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Infektionen: Wenn das Spital "ungesund" ist

Spitalsinfektionen: Wenn das Spital "ungesund" ist
Symbolbild / Bild: Reuters 

In Europa erkranken jedes Jahr etwa 4,1 Millionen Menschen an Infektionen, die sie sich im Krankenhaus einfangen. Rund 37.000 Patienten pro Jahr sterben daran.

 (DiePresse.com)

Ansteckungen mit sogenannten Krankenhauskeimen oder nosokomiale Infektionen stellen europaweit ein Problem und Risiko bei einem Spitalsaufenthalt dar. Darauf wies am Dienstag die Initiative "Sicherheit im OP" aus Anlass des zu Ende gegangenen Europäischen Infektionskongresses ECCMID 2013 hin. An dem Kongress nahmen rund 10.000 Experten teil.

Eine Vielzahl von in Berlin präsentierten Studien beschäftigte sich mit der Häufigkeit, Prävention und Behandlung von nosokomialen Infektionen im Allgemeinen und postoperativen Wundinfektionen. Laut einem aktuellen Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC/Stockholm) erkranken in Europa jedes Jahr etwa 4,1 Millionen Menschen an Infektionen, die sie im Krankenhaus erwerben. Rund 37.000 Patienten pro Jahr sterben daran. Der Anteil operationsbezogener Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) macht mit 17 Prozent einen erheblichen Teil der nosokomialen Infektionen aus.

Für ein Drittel endet es tödlich

Eine in Berlin präsentierte Analyse wertete Daten von 3394 Patienten in 20 Krankenhäusern in Großbritannien, den USA, Deutschland und Spanien aus, die an einer Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus erkrankten. 40,7 Prozent der bakteriellen Infektionen waren im Krankenhaus erworben, also als nosokomial einzustufen. Fast ein Drittel der Betroffenen, 28,3 Prozent, starben innerhalb von 90 Tagen. Hinsichtlich der Mortalität beobachteten die Experten erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Krankenhäusern.

Die Zahl von operationsbezogenen Infektionen wird möglicherweise unterschätzt, weil ein nicht unerheblicher Teil erst nach der Spitalsentlassung auftritt, zeigt eine in Berlin vorgestellte niederländische Studie. Ein Maastrichter Forscherteam hatte 1.719 gefäßchirurgische Eingriffe auf SSI untersucht. Insgesamt erlitten acht Prozent der Patienten eine postoperative Wundinfektion, 39 Prozent davon wurden erst nach der Spitalsentlassung diagnostiziert. "Infektionsüberwachung nach der Entlassung von chirurgischen Patienten ist essenziell für eine zuverlässige Einschätzung der SSI-Rate", so die Wissenschaftler.

Mehr Frauen als Männer betroffen

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Risiko, eine postoperative Wundinfektion zu erleiden, zeigte eine beim ECCMID präsentierte Leipziger Studie auf. Untersucht wurden insgesamt 1230 insulinpflichtige Diabetiker, die sich einer Bypassoperation unterzogen. 6,9 Prozent der Frauen litten nach dem Eingriff unter einer operationsbezogenen Wundinfektion, bei den Männern waren es nur 4,1 Prozent.

Höheres Alter wird häufig mit einem höheren Risiko assoziiert, an einer postoperativen Wundinfektion zu erkranken. Dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss, sondern von der Art der Operation abhängt, zeigt eine Berliner Studie. Analysiert wurden mehr als 120.000 Hüft- und fast 89.000 Knie-Prothesenoperationen, bei denen in 0,9 bzw. 0,8 Prozent der Fälle SSI auftraten, während bei Hüfteingriffen Menschen über 50 Jahren einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt waren, mit dem höchsten Risiko bei Menschen über 85 ging bei Knieoperationen das Infektionsrisiko mit dem Alter zurück.

(APA)

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30 Kommentare
 
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Antibakterielle Mittel für

den Hausgebrauch gehören verboten. Wenn ich schon "antibakterielles Waschmittel" höre!

Re: Antibakterielle Mittel für

Ich bin fürs individuelle Bemühen und gegen das allgemeine Verbieten wo immer es geht.

Desinfektion und Umgang mit Mikroorganismen

Da kann man jeden Mikrobiologen fragen: unser Umgang mit Bakterien ist horribel! Das betrifft auch (oder: gerade) Krankenhäuser. Desinfektion ist in allen Bereichen üblich, obwohl dabei Alle Bakterien (also auch die lebenswichtigen) beseitigt werden. Was danach kommt ist klar: pathogene Keime (Schimmel und Fäulnis) oder noch schlimmer: resistente Keime.
Ein Mensch ist eigentlich kein Einzelindividuum, wenn man bedenkt, das durchschnittlich auf eine Körperzelle 10 Mikroorganismen kommen - diese Tatsache macht uns zu "Wirten". Da mit der Keule drauf zu hauen, ist halt echt nicht der richtige Weg und maht uns anfällig und schwach in der Abwehr. Es gibt gute Möglichkeiten, sich eine positive Besiedelung zuzulegen bzw. diese positiv (probiotisch) zu beeinflussen.
Antibiotika an allen Ecken und Enden machen die Sache nicht besser - speziell hier gibt es noch Nachholbedarf, denn "Omniflora" oder "Bioflorin", etc. sind Mikrobiologisch leider nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein und helfen nur bedingt zu einer vollständigen Besiedelung.

Re: Desinfektion und Umgang mit Mikroorganismen

Passen sie auf was sie sagen, ich habs gewagt zu sagen dass Antibiotikamissbrauch und folglich die Zucht von keimen schlimmer gefährlicher ist als besagte Hygienemängel die den kleinen Pfleger verantwortlich machen für alles was passiert in Folge von selbst geschaffenen Keimen denen wir nicht Herr werden. Die (durchaus gewollt)verängstigte Masse fern jedes Fachwissens bedankte sich mit hohlen anfeindungen, ich bin ganz bei ihnen, im vertretbaren Maß schadet "Dreck" nicht, was uns umbringt ist die desinfizierende Seife, das putzmittel welches alle Keime tötet und dies alles im unkontrollierten, undurchdachten Einsatz, noch dazu zunehmend im Privathaushalt. Dann kommt ein Kind aus sterilem Elternhaus welches nie bis zum hals im Dreck gesteckt hat in die Umwelt und wird vom ersten Wald und Wiesenkeim todkrank. Dass wir in diversen Bereichen wie im Gesundheitsbereich, der Nahrungsmittelindustrie Fehler gemacht haben und Keime produziert haben gegen die wir nicht ankommen sollte uns zu denken geben.

Es sterben viel mehr Menschen an Krankenhauskeimen


Laut einem Bereicht von n-tv sterben alleine in Deutschland pro Jahr 40.000 Patienten im Krankenhaus an diesen Keimen.

http://www.n-tv.de/wissen/Eine-immer-groessere-Gefahr-article10213176.html

Wenn man davon ausgeht, dass in den anderen Ländern der EU ähnliche Verhältnisse herrschen, wie in Deutschland, dann ist von ca 200.000 Toten pro Jahr in der EU auszugehen.

Das sind ungefäht so viele, wie im Straßenverkehr jährlich ums Leben kommen.

Wo bleiben die Gesetze und die Strafen, wo die großartigen Initiativen ?

....Keime werden Resistenter

...durch zu viel Antibiotika medikation
...durch Futterbeimischung bei Mastvieh

Ist es nicht schön,dass bald unsere beste Waffe durch unsachgemäßen Einsatz verstumpft...

Infektionen: Wenn das Spital "ungesund" ist.....

....denkt doch einmal nach, wenn die Spitäler alle Kranken so heilen würden, dass sie nicht mehr kommen müssten, WER würde dann zusperren können?

Re: Infektionen: Wenn das Spital "ungesund" ist.....

Hä? Wie soll denn das gehen, dass jeder Mensch, der einmal im Krankenhaus war, nie wieder kommen muss? Wie wollen Sie denn verhindern, dass sich jemand in 5 Jahren ein Bein bricht oder in 10 Jahren an Krebs erkrankt?

