Ägypten: „Ein Schweinestall ist humaner“

26.04.2013 | 18:27 |  von HELMAR DUMBS (Die Presse)

135 Gefangene in einer Zelle, Fäkalien auf dem Boden: Der Fall eines in Kairo inhaftierten Österreichers wirft ein Schlaglicht auf die Haftbedingungen am Nil.

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Wien/Kairo. Elf Monate. So lange hatte Lisa Führinger ihren Mann Hannes nicht gesehen. Elf lange Monate, die der Österreicher im Tora-Gefängnis am Stadtrand von Kairo zubringen musste, in einer Massenzelle mit 60 Mitgefangenen und mehr. Dort vegetierte er quasi seit Ende 2011, seit er am Flughafen Kairo verhaftet wurde, weil er im Rahmen des ersten großen Auftrags seiner eigenen Sicherheitsfirma, einen Schiffstransport zu schützen, vier Gewehre eingeführt hatte. Deklariert.

Nach einem Prozess, der mit seinen Pannen und Vertagungen nach Kafka klingt, mit einem Staatsanwalt, der sagte, „Der Teufel hat es ihm eingegeben, aber Allah hat es vereitelt“, und einem Belastungszeugen, der zugab, alles nur aus zweiter Hand zu wissen, wurde Hannes Führinger am 25. März wegen Waffenschmuggels zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Doch es kam noch schlimmer. Dieser Tage hatte Lisa Führinger endlich wieder die Möglichkeit nach Kairo zu fliegen und ihren Mann zu besuchen. Bei den ersten beiden Visiten vergangene Woche war noch alles normal, soweit man von Normalität sprechen kann. Doch beim dritten Mal war Hannes Führinger plötzlich nicht mehr da. Verlegt in ein anderes Gefängnis, wie man ihr mitteilte. Und plötzlich erschienen die schwierigen Haftbedingungen im Tora-Gefängnis als das kleinere Übel: „Sie werden behandelt wie Tiere“, erzählt eine hörbar erschütterte Lisa Führinger der „Presse“ nach ihrer Rückkehr aus Kairo: „135 Menschen in einer Massenzelle, so wenig Platz, dass er sitzend schlafen muss, überall auf dem Boden Fäkalien.“ Hannes Führinger und sein deutscher Kompagnon, der zu zwei Jahren verurteilt wurde, sind die einzigen Ausländer. Der Rest: vor allem Einheimische, vor allem Schwerverbrecher. Niemand, der nur ein Wort Englisch spräche.

 

Enorme psychische Belastung

„Ich habe meinen Mann noch nie so erlebt“, sagt Frau Führinger: „Er hatte Fieber, und er hat wieder abgenommen. In einem Schweinestall wären die Bedingungen humaner.“ Die psychische Belastung ist mittlerweile enorm, für beide.

In der neuen „Zelle“, ist nicht einmal Platz für die meisten Habseligkeiten von Hannes Führinger. Zwei Taschen voll hat er seiner Frau mitgegeben. Dafür hat die Gefängnisleitung die Hälfte der mitgebrachten Lebensmittel nicht durchgelassen.

Zurück in Wien bleibt Lisa Führinger nur die Hoffnung, dass die Botschaft durch massiven Druck eine Verbesserung der Haftbedingungen erreicht, oder gar die Verlegung in ein „besseres“ Gefängnis. Und sie setzt nun neben der Diplomatie auch auf die Politik: „Bisher hieß es, in ein laufendes Verfahren können wir uns nicht einmischen. Doch jetzt ist er ja verurteilt und nicht mehr in U-Haft“, appelliert sie an die Regierung, sich einzuschalten.

Doch Hannes Führinger will kämpfen. Er will in Berufung gehen. Sein ägyptischer Anwalt bereitet den Einspruch vor. Erfahrungsgemäß kann es aber neun Monate dauern, bis das Gericht überhaupt entscheidet, eine Revision zuzulassen. Und dann geht alles wieder von vorn los.

 

Lebensmittelpakete

Von Österreich aus ihrem Mann zu helfen, in Ägypten seine Verteidigung zu organisieren, wäre schon schwierig genug, wenn das Justizwesen am Nil einigermaßen transparent wäre. „Es ist aber nicht möglich, verbindliche Informationen zu bekommen“, klagt Lisa Führinger. Egal, ob es sich um die Modalitäten des Gefangenenbesuchs, Verfahrensregeln oder Zuständigkeiten handelt: Immer wieder wurde sie im Kreis geschickt, immer wieder erwiesen sich Informationen schlicht als falsch, immer wieder zeigte sich, dass auch eine Genehmigung wenig bringt, wenn der Beamte im Gefängnis sie nicht anerkennt.

Und so kann Lisa Führinger vorerst nur weiter Lebensmittelpakete nach Kairo schicken. Und hoffen, dass ihr Mann zumindest einen Teil davon erhält.

