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Hilfsaktion: Ein Leben im Müll

19.10.2004 | 00:00 |  VON ULRIKE WEISER (Die Presse)

Pedro Opeka gibt den Müllmenschen in Madagaskar ein Dach über den Kopf und ihre Würde zurück.

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Wien/Madagaskar. Es ist heiß, feucht und stinkt unglaublich. Trotzdem leben hier mitten im Müll Menschen. Sie hausen in Holzverschlägen, unter schiefen Plastikplanen und ernähren sich von dem, was die Laster abladen.

Die Mülldeponien Tanas, wie Madagaskars Hauptstadt Antanarivo genannt wird, sind Endstation für viele, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt gezogen sind. In der Regenzeit steht hier alles unter Wasser und zur Armut kommen Tuberkulose, Malaria und Hautkrankheiten. Besonders schlimm trifft es die Kinder: Sie werden zum Betteln, Müll sortieren oder auf den Strich geschickt. Ums Essen müssen sie sich mit den Hunden und Schweinen raufen.

"Insel der Jugend" wird Madagaskar, eines der ärmsten Länder der Welt, oft genannt: Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre. Und die Kinder und Jugendlichen sind es auch, die Pedro Opeka besonders am Herzen liegen. Seit 1989 lebt der Lazaristen-Priester, ein gebürtiger Slowene, in Argentinien aufgewachsen, auf Madagaskar. Er versucht den Ärmsten der Armen "zur Selbsthilfe zu helfen". Vielleicht weil Opeka gelernter Maurer ist, beginnt die Hilfe für ihn mit einem Dach über dem Kopf: Mit Einheimischen gründete Opeka die Vereinigung "Akamasoa" ("Gute Freunde").

Mit Spendengeldern bauen sie eine Siedlung - sie ist zeitweise die größte Baustelle auf Madagaskar - für und mit den Müllmenschen. Für ihr einfaches, aber stabiles Ziegelhaus zahlen die Familien monatlich einen bestimmten Betrag zurück und helfen auch beim Bau weiterer Häuser. Erst nach fünf Jahren geht das Gebäude in ihr Eigentum über.

"Würde statt Almosen" ist das Ziel dieses Systems, das auch soziale Verantwortung untereinander fördern will. Und weil vielen zum ersten Mal in ihrem Leben "etwas gehört", sinkt auch die Kriminalität. 300 Häuser (eines kostet 3620 €) wurden durch eine Kärntner Spenden-Aktion finanziert. Die Idee dazu stammte von Josef Kopeinig, langjähriger Freund Opekas und Leiter der Missionskanzlei in Klagenfurt. Inzwischen verfügt das Dorf neben Schulen und Werkstätten auch über ein Spital.

Kopeinig hofft, dass aus dem Kärnten-Dorf ein Österreich-Dorf wird: "250 Häuser mehr wären schön." Anfangs, erzählt Kopeinig, habe es Opeka nicht leicht gehabt: Die staatlichen Stellen, selbst "blind und taub für die Not der eigenen Leute", wären eifersüchtig gewesen. Den Steinbruch, der tausenden Müllmenschen ein Einkommen sichert, hätten "gute Freunde" besetzen müssen. Mittlerweile, sagt Kopeinig, habe sich das Verhältnis zu den Behörden gebessert. Am allermeisten freut ihn, dass das Projekt, das 24.000 Menschen unterstützt, auch ohne Missionare weiterlaufen wird: Weil es für die Madegassen mittlerweile "unser Projekt" ist.

Die Presse unterstützt das Projekt von Pedro Opeka. Der heutigen Zeitung liegt ein Erlagschein bei: KW: "Die Presse" Spendenaktion Hilfsprojekte in Madagaskar, Kontonummer: 90027770, BLZ: 60000

Für weitere Informationen: Josef Kopeinig, Tel: 04239-26-42

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