Monsanto wird es schon richten!


es ist

Sehr mutig Studien aus Großbritannien oder der Usa auf Österreich umzuwälzen, dafür sind deren Systeme deutlich zu schlecht. Dass in diesen Ländern ein Großteil der Patienten stirbt weil er zu lange auf Untersuchungen bzw op wartet oder gar zu alt ist um eine Therapie zu bekommen (gb) oder nicht über das Kleingeld verfügt sich ein gutes Spital leisten zu können (Usa) wird nie erwähnt. Im Vergleich zu diesen Ländern kann man sich in Österreich glücklich schätzen. Ein anderer Punkt sind Operationen bzw Therapien die gemacht werden bei alten oder schwer kranken Patienten, da sind Komplikationen wie Problemkeime vorprogrammiert und leider gehäuft aufgrund der schlechten Ausgangssituation.

Prinzipiell sollte einmal gefragt werden wo diese Keime ihren Ursprung haben und warum es immer mehr davon gibt, braucht jeder verkühlte Mensch Antibiotika, muss das Schnitzel aus der Massentierhaltung kommen und vor Medikamenten strotzen (hier haben 90% der bekannten Keime ihren Ursprung)?

Solange wir die Ursachen bzw zuchtstätten dieser Keime nicht stoppen werden immer neue auftreten und natürlich auch Menschen töten, Hygiene hin oder her wir können uns nicht hundertprozentig schützen.

zu dumm

dass Sie offensichtlich nicht einmal die Überschrift richtig verstanden haben! Hier geht es um mangelnde Hygiene im Spital! In Holland haben sie das Problem mit strengen Hygienevorschriften (samt Kameraüberwachung auf den Belegschaftsklos) in den Griff bekommen.Dort sterben fast keine Menschen mehr an Spitalskeimen! ich habe eine deutsche Filmdoku gesehen, wo die Mehrzahl der Ärzte und Pfleger männlichen Geschlechts ohne Händewaschen das Klo verlassen haben! Schätze bei uns ist das nicht anders!

Aber es ist ja natürlich viel einfacher, das Risiko und die Schuld wieder einmal an die Patienten weiterzureichen!

übrigens, selbst erlebt:

da gibt es Ärzte, die - im Krankenzimmer - ohne Handschuhe Wundversorgung (Nähte Entfernung z.b.) machen und dann ohne Desinfektion - zum nächsten Patienten weitergehen und ihm freundlich die Hand schütteln.

Re: übrigens, selbst erlebt:

Es ist nur Wurstigkeit!

Beispiel: im Kaufhaus putzt eine Verkäuferin ein Regal. Ohne die Handschuhe zu wechseln, fängt sie an, mir Wurst abzuschneiden. Sogar der Filialleiter pöbelt mich an, weil ich die Wurst nicht nehme.

Genau das gleiche ist mir zuvor im Spital mit Tupfermaterial passiert. Und die Oberärztin hat ihr Personal vor mir verteidigt. Wie sollte ich das beurteilen können

Re: Re: übrigens, selbst erlebt:

Und vor 30-40 Jahren hat sich der Fleischhauer seine Hände nur in der blutverschmierten Schürze abgewischt, von Waschen oder gar Einweghandschuhen überhaupt ganz zu schweigen. Ein Massensterben an Infektionen hat es aber trotzdem nicht gegeben... ;-)

Re: Re: übrigens, selbst erlebt:

Sowas Ähnliches hab ich letztens auch gesehen, bei einem Bäckereistandl. Da hat die Gute Handschuhe an, um das Gebäck herauszugeben und nimmt dann das Geld in die behandschuhten Hände. Da kann sie sich die Handschuhe dann gleich sparen.

Re: Re: Re: übrigens, selbst erlebt:

Man kann es im Hygienewahn auch übertreiben. Die Anzahl der Krankheitsfälle durch Übertragung von Keimen auf Backwaren, weil die Verkäuferin zuvor Geldscheine berührte, ist irgendwo bei Null anzusiedeln.

Re: Re: Re: Re: übrigens, selbst erlebt:

wie gesagt, dann kann sie sich die handschuhe gleich sparen...

Re: Re: Re: Re: Re: übrigens, selbst erlebt:

Für Wurst und Backwaren werden ohnehin meist Zangen verwendet. Handschuhe sind dort eher hinderlich und auch nicht sonderlich hygienisch.

hab selber erlebt und überlebt nach 6 wochen durch die hölle und zurück. die folgen sehe ich sogar bis heute. die wiener spitäler sind in sachen hygiene definitiv nicht die besten in der welt. was die patientenrechte betrifft, da ist österreich wie jene länder in afrika oder südamerika, und man muss froh sein, wenn man lebendig das spital verlassen konnte. schadenersatz? ja! eine wurstsemmel!!!


