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Brasilien: Im gallischen Dorf der Landlosen

03.03.2008 | 18:08 |   (Die Presse)

Wie werden die Profite des Ethanol-Booms in Brasilien verteilt? Die Landlosenbewegung fordert mit Plantagen-Besetzungen die Großgrundbesitzer heraus.

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Ribeirao Preto.Nur wenige Kilometer von der Innenstadt Ribeirão Pretos, der Hauptstadt des brasilianischen Agrobusiness liegt die Fazenda Barra, eine von Landlosen besetzte Farm. Man kann sich das Camp der Landlosenbewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais sem Terra) wie das aus dem Comic Asterix bekannte kleine gallische Dorf Aremorica vorstellen: ein Häufchen Träumer gegen den Rest der Welt.

Im Camp leben 2000 Familien, jede bewirtschaftet einen Hektar Land in Subsistenzwirtschaft.

Die Fazenda Barra ist von Zuckerrohrplantagen umgeben, deren Durchschnittsgröße 15.000 Hektar beträgt. Mit ihrer Landnahme will MST, die größte Sozialbewegung Lateinamerikas, gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Aufteilung des brasilianischen Bodens protestieren: Ein Prozent der Bevölkerung kann über 46 Prozent des Landes (85 Millionen Hektar) verfügen, während rund fünf Millionen Familien sogenannte Landlose sind.


Landbevölkerung zieht in Städte

Companheiro Hemes, wie ihn hier alle nennen, führt durch das Gelände der Fazenