12.02.2012 02:54 | Meine Presse Merkliste0

Bolivien: Aufgebrachter Mob prügelt Polizisten zu Tode

27.02.2008 | 11:26 |   (DiePresse.com)

Dorfbevölkerung hält drei Polizisten für Diebe. Nach stundenlanger Folter werden die Beamten aus einem Fenster geworfen und dann getötet.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Im südbolivianischen Dorf Epizana haben aufgebrachte Bewohner drei Polizisten mit Dieben verwechselt. Die zwei uniformierten Beamten und ein Kollege in zivil wurden verschleppt und dann zu Tode geprügelt. Die Leichen der Männer wurde an einer Fernstraße nahe des Ortes gefunden. Die Opfer sollen so schwer verstümmelt worden sein, dass ihre Identität nur schwer festgestellt werden konnte, berichtet der Fernsehsender ATB.

Die Bewohner von Epizana hätten die Beamten schon am Montagabend (Ortszeit) verschleppt. Nachdem sie zehn Stunden lang misshandelt wurden, sollen die Beamten am nächsten Morgen schließlich aus einem Fenster im zweiten Stock eines Gesundheitszentrums geworfen worden sein. Dann habe eine große Menschenmenge auf die Opfer eingeprügelt. Gerichtsmediziner hätten später festgestellt, dass die drei Polizisten stranguliert wurden, nachdem ihnen Schädel und Gesicht eingeschlagen wurden, berichten bolivianische Medien.

Tote durch Selbstjustiz keine Seltenheit

Am Vormittag seien Reporter in dem Dorf angekommen und hätten beobachtet, wie Bewohner die drei Polizisten folterten, während diese um ihr Leben gefleht und geschworen hätten, keine Diebe zu sein. Schließlich wurde auch auf die Mitarbeiter des Fernsehsenders eingeschlagen, diese mussten fliehen. Später habe sich niemand zur Tat bekannt. "Es herrscht ein Pakt des Schweigens", berichtet eine TV-Jounalistin.

Nach Angaben der Dorfbewohner sollen die drei Männer in Epizana am Montagabend ein weißes Auto beschlagnahmt und dann vom Besitzer Geld verlangt haben. Zu der Verwechslung der Polizisten mit Dieben könnte es gekommen sein, weil sich Diebe immer wieder als Polizisten verkleiden. In Bolivien kommen Fälle von Selbstjustiz mit Todesopfern immer wieder vor.

(Ag./Red.)

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

5 Kommentare
0 0

Eine schreckliche Sache - aber sozusagen "systemimmanent"!

Daß sich in Lateinamerika immer wieder Kriminelle als Polizisten verkleiden, das haben auch schon internationale Touristen zu spüren bekommen. Günstigenfalls wurden sie "nur" ausgeraubt, schlimmstenfalls jedoch ermordet.

Daß auch reguläre "Ordnungshüter" selbst in kriminelle Machenschaften verwickelt sind, ist leider ebenfalls nicht gar so selten. In einer derartigen Atmosphäre von direkter und indirekter Gesetzlosigkeit fallen dann eben zuweilen auch völlig unschuldige Polizisten "unter die Wölfe".

Zur staatlichen Ordnung hat man offenbar in diesem Dorf kein wie immer geartetes Vertrauen. Normalerweise, also in einer zivilisatorisch "gesunden" Gesellschaft, wäre es gewiß NIE zu einem solchen barbarischen Exzesse gekommen. Man hätte die Polizisten aufgefordert, sich auszuweisen und nachgesehen, ob sie überhaupt im Besitz der angeblichen gestohlenen Sachen sind.

Vielleicht brach hier aber auch generell lang aufgestauter Haß auf korrupte Polizisten durch und traf die Falschen!

Antworten Gast: juergen
28.02.2008 20:10
0 0

Re: Eine schreckliche Sache - aber sozusagen

Es ist verstaendlich, dass das Volk wuetend ist, wenn die Polizei untaetig und/oder korrupt ist, aber ganz egal _was_ ein Mensch getan hat, und welches Verbrehen man ihn fuer schuldig haelt, so etwas ist nie und nimmer verstaendlich.
Es geht um die generellen Werte, die Menschen haben, ein vernuenftiger Mensch wir niemals einen anderen Menschen 10 Stunden foltern, ein vernuenftiger Mensch pruegelt keine anderen Menschen zu Tode.

Das dachte ich zumindest.

Antworten Gast: juergen
28.02.2008 19:31
0 0

Re: Eine schreckliche Sache - aber sozusagen

Es ist verstaendlich, dass das Volk wuetend ist, wenn die Polizei untaetig und/oder korrupt ist, aber ganz egal _was_ ein Mensch getan hat, und welches Verbrehen man ihn fuer schuldig haelt, so etwas ist nie und nimmer verstaendlich.
Es geht um die generellen Werte, die Menschen haben, ein vernuenftiger Mensch wir niemals einen anderen Menschen 10 Stunden foltern, ein vernuenftiger Mensch pruegelt keine anderen Menschen zu Tode.

Das dachte ich zumindest.

Antworten Gast: xyz
27.02.2008 15:35
0 0

Sie haben vollkommen recht..

mit ihrer aussage. ich lebe selbst schon seit 4.5 jahren in der dominikanischen republik und hier herrscht zumindest das gleich klima wie in bolivien. pausenlos werden gewaltverbrechen begangen und die justiz schaut zu und macht nichts. im gegenteil das gesetz ist eher auf deren seite und es mag einen nicht verwundern, warum in lateinamerika immer mehr die selbstjustiz um sich greift. wenn protestmaersche nicht mehr gehoert werden und wenn das volk es leid sieht, in diesen korrupten regimen das 'schaf zum schlachten' zu mimen, dann werden halt derartige massnahmen gesetzt.

und dass sich ein grossteil der diebe als polizisten tarnen ist hier auch an der tagesordnung. wobei die anzahl der polizisten und des militaers, die in gewaltverbrechen verwickelt sind, noch um vielfaches hoeher liegt.

Antworten Michael
27.02.2008 15:16
0 0

Re: Eine schreckliche Sache - aber sozusagen

Naja gut, ob es "die Falschen" traf, sei einmal dahingestellt. Sagen wir lieber "möglicherweise die Falschen".

Solche Dinge kommen übrigens auch, wenn ein Rechtsstaat zu bröckeln beginnt, automatisch. In der Drogen- und Prostitutionsszene wird zB auch in Österreich und Deutschland die staatliche Ordnung weitgehend ignoriert.