Re: hab selber erlebt und überlebt nach 6 wochen durch die hölle und zurück. die folgen sehe ich sogar bis heute. die wiener spitäler sind in sachen hygiene definitiv nicht die besten in der welt. was die patientenrechte betrifft, da ist österreich wie jene länder in afrika oder südamerika, und man muss froh sein, wenn man lebendig das spital verlassen konnte. schadenersatz? ja! eine wurstsemmel!!!

ich versteh ihren ärger, aber ihre vergleiche irritieren mich.
in afrika und südamerika werden sie wahrscheinlich nicht behandelt, weil das nächste spital zu weit weg ist oder keine medikamente vorhanden sind. in amerika ohne kreditkarte kaum behandlung. in england warten sie sich erst einmal den popo wund,...etc.
fehler wird es leider immer geben ( in der medizin, in der wirtschaft, in der politik,...dort wo menschen agieren.), aber die kritik so verallgemeinern, entspricht jammern auf hohem niveau.

Deutsche Untersuchungen belegen....


.....daß ein Großteil dieser Infektionen durch den Kostendruck und dadurch mangelnde Hygiene verursacht werden.

Re: Deutsche Untersuchungen belegen....

Wenn die Untersuchung diese Vorgabe hat, dann kommt es auch raus. Heutige Wissenschaft eben.

Mit der Vorgabe Korpsgeist oder Disziplinsache würde es auch funktionieren. Sogar Parteikram geht wissenschaftlich.

Na eh toll

und da regen sich immer noch Leute auf, dass bei ihrem Kind zu spät der Kaiserschnitt gemacht wurde (und dies daran gestorben sei), obwohl die Quote eh schon bei 50 % liegt, anstatt sie froh sind, dass es noch Ärzte gibt, die nicht gleich schnippeln.

Das ganze Kranken- und Haftungssystem sollte einmal dringend wissenschaftlich überarbeitet werden.

Wer mir ein "Minus" gibt, ist gegen Wissenschaftlichkeit.

Re: Na eh toll

zum 1.Absatz: ist zwar etwas kryptisch, was Sie da schreiben, aber dass sich jemand aufregt, dass ein Kaiserschnitt verzögert wurde und das Kind danach tot ist, kann ich nachvollziehen. Eine pauschale Begründung, dass man über solche Verzögerungen "froh" sein soll, weil 50% einen Kaiserschnitt haben vermischt, dass einerseits zu viele sich einen Kaiserschnitt wünschen und dass bei einer notwendigen Indikation eine Sectio natürlich trotzdem durchgeführt werden soll. Es geht hier ja nicht um eine Quotenregelung.
Zu Absatz 2: glauben Sie, daß dazu nichts passiert? Nur ist Ihre Formulierung so schwammig, dass eigentlich völlig unklar ist, was Sie sich hier vorstellen. Mit welcher Wissenschaft z.B. würden Sie denn konkret ein Haftungssystem "überarbeiten". Ökonomie, Medizin, Soziologie, Jura?
Zu Absatz 3: seien Sie mir nicht böse, aber wenn Sie so schwammige Vorstellungen haben, sollten Sie nicht für sich in Anspruch nehmen, dass jede Ablehnung Ihres Kommentars mit Wissenschaftlichkeitsfeindlichkeit gleichzusetzen ist. Weder nehme ich Ihnen ab, hier ein Konzept zu haben, noch ist sowas ein akzeptabler Anspruch für ein Diskussionsforum.

Re: Re: Na eh toll

Die österreichische Bussigesellschaft und die andauernde Händeschüttelei (auch Ärzte sind dabei unerbittlich) sind für viele ÜbertragungsFacetten verantwortlich. Allein die Holländer haben inzwischen aus diesem lebensgefährlichen Dilemma einen gangbaren Ausweg gefunden. Sie müssten für uns Vorbild sein!!!

Re: Re: Re: Na eh toll

Ja, gut, darüber kann man reden. Aber was hat das mit meiner Antwort an Michael zu tun???

 
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