Paralympics-Star unter Mordverdacht

14.02.2013 | 18:23 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Der Prothesenläufer, 26, wird verdächtigt, seine Freundin mit vier Kopfschüssen in seiner Villa ermordet zu haben. Er beteuert jedoch, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben.

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Pretoria/Wien. Als in der Nacht auf Donnerstag um drei Uhr früh fünf Schüsse fallen, herrscht Aufregung in einer noblen Wohnsiedlung. Kriminalität ist die größte Plage in Südafrika, auch in Pretoria. Doch hier in Silver Lakes, einer von fünf Meter hohen Zäunen und eigenem Sicherheitsdienst abgesicherten Anlage, gilt Gewalt als Fremdwort. Doch vor der Villa von Paralympics-Star Oscar Pistorius flackert Blaulicht, Polizeiautos und ein Leichenwagen stehen in der Zufahrt.

Als Pistorius, dem wegen eines Gendefekts beide Wadenbeine fehlen, abgeführt wird, sickern an diesem Valentinstag schockierende Details durch. Der 26-Jährige soll seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, erschossen haben. Die Nachbarn glauben sofort an einen Unfall. Der Star habe sie mit einem Dieb verwechselt.

 

Rätsel der fünf Schüsse

Wenige Stunden später verhängt die Staatsanwaltschaft Pretoria jedoch Untersuchungshaft über den Sporthelden. Vier Kopfschüsse, eine Schusswunde im Oberkörper, die am Tatort gefundene Pistole und die Tatsache, dass es keine Einbruchsspuren gibt, waren für die Ermittler Anlass genug. Laut Polizeiangaben wurden zuletzt auch Vorfälle wegen häuslicher Gewalt gemeldet.

Pistorius stritt die Vorwürfe bei der vierstündigen Einvernahme ab. Er stand unter Schock und beteuerte unentwegt gegenüber den Beamten die Version, sie tatsächlich verwechselt zu haben. Warum er so oft – und so gezielt – geschossen hat, muss noch geklärt werden. Der Tod der blonden Juristin aus Kapstadt, die sich als Model, Cover-Girl und TV-Star vermarktet hat, lässt somit viele Fragen offen.

Von einer Beziehungskrise oder Trennungsabsichten war nichts bekannt, im Gegenteil: Das Opfer hat Pistorius zuletzt in der südafrikanischen „Sunday Times“ als „tadellosen Mann“ beschrieben. Seit einem Jahr waren sie ein Paar, die Hochzeit des Glamourpaares schien für Society-Reporter nur eine Frage der Zeit zu sein.

Die Vorwürfe klingen auch unvorstellbar für diejenigen, die den Südafrikaner bei Sportveranstaltungen kennengelernt haben. „Die Presse“ traf den 400-Meter-Spezialisten 2012 bei einem Meeting in Ostrau und im August bei Olympia in London. Pistorius schrieb dort Geschichte als erster beidseitig beinamputierter Sportler bei Sommerspielen. Er war nahbar, sprach offen über sein Leben mit Prothesen, Diskriminierung, Ziele, Kämpfe und Medaillen. Von Aggressivität war bei dem ob seiner Karbonprothesen „Blade Runner“ genannten Sportler nichts zu bemerken.

Polizeisprecherin Denise Beukes zeichnet nun jedoch ein anderes Bild. „Es gibt Zeugen, die wir bereits angehört haben. Nachbarn und Anrainern berichten über lautstarke Auseinandersetzungen vor den Schüssen. Wir erhielten kurz nach drei Uhr früh einen Notruf, und er kam nicht von Herrn Pistorius. Die Story mit dem Akt aus Notwehr ist nicht von uns.“

Daher sprach sich die Staatsanwaltschaft vorerst gegen eine Freilassung auf Kaution aus. Pistorius wird heute dem Haftrichter in Johannesburg vorgeführt. Er muss entscheiden, ob gegen den 26-jährigen Sportler Mordanklage erhoben wird.

Die Angst vor Verbrechen ist in Südafrika extrem hoch. Oft werden bei Einbrüchen nicht nur Wertgegenstände gestohlen, sondern die Einwohner misshandelt oder getötet. Schusswaffen gehören zum Alltag und in manchen Lokalen Johannesburgs oder Kapstadts sind sie wie simple Kleidungsstücke an der Garderobe abzugeben. Pistorius gab im Vorjahr offen zu, eine Waffe zu besitzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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22 Kommentare
1 0

Sehr übertrieben

"Waffen werden bei der Garderobe abgegeben "
Ich lebe in Johannesburg und sowas wäre mir absolut noch nie aufgefallen und ich gehe sehr oft in Restaurants essen.

