Prostitution: Billiger Sex gleich hinter der Grenze

03.08.2007 | 18:39 |  IRENE ZÖCH (Die Presse)

Freier aus Österreich kurbeln das Sex-Geschäft im tschechischen Grenzraum an. Sie nutzen die Anonymität des Auslands, um ihre Fantasien auszuleben.

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Znaim. Kaum hat man die österreichische Grenze passiert, springen sie einen an, die grellen Werbeschilder. Spärlich bekleidete Frauenkörper buhlen an den Schildern entlang der E55 im Süden Tschechiens um männliche Kundschaft. „Moulin Rouge“, „Villa Rose“, „Café Bar Non-Stop“, „Club Scandaleux“. Manchmal ist es auch nur ein rote Rose, die den Weg weist. Den Weg ins nächste Bordell.

Kaum 100 Kilometer von Wien entfernt blüht in der tschechischen Grenzregion bei Znaim das Geschäft mit billigem Sex ab 20 Euro aufwärts. In der 35.000-Einwohner-Stadt, die trotzig über der Thaya thront, florieren knapp 40 als Pensionen, Clubs und Bars getarnte Bordelle und ein Straßenstrich – dank der Sextouristen aus Österreich. Die Bordell-Besitzer und Zuhälter haben sich längst auf ihre Klientel aus Österreich eingestellt. „Neue Mädchen eingetroffen“, preisen sie auf Deutsch ihre „Ware“ an. Mehr als 90 Prozent der Freier reisen aus dem Wiener Raum und den angrenzenden Bezirken aus Nieder- und Oberösterreich an – an Spitzentagen an die 300 Männer. Für schnellen, billigen Sex tauchen sie in die Anonymität des Auslands ein.

„Die meisten der Freier sind äußerst brave Familienväter, die oft ein emotionales und sexuelles Kommunikationsproblem haben“, meint Rainer König-Höllerwöger vom Wiener Institut für psychosoziale Fragen (IPS). Der Sexualforscher untersucht seit einem Jahr im Auftrag der Europäischen Union die Rotlichtszene im tschechischen Grenzgebiet und kennt das Milieu wie kein anderer. Mit der Bewilligung des EU-Projekts haben die Behörden zumindest indirekt zugegeben, ein Problem mit der wuchernden Prostitution zu haben, vielleicht auch mit Kinder- und Zwangsprostitution. Durch Schulungen sollen nun tschechische und österreichische Behörden vernetzt werden. Immerhin geht es um ein gemeinsames Problem – tschechisches Angebot und österreichische Nachfrage.


Auf den besonderen Kick aus

Ein zerbeulter Wagen mit Wiener Kennzeichen rollt an der offenen Tür der „Bar Merlot“ vorbei. Hinter einer Sonnenbrille versteckt, versucht der Mann einen Blick auf die angepriesenen Mädchen zu erhaschen. Krampfhaft will das Bordell den Anschein eines Heurigenlokals wecken. Ein alter Hit der Zillertaler Schürzenjäger dringt ins Freie. Der Mann fährt weiter. Heute war für ihn wohl nichts dabei.

Die Männer wären großteils auf den besonderen Kick aus, weiß König-Höllerwöger. „Sie wollen ihre Fantasien ausleben. Manche Freier wollen Sex ohne Kondom. Andere sind gewalttätig“, sagt er. Davon weiß auch Olga Sedláková von der Caritas Znaim zu berichten. Die junge Sozialarbeiterin führt seit vier Jahren gemeinsam mit drei weiteren Caritas-Mitarbeiterinnen einen Kampf gegen Windmühlen: Sie bieten Prostituierten in den Clubs und auf der Straße Unterstützung an. „Immer wieder berichten Frauen, dass sie von Freiern gefesselt, geschlagen, und manchmal mit Rasierklingen geschnitten werden“, erzählt sie.

Mehr als 400 Frauen aus der Ukraine, Rumänien, Bulgarien oder Moldawien arbeiten in den Znaimer Bordellen. Die wenigsten sind Tschechinnen. Die wenigsten sind freiwillig ausgerechnet nach Znaim gekommen. Und die wenigsten schaffen es, der Gewalt der Zuhälter zu entkommen. Will jemand aus dem Rotlicht-Milieu aussteigen, dann hilft Olga Sedláková. „Wir können nur unsere Hilfe anbieten. Die Frauen müssen aber von selbst kommen.“ Bei ihren Runden durch die Bordelle verteilt sie ihre Notrufnummer – gedruckt auf Spiegel, Schmink-Utensilien und Feuerzeuge, denn jeder Papierfolder erregt Aufmerksamkeit bei den Zuhältern.