Auf einen Blick

Hannes Führinger (33) wurde im November 2011 auf dem Flughafen Kairo verhaftet. Der Burgenländer hatte den Auftrag, einen Schiffstransport zu schützen und zu diesem Zweck vier Mosin-Nagant-Gewehre samt Munition im Gepäck, beides deklariert. Im März 2013 wurde er wegen Waffenhandels zu sieben Jahren Haft verurteilt. Über die Facebook-Seite „Freedom for Hannes Führinger“ versucht seine Frau, auf den Fall aufmerksam zu machen. Dort ersucht sie auch um finanzielle Unterstützung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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53 Kommentare
 
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Der...

Grossteil der Kriminellen in Libyen, Tunesien, Marokko oder Ägypten, die während den Unruhen aus den Gefängnissen flohen, sind ohnehin in Europa und geniessen unter dem Asylrecht die Sozialleistungen, die der europäische Bürger mit seinen erarbeiteten Steuergeldern finanziert.

Genau!

"keinen fuss mehr in dieses steinzeitland zu setzen. auch nicht als tourist"
Als Tourist sollte man sämtliche rassistischen und frauenfeindlichen muslimischen Länder meiden. Andere schönere Länder mit freundlicheren Bevölkerungen sind dringender auf Devisen angewiesen.

tut mir echt leid..

die situation des mannes. die konsequenz aus derlei vorfällen kann nur sein, keinen fuss mehr in dieses steinzeitland zu setzen. auch nicht als tourist. solche bescheuerten regimes muss man nicht auch noch mit geld unterstützen.

Re: tut mir echt leid..

Ich bin ganz ihrer Meinung, Willkür sollte man nicht unterstützen...

Re: tut mir echt leid..

Wenn sie auf reisen gehen,haben sie dann auch immer einige armeewaffen im gepaeck? Und ich denke wenn sie vier scharfschuetzengewehre einfuehren wollen, und die genehmigung dafuer ist gefaelscht, werden's groessere schwierigkeiten bekommen. Egal welches land sie betreten. Ergo gibt's auf dieser erde nur "steinzeitlaender".

die Behandlung klingt genauso wie die Figuren aus der Votivkirche sie geschildert haben

die Unterbringung in Österreich ist einfach unzumutbar ... ganz anders als in den zivilisierten arabischen Ländern

Re: die Behandlung klingt genauso wie die Figuren aus der Votivkirche sie geschildert haben

Nicht alles was hinkt,ist ein vergleich.

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Als Österreicher

sollte man da ganz klarvorgehen, nämlich in ein solches Land nicht reisen - nicht als Geschäftsmann und nicht als Tourist. Und das BMEIA sollte eine entsprechende Reisewarnung herausgeben.

Re: Als Österreicher

Der versuch, scharfschuetzengewehre mit gefaelschten dokumenten in einen staat einfuehren zu wollen, kann probleme mit sich bringen. Ich denke,dass solte jeden halbwegs intelligenten menschen bewusst sein.

"Ein Staatsanwalt, der sagte, „Der Teufel hat es ihm eingegeben, aber Allah hat es vereitelt“

Jeder soll zum Beten hingehen wo er will, in eine Kirsche, in einen Tempel, in eine Moschee.
Die rechtssprechung hat dort aber nichts verloren!

Ich muß immer wieder sagen: Der erste und wichtigste Schritt zur Integrierung von Mu*slimen hier, ist deren bedingungslose Bejahung der Grundgesetze.
Das haben unsere Politiker, allen voran der Spitzen-Verharmloset unser HBP noch nie eingefordert.
Ja zur freien Religionsausübung!
Ein klares Nein zur Scha*ria!


Re: "Ein Staatsanwalt, der sagte, „Der Teufel hat es ihm eingegeben, aber Allah hat es vereitelt“

Ich verstehe nicht genau was Sie uns sagen wollen. Inwiefern geht es bei der Sache um Integration von Muslimen in Österreich?

Im Übrigen bin ich natürlich der Meinung daß der österreichische Staat versuchen sollte (sofern er es nicht sowieso tut) dem Mann zu helfen. Nicht weil Österreicher was Besseres sind sondern weil imho der Staat die Verantwortung hat seine Staatsbürger vor der Verletzung ihrer Menschenrechte und Menschenwürde zu schützen. Soll man ihn halt in Österreich einsperren.

Re: "Ein Staatsanwalt, der sagte, „Der Teufel hat es ihm eingegeben, aber Allah hat es vereitelt“

Koennen sie sich die reaktion der oesterreichischen behoerden vorstellen, wenn ein aegypter versucht, mit gefaelschten dokumenten vier scharfschuetzengewehre nach oesterreich einzufuehren? Ich denke, da wuerden sie sicher nicht die religionszugehoerigkeit der handelnden oesterreichischen beamten als ursache sehen.Oder?

5 0

Re: "Ein Staatsanwalt, der sagte, „Der Teufel hat es ihm eingegeben, aber Allah hat es vereitelt“

Bei uns.

