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Belgiens Verteidigungsminister verrät Atomwaffen-Depot

24.01.2008 | 18:20 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Pieter De Crem bricht offenes Nato-Geheimnis. Bündnispartner entsetzt, Demonstrationen befürchtet.

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BRÜSSEL/DEN HAAG. Der erst seit Dezember amtierende neue belgische Verteidigungsminister Pieter De Crem ist kräftig in den Fettnapf gestiegen: Bei einer Visite der Luftwaffenbasis Kleine Brogel nahe Antwerpen enthüllte er, dass hier Atomwaffen gelagert seien: ,,Das Verteidigungsministerium bestätigt weder die Existenz dieser Waffen oder deren Nichtvorhandensein, aber jeder weiß, dass hier nukleare Kapazitäten sind.“

De Crem löste einen Riesenwirbel aus, brüskierte seine Regierung und die Nato. Denn nach geltender Nato-Doktrin darf kein Bündnismitglied enthüllen, wo die Nato-Kernwaffen stationiert sind – auch, wenn das in vielen Fällen ein offenes Geheimnis ist.


340 Kilotonnen Explosionskraft

Und das war es eigentlich auch im Fall der Kleine Brogel-Airbase. Das US-Verteidigungsministerium gab 1986 zu, dort taktische Atomsprengköpfe zu lagern. Mehrfach, so 2002 und 2005, organisierten Pazifisten Protestmärsche vor der Basis, weil lang nach Ende des Kalten Krieges dort weiter A-Bomben gelagert würden. Nach Informationen aus Militärkreisen sind dort unter Obhut der 52. Munitionsversorgungs-Staffel der US-Airforce etwa 20 taktische Atombomben vom Typ „B-61“ gelagert. Die 1963 entwickelten Bomben sind für den Abwurf von Flugzeugen aus konstruiert. Ihre Explosionskraft kann im Bereich zwischen 0,3 und 340 Kilotonnen eingestellt werden. Die Hiroshima-Bombe von 1945 hatte etwa 13 Kilotonnen Sprengkraft.

Im Kriegsfall würden sie unter Nato-Verfügung gestellt werden und könnten durch US-Bomber, aber auch durch belgische und andere Nato-Jets abgeworfen werden. Ansonsten können die USA auch so über die Waffen verfügen.

Die ungewöhnlichen und offenherzigen Äußerungen von Pieter De Crem lösten in den Reihen der belgischen Regierung jedenfalls helles Entsetzen aus. Sowohl der amtierende Premier Guy Verhofstadt als auch Vize-Premier Yves Leterme griffen zum Telefon, um De Crem darauf hinzuweisen, dass er mit seinen Aussagen internationale Absprachen verletzt habe.

Darauf ruderte der Verteidigungsminister zurück: Er ließ eine Erklärung verbreiten, in der stand: ,,Ich wollte eigentlich sagen, dass unser Land an der nuklearen Verteidigung im Rahmen der Nato beteiligt ist.“ Die Nato habe das Sagen über das Nukleararsenal der Mitgliedstaaten. Das Procedere dafür sei genau festgelegt, und Belgien werde sich daran halten.


Nicht der erste Patzer

Es ist nicht sein erster Patzer: Jüngst stornierte er einen 700 Millionen-Euro-Kontrakt zum Kauf von Waffen, ohne es mit dem Kabinett besprochen zu haben. Nun wird befürchtet, dass Friedensaktivisten neue Demos vor dem Stützpunkt beginnen werden und fordern, die Kernwaffen abzuziehen.

Auch die Niederländer wurden aufgeschreckt, weil das belgische Kernwaffenarsenal nur wenige Kilometer von ihrer Grenze entfernt liegt. Mitglieder der Sozialistischen Partei haben zu Protesten gegen die belgischen Kernwaffen aufgerufen. Allerdings: Auch auf der niederländischen Luftwaffenbasis Volkel nahe Breda im Süden des Landes dürften sich US-Atombomben vom Typ B-61 befinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2008)

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2 Kommentare
Gast: AEIOU
25.01.2008 08:24
0 0

The

Um uns zu "beschützen".

Antworten Gast: AEIOU
25.01.2008 09:02
0 0

Re: The "Friends" are here.

Bitte nicht verstümmeln. Oder darf man das auch nicht mehr schreiben?