

Stellen Sie sich vor Sie geraten in einer der neuen Haarkontrollen der Polizei. Haben Sie Drogen konsumiert ? Na Lasagne.

'Die Sache hat nichts mit Gesundheitsschädigung zu tun, sondern ist nur ein Kriminalfall (falsch deklariert)'!

wer hat das nochmal bis vor kurzem hinausposaunt? Und warum nochmal habe ich das keine Sekunde geglaubt?

Die von der EU verordneten Quecksilberlampen sind

auch nicht gerade gesund.

selber kochen,

beim bauern des vertrauens kaufen und konzerne meiden.
alles billige bringt uns oder unsere jobs um.

Re: selber kochen,

Nichts kaufen, wofür Werbung gemacht wird!

Re: selber kochen,

beim Bauer oder im FACHGESCHÄFT (Fleischer, Bäcker ...)

Phenylbutazon ist für Menschen gesundheitsschädlich.

Es war aber Jahrzehnte lang als Arzneimittel zugelassen. Natürlich darf das in einem Lebensmittel nicht drinnen sein und ist entsprechend zu ahnden. Aber der Nachweis einer Verunreinigung bedeutet nicht, dass es automatisch gesundheitsschädlich ist.

 
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