Selbst schuld....

wer in solche Länder überhaupt reist. Bleibt daheim oder von mir aus in der EU, aber fahrt doch nicht in diese dritte Welt Länder..... Schon gar nicht mit Waffen im Gepäck.

Re: Selbst schuld....

wer mit Waffen im Gepäck reist ist selber schuld.

14 1

Was tut eigentlich

unsere Botschaft in Kairo? Es würde doch sicher einige Druckmittel geben um eine Begnadigung zu erwirken.

Re: Was tut eigentlich

Warum sollte man den oesterreicher (der hatte ja versucht, mit einer gefaelschten genehmigung die waffen einzufuehren) begnadigen, wenn der deutsche zu zwei jahren und die zwei einheimischen komplizen zu sieben und zwei jahren verurteilt wurden?

Wo sind die österreichischen Behörden???

Ein Schweizer wäre schon seit Monaten frei!

Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

"Ein Schweizer wäre schon seit Monaten frei!"
Stimmt! Allerdings nur, wenn es sich um einen Schweizer mit muslimischen Migrationshintergrund handelt.

Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Na sicher! Die schweizer behoerden wuerden fuer einen eidgenossen,welcher mit gefaelschter genehmigung versucht, mit vier scharfschuetzengewehren in eine krisenregion einzureisen, und deswegen mit seinen komplizen (zwei einheimische, ein deutscher) von einem gericht verurteilt wird, alle diplomatischen druckmittel einsetzen. Glauben's das wirklich?

10 0

Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Weiters: Das Problem ist nicht der Schuldspruch an sich, sondern das offenbar komplett intransparnte Verfahren, in dem keiner so genau wissen dürfte welche Rechte man denn nun eigentlich hat und was ausschlaggebend ist und war.

So wie sich die Geschichte liest, erinnert es mich an ein gewisses Werk Kafkas..

Re: Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Die in dieser causa verurteilten aegypter hatten auch kein anderes verfahren. Und wenn ein oesterreicher im ausland kriminelle handlungen setzt, dann muss er sich eben mit dem dort ueblichen verfahrensablauf abfinden. Doch sie duerften zu jenen personen gehoeren, fuer die oesterreicher so eine art "herrenmenschen" sind. Und wenn ein auslaendisches gericht einen oesterreicher verurteilt, dann war das verfahren mangelhaft, intransparent usw. Denn ein oesterreicher ist sicher unschuldig.

2 0

Re: Re: Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Warum sollten Österreichische Behörden auch die Interessen von Ägyptischen Staatsbürgern vertreten? Dafür sind wir eben nicht zuständig, es wäre im Gegenteil eine Anmaßung. Sich um die Landsleute zu kümmern, wenn diesen möglicherweise Unrecht wiederfahren ist, ist nicht nur erlaubt, sondern auch geboten.

Man schaut nunmal eher nach Seinesgleichen, wenn Sie mir daraus einen Strick drehen wollen, sind eher Sie für mich der Heuchler.. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich der Meinung bin, dass diese Anderen weniger Wert sind.

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Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Interessant. In allen bisherigen Artikeln war davon die Rede, dass die Papiere nicht gefälscht waren, bzw die beiden von korrupten Beamten offensichtlich betrogen wurden.

Hab ich etwas verpasst, dass diese Version nicht mehr anerkannt ist?

Re: Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Entweder sie haben die berichterstattung zu diesem fall nicht verfolgt (dann frage ich mich, warum sie hier den wissenden geben?), oder ihr gedaechnis ist nicht das beste. Davon, dass bezueglich der waffen die einzigen nicht gefaelschten dokumente, die frachtpapiere der lufthansa waren, wurde in den medien (hier am 04/04) berichtet. Und fuer den auftrag eines sicherheitsunternehmens, einen tanker zu schuetzen, konnte der burgenlaender auch keine beweise vorlegen. Da ist nicht einmal der name des schiffes bekannt.

Re: Re: Re: Re: Wo sind die österreichischen Behörden???

Ich frage mich, woher Sie Ihre Informationen haben, denn davon stimmt sogut wie nichts. Sie können mir aber gerne eine Nachricht über die Seite meines Mannes auf Facebook (Freedom for Hannes Führinger) zukommen lassen und ich kläre sie detailiert über die Wahrheit auf. Normalerweise reagiere ich auf div. Leserkommentare nicht, da aber die Proteste unserer Freunde wg Ihren Äusserungen immer lauter werden, bin ich sehe gerne bereit Licht ins Dunkel zu bringen. Ich gehe davon aus, dass Sie einen Teil Ihrer Informationen aus ägyptischen Medien haben, denn in Österreich war nie davon die Rede, dass das Schiff nicht existiert (wobei ich fairerweise auch zugeben muss, dass ich es aus Zeitgründen nicht geschafft habe jeden einzelnen Artikel über meinen Mann zu lesen). In diesem Sinne, sehen Sie das als Einladung zu einem Dialog - freundliche Grüße, Lisa Führinger

 
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