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Niederlande: "Organhandel" durch SMS-Voting

29.05.2007 | 11:16 |   (DiePresse.com)

Die neueste Idee der "Big Brother"-Erfinder Endemol: Das niederländische TV-Publikum soll über die Vergabe einer Spenderniere entscheiden.

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Menschen, die auf eine Organspende angewiesen sind, warten oft jahrelang auf ein passendes Spenderorgan. Diese Wartezeit ist für die Betroffenen zumeist ein wahrer Alptraum. Geht es nach dem Erfinder der "Big Brother"-Containershows Endemol und dem niederländischen TV-Sender BNN, dann soll der Alptraum am kommenden Freitag zumindest für einen Patienten zu Ende sein. Dann nämlich will der Privatsender zwischen 20.30 Uhr und 21.50 Uhr einem von drei Nierenkranken ein Spenderorgan zuschanzen. Welcher der drei Kandidaten die Niere erhalten wird, soll das Publikum vor den Fernsehgeräten per SMS entscheiden.

Kurzfilme stellen Kandidaten vor 

In "De Grote Donorshow", also der "großen Spendershow", stellt eine unheilbar an Krebs erkrankte 37-Jährige, die sich "Lisa" nennt, ihre Niere zur Verfügung. Erhalten soll sie einer von drei Kandidaten im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Diese werden im Rahmen der Sendung durch Kurzfilme, die ihren Alltag zeigen, vorgestellt. Wer der Glückliche sein wird, der sich der Transplantation unterziehen kann, darf der Zuschauer bei Bier und Knabberzeug im gemütlichen Fernsehsessel entscheiden.

Paul Beerkens, Direktor der niederländischen Organspende-Organisation, beurteilt die Sendung zwiespältig. Einerseits sei man "froh, dass durch Endemol die Schwierigkeiten, die wir haben, Spender zu finde, in die Öffentlichkeit kommen". Auf der anderen Seite gehe die Art und Weise der Vergabe bedenklich "in Richtung Organhandel". BNN-Vorsitzender Laurens Drillich erklärte, durch die "Spendershow" solle auf die schwierige Situation von Patienten, die auf ein Orgen warten, aufmerksam gemacht werden.

Regierungspartei will "Riegel vorschieben" 

Die Teilnehmer der Show hätten "eine viel höhere Wahrscheinlichkeit, eine Niere zu erhalten" als auf dem herkömmlichen Weg über die Warteliste einer Klinik. Mit der Sendung wolle man zudem dem BNN-Moderator Bart de Graff gedenken, der vor fünf Jahren an Nierenversagen gestorben ist. De Graff war einer der beliebtesten TV-Entertainers des Landes gewesen und selbst jahrelang vergeblich auf der Warteliste für eine Organspende gestanden.

Trotzdem steht die "Spendershow" unter heftiger Kritik. In dieser Woche soll sich das niederländische Parlament in einer Fragestunde mit der Sendung beschäftigen. Joop Atsma, Pressesprecher der christdemokratischen CDA von Premierminister Jan Peter Balkenende, forderte eine Aussprache von BNN und Endmol mit der Regierung. Atsma will bis Freitag "der ganzen Sache einen Riegel vorschieben". Die Zeit dafür könnte aber knapp werden. Eine Klage gegen die Austrahlung von "De Grote Donorshow" wurde in erster Instanz bereits abgewiesen. (Ag./Red.)

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8 Kommentare
Gast: stephan 30
31.05.2007 22:55
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Abartig

Kann man solch eine menschenverachtende Show in der Kategorie "Pervers" überhaupt noch mit Böserem toppen? Vielleicht mit einer Live-Hinrichtung etwa? Mein Gott wie tief sind wir gesunken. Welche Werte wollen wir unseren Kindern wirklich beibringen? Und dieses mal kommt der Schund nicht von jenseits des Atlantiks, nein, direkt aus unseren Reihen. Aus Wut werde ich nicht in Holland Urlaub machen und in nächster Zukunft auf niederländische Produkte verzichten.

Gast: österreicher
29.05.2007 19:00
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ich bin nicht immer...

heikel, was massenunterhaltung angeht, ich dreh halt nicht auf, und gut iss.
aber DAS reißt auch meine augen weit auf!
hier sind wir weit hinter der grenze!
österreicher

Gast: milka
29.05.2007 15:46
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menschenverachtend

Das ist doch echt nicht mehr normal. Samstag-Abend-Show, einige Schwerkranke betteln um die Gunst des Zusehers und der lebensrettenden SMS. Endemol hat wohl keine Ideen mehr (welch ein Wunder bei der Menge an Unterhaltungsshows). Das gehört mit allen möglichen Mitteln verboten!

AM
29.05.2007 13:30
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krank

oh mein Gott, Totkranke sollte man am besten noch ausnutzen um aus ihnen Geld zu machen bevor sie sterben.

free TV - Nein, Danke

Gast: Zuseher
29.05.2007 11:49
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wohin

Wohin soll das führen? Zuseher entscheiden über das Schicksal anderer, Zuseher entscheiden per sms über Leben und Tod von fremden? Ist der Weg noch weit bis dorthin? Ist dann unser Rechtssystem noch gültig? Ist es noch nötig? Vielleicht reicht wieder irgendwann ein Baum, wo der Schuldige einfach aufgehängt wird - schnell, per sms verurteilt, ohne Verhandlung!

Antworten Gast: Querkopf
29.05.2007 12:42
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Re: wohin

Gerade die, die nichts mehr leisten, als vor dem Fernseher immer fetter zu werden, die sollten noch viel weniger entscheidungen treffen dürfen, als mehr!
Oder wird der flimmerkistengeschädigte Bürger in Zukunft die Entscheidungsgewalt?

Antworten Antworten Gast: Sascha
30.05.2007 17:06
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Show ein Fake?

Wie sieht das Transplantationsgesetz in den Niederlanden aus? Darf da jeder nach bedarf an den Höchstbietenden eine Niere verkaufen, bzw. verlosen?
Ich habe da da meine Zweifel.
Ich wette man wird uns nach der Show mitteilen, dass alles ein Fake war.

Antworten Antworten Antworten Gast: sevenofnine
02.06.2007 20:46
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Sprachlos

Wie ich diesen Beitrag gelesen habe hat sich wieder einmal bestätigt, dass das Lebewesen Mensch, sein eigener Untergang ist !!! Denn solche Menschen sind dumm, die jenigen, die angerufen haben und die jenigen, die diese Show ausgestrahlt haben.

So etwas primitives und geschmackloses !!!

Ich kann nur sagen "lieber gott bitte vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun - getan haben"


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