Zwischen Sucht und Syphilis

Die mobile Klinik, die einmal alle drei Monate vor den Bordellen halt macht, hat großen Zulauf. Die wenigsten haben den perfekten Körper, wie die Werbeschilder entlang der E55 suggerieren. Viele der Prostituierten sind mit Syphilis infiziert, die meisten süchtig nach Drogen oder Alkohol – oder beidem. Aids sei noch nicht so verbreitet, erklärt Sedláková trocken.

Zwangsprostitution und Sex mit Minderjährigen für ein paar Euro, ja, das komme sicherlich vor, meinen sowohl König-Höllerwöger als auch Sedláková. „Aber von Mädchen aus der Ukraine etwa hören wir dann, dass es doch hier besser sei als zuhause“, meint die Caritas-Mitarbeiterin achselzuckend.

Lange Zeit hatten die Behörden weggeschaut. So konnte sich damals noch außerhalb der EU ein Paradies für Sextouristen und Pädophile entwickeln. Trotz einiger Anläufe gibt es kein Gesetz, das die Prostitution in Tschechien regelt.


Durchlässige Grenzen

Und was Anfang 2008 passieren könnte, wenn die Grenzkontrollen nach Tschechien wegfallen, das mag sich König-Höllerweger nicht ausmalen. Dann könnten die Werbeschilder, auf denen sich Frauen räkeln, vielleicht nicht mehr nur auf Tschechien beschränkt bleiben, sondern über die Grenze nach Österreich wandern.

WISSEN

In der tschechischen Grenzstadt Znaim (35.000 Einwohner) arbeiten rund 400 Prostituierte in knapp 40 Bordellen sowie auf dem Straßenstrich. Täglich machen sich zwischen 200 und 300 österreichische Sextouristen auf den Weg in die Region.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2007)

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26 Kommentare
 
12

Recycled news...

...

Gast: zeitreisender
27.08.2011 12:30
2

ist das Datum 2007 echt?

ist der artikel 2007 oder 2011 geschrieben?
was 2008 passieren könnte, ist heute geschichte. aber man kann die ja verdrängen.

Gast: martell89
27.08.2011 10:57
2

ein sammelsurium von klischees auf schülerzeitungsniveau

die präsentierten "fakten" passen hinten und vorne nicht zusammen und werden mit kruden behauptungen garniert, die prostituierten als mehr oder weniger versypht und als arme, gezwungene hascherln dargestellt. das geht wirklich weit an der realität vorbei, ebenso wie die freier als "familienväter" mit "kommunikationsproblemen" dargestellt werden. moralinsaure ergüsse der dümmsten art! wenn ein "familienvater" ausserehelichen sex haben will, wo geht er dann wohl hin? Mit seiner Arbeitskollegin, Schwägerin oder Nachbarin wäre das wohl auf Dauer problematisch, eine Geliebte kann oder will er sich nicht leisten, also geht er eben ins Bordell.Ich beneide die Gunstgewerblerinnen zwar nicht um so einen Job, aber die meisten machen ihn freiwillig, da sie keine Lust haben um wenig Geld als Kassenkraft zu arbeiten und weil sie meist nix gelernt haben. Horizontalgymnastik geht halt immer und lohnt sich finanziell.Bessere Recherche lohnte sich übrigens auch!

Nach Angebot und Nachfrage

wickelt sich dieses soziale Problem ab. Solange die eigenen Frauen kein oder ein mangelndes Interesse an geschlechtlichen Beziehungen haben, wird es immer wieder zu besuchen bei Nebenfrauen oder Prostituierten geben.
Der Zwang zur Prostitution ist streng zu bestrafen. Die Realität sieht so aus, dass die staatlichen Behörden gegen diese Kriminalität zu wenig unternehmen.
Die Frage wirft sich auf inwieweit auch in diesem Bereich die Korruption eine Rolle spielt.

Gast: Landesverteidigung
24.08.2011 02:19
0

Billiger Sex gleich hinter der Grenze

Erzählen's das nicht zu viel rum, sonst ist das ganze Verteidigungsministerium bald unterbesetzt.