1 0

So einen Blödsinn habe ich noch nie...


Beim Prozess

wird er hoffentlich nicht als behindert gelten.

0 0

Re: Beim Prozess

Sollte es absichtlich geschehen sein, so war er auf jeden Fall behindert.

Ich hoffe jetzt nur im Sinne der Angehörigen des Opfers,

dass er beim Prozess von der Verteidigung nicht als Behinderter im Ausnahmezustand dasgestellt wird.
Jemand viermal in den Kopf zu treffen heißt, dass der Abstand zwischen Schützen und Opfer sehr gering sein mußte. Da sollte man die Freundin von einem Einbrecher schon unterscheiden können.

Weibliches Opfer

Und wieder wurde ein Frau Opfer männlicher Gewalt.

Auch wenn die Tat an sich unfassbar ist,

kann man sich doch vorstellen, dass auch ein weltbekannter Mensch in seiner Situation gelegentlich Momente großer Verzweiflung hat. Damit soll die Tat nicht entschuldigt werden, aber dass Menschen mit speziellen Handicaps immer über allem stehen, ist eine Illusion.

Eigentlich müsste der "Angreifer"

nach dem ersten Kopfschuss am Boden liegen.

Und dann gabs noch drei Kopfschüsse hinten nach??

8 0

Re: Eigentlich müsste der "Angreifer"

Stimmt so nicht ganz. Beispielsweise lernt man, dass man immer eine Dublette abgeben soll, da die Möglichkeit besteht, dass Gegner/Opfer nach dem ersten Treffer noch kurz handlungsfähig sein können.

Re: Re: Eigentlich müsste der "Angreifer"

wo bekommt man eine so gründliche ausbildung? ich hoffe, sie stehen auf der seite der guten!

Re: Re: Re: Eigentlich müsste der "Angreifer"

Jeder der nicht den Wehrdienst verweigert hat weiß das.

Ich hab den nie gemocht.

Der hat sauteure Spezialprothesen aus Kohlefaser-Verbundsstoffen. Ein unfairer Vorteil gegenüber allen anderen Läufern. Trotzdem wurde er zugelassen, weil das Gutmenschentum auch andernorts regiert.

Und jetzt fällt wieder ein Gutmenschen-Stern.

8 1

Na, das hat sich ausgezahlt. Einmal seine cholerischen Anfälle nicht im Griff haben = 15 Jahre Nachdenkzeit.


zurück zum eigentlichen thema:

ich fand es immer schon bizarr, die gleichstellung von behinderten gerade im sport so zu pushen. getrennte veranstaltungen wären diskriminierend ... sollte man vielleicht rollstuhlfahrer zusammen mit gehern zum hindernisrennen zulassen ... übrigens: sind hebebühnen in zügen diskriminierend? die welt steht langsam komplett am kopf!

5 0

Re: zurück zum eigentlichen thema:

Sie sprechen ein wichtiges Thema an.

Ich bin absolut dafür, dass wir auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen so gut als möglich integrieren sollen. Aber wir tun weder uns noch diesen Personen Gutes, wenn wir versuchen alles gleich zu schalten.

Aus meiner Sicht ist es nun mal so, dass verschiedene Personen, verschiedene Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten haben.

Anstatt normal damit umzugehen, verfallen wir in eine vertrottelte Haltung, alles muss gleich sein.

Hoffentlich müssen Männer künftig Babys bekommen und Frauen Babys zeugen, alles im Sinne der Gleichheit.

Liebe Amis

denkt mal scharf nach über euer doooooofes Verhältnis zu Waffen. Wer damit nicht umgehen kann, soll die Finger davon lassen.
Das muss mal gesagt werden, bevor die ganze Welt vergiftet wird.

Re: Liebe Amis

gut, Sie haben es gesagt.
Und jetzt husch wieder zurück in den Geografieunterricht!

Re: Liebe Amis

Herr Obama erobert scheinbar Pretoria zum Wohle der amerikanischen Bürger !

Und sowas nennt sich Friedensnobelpreisträger, pfui !

Re: Liebe Amis <- muhahah

Weflex-Waffengegener ohne Nachenken ?
Wo liegt Pretoria noch mal schnell ?

Re: Re: Liebe Amis <- muhahah

Danke!
Der Schuss ging nach hinten los...

6 3

so glaubhaft wie strassers geheimdienst


Oscar Pistolius?


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