Gast: Gast11111
02.07.2011 14:09
5

Das ist die E59 nicht die E55!

Die E55 geht von Linz über die A7 und B310 nach Wullowitz. Journamismus und Verkehr pass nicht zusammen.

Gast: bodo
12.07.2010 12:17
0

zu nteuer

omg ist das teuer ich geh an die grenze !
billiger sex

Gast: Ewald S.
04.12.2009 14:24
2

Frauen zu Teuer

Ich war von 30.11.09 - 02.12.09 in Znaim voller entäuschung vonFrauen keine Spur auser Bordels und die sind so teuer zumindest teuerer als in Österreich sowie Gäntränke (1kleines Bier 6 Euro) Frauenpreise für eine halbe stunde zwieschen 60 - 70 Euro also jeder kilometer zu schade.

mfg
Ewald S.

Märchenerzähler nannte man früher solche puffbesuchenden Studienautoren, die heute die EU mit unseren Steuergeldern bezahlt

An Spitzentagen kommen 300 Männer zu den 400 Frauen. Da kann etwas nicht stimmen - sei denn die Österreicher sind extrem potent und brauchen an einem Abend gleich zehn Frauen.

Andernfalls gehen 100 Frauen selbst an Spitzentagen mangels Kunden leer aus. Dann verdienen viele offenbar nur 20 € mittels sexueller Handlungen.

Ich habe so meine Zweifel, ob das stimmen kann, was der Studienautor, der auf EU-Kosten ins Puff geht, sich da zusammengereimt hat.

Fehlte ihm vielleicht die Zeit für die ernsthafte Erstellung einer Studie, wegen - na lassen wir es.

http://www.fhf-rostock.de/FhF-homepage/anlagen/Berichte_AG.pdf In Deutschland haben Prostituierte 8 Freier pro Tag.

Vielleicht wollte der von der EU bezahlte Märchen- ah Studienautor nicht Damen dazu verlocken ins Rotlichtgewerbe einzusteigen. Ein Durchschnittsbruttoeinkommen - jüngere Damen verdienen weit über dem Durchschnitt - von € 4.500,- im Monat könnte so manch geldgieriges Mädchen verführen.

Antworten Gast: gast
20.08.2007 21:00
0

Re: Märchenerzähler nannte man früher solche puffbesuchenden Studienautoren, die heute die EU mit unseren Steuergeldern bezahlt


Und noch eine Frage, wie kommt ein Mann zu so einem EU-Auftrag?

Wenn dieser Auftrag ausgeschrieben worden wäre, dann hätten sich sicherlich viele StudienautorInnen gefunden, die mit Sicherheit eine Studie in besserer und objektiverer Qualität abgeliefert hätten, wenn sie diesen einmaligen Auftrag der EU erhalten hätten.

Weiters stellt sich die Frage, ob die Vergabe dieses Auftrags seitens der EU sexistisch an einen Mann erfolgte, obwohl genauso z. B. eine Nutte aus dem Milieu gegen Geld sich einer derartigen Dichtkunst hingegeben hätte.

Ich kenne Zneim bei Nacht nicht, aber die Studie strotzt nur so von grundsätzlichen Unglaubwürdigkeiten. Damit entsteht bei mir der Eindruck, als hätte der Studienautor sich seine Informationen aus den Fingern gesogen, während ein anderes Teil von ihm ge... wurde - lassen wir es.

Eine Frechheit ist trotzdem die undurchsichtige Vergabe seitens der EU an windige Auftragsempfänger.

Antworten Antworten Gast: Gast
05.08.2007 12:06
0

Re: Und noch eine Frage, wie kommt ein Mann zu so einem EU-Auftrag?

Also wenn wir schon bei genau recherchierten Fakten sind:
Mir ist nicht ganz klar wieso dieser Artikel EU subventioniert sein soll, ich kann hier nichts darüber finden. Ausserdem ist "der Autor" eine Frau, wie man unter dem Titel des Artikels lesen kann. Ob sie Studienautorin ist oder nicht kann ich nicht sagen.

Ich bin aber auch der Meinung, dass entweder die Zahlen nicht ganz stimmen oder der "Markt" etwas übersättigt ist in Zneim.

Gast: Oma Putz
04.08.2007 10:54
2

Frauenhandel

Leider wird der Menschenhandel in Znaim noch lange blühen, solange die dortigen Behörden wegschauen. Da es sich jedoch um sehr ertragreiche Geschäfte handelt, welche zudem auf dem Rücken der versklavten "Ausländerinnen" ausgetragen werden, wird dies wohl noch länger so bleiben. Von einer Aufklärungskampagne an die "Freier" hierzulande kann man sich nichts erwarten, sind diese doch wohl meist sehr skrupellose Personen, die sich keinen Deut um das Schicksal der von ihnen "Beglückten" scheren (wie es ja letzlich auch aus dem Artikel hervorgeht).

Gast: Graf Gudenus
04.08.2007 07:58
0

hinter“n“-minded,

das ist das Niveau der Österreicherin, via Mutter lernt man die Sprache. Eine andere Zeitung, Neue Freie Presse, hätte es nicht so billig gegeben, sie hätte von “nach der Grenze”, auf der anderen Seite der Spanischen Wand gesprochen

Gast: digitalis
04.08.2007 07:49
0

danke

für den tipp.

Zum Kotzen

Wer als Mann diese Dienste in Anspruch nehmen muss, hat, egal aus welcher Gesellschaftsschicht er kommt, wie alt er ist, unverheiratet oder verheiratet ist, ein Entwicklungsdefizit.

Re: Zum Kotzen

sie müssen eine frau sein...und ein bisserl frustriert sein, anders kann man sich ihr posting nicht erklären !

Re: Zum Kotzen

Und wenn er ein Entwicklungsdefizit hat, was dann? Kann er was dafür?

Jeder Mensch hat ein Recht auf Sexualleben, doch leider gehen in unserem Sozialsystem viele leer aus. Würden Sie auf Sex verzichten wollen, oder eher in ein Bordell gehen? Ich finde da wirklich nichts dabei, aber warum intelligent diskutieren, wenn man doch so schön verkorkst sein kann ;-)

Re: Re: Zum Kotzen

Natürlich hat ein jeder ein Recht darauf, dann muss er aber auch dafür sorgen, dass er dem anders beikommt als auf Kosten von Frauen, die unter irgendeinem Kuratel oder mehreren von solchen stehen, aus dem sie nicht herauskönnen. Das ist jedenfalls ein leichtes Spiel...

Antworten Gast: zwickerl
04.08.2007 14:51
1

Vaginasperre daham - was machst dann?

dann is des käufliche angebot jedenfalls ehrlicher als als wennst da a gspusi zualegst, weil so isses a gschäft. Und an der 12 jahrigen sperre daham doktern die teiersten kapazunder herum und wissen net warum do drin rote flecken san bei denen die haut fast weg is :-((

Antworten Gast: pferdekopf
04.08.2007 09:59
3

moralapostel

70% der ehen in österreich werden wieder geschieden - und da sind nicht nur die männer schuld.
die natürlichste sache der welt wird in unserer gesellschaft - dank der religiösen scheinheiligkeit - zu etwas hochstilisiert, was es nicht ist. und wenn man dafür dann auch noch direkt bezahlt, wird man von derselbingen an den pranger gestellt - das ist die eine seite.
zwangs- und kinderprostituion sind kriminell und verboten, werden bei solchen berichten aber gerne in den vordergrund gestellt.
es gibt aber viele prostituierte,die in dem "ältesten gewerbe der welt" das sehen, was es wirklich ist, nämlich ein "job".

Gast: Excalibur
03.08.2007 21:32
1

Sehr taktlos

ist es, nach einem Artikel über diese moderne Sklavenhaltung als Google-Advertisment "Frauen aus Tschechien finden" zu posten.

Re: Sehr taktlos

Nur zur Sicherheit: die Werbeeinschaltungen werden von Google basierend auf Schlagwörtern ausgewählt. Die Redaktion der Presse hat damit nichts zu tun.

Antworten Gast: Optiker
04.08.2007 08:42
0

Re: Sehr taktlos

Dem kann ich zustimmen. Äußerst taktlos und idiotisch, so eine "Werbung" unter diesem Artikel zu posten.

Re: Re: Sehr taktlos

Ich empfehle: Adblock Plus für den Firefox.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gruftmaus
23.08.2011 12:22
0

Re: Re: Re: Sehr taktlos

Ja...gutes addon.
Dazu noch Ghostery
und Better Privacy

Und das Ganze über Cyber Ghost VPN (proxi) und man hat Ruhe. :D

Kann ich nur empfehlen...aber regelm. updaten nicht vergessen bitte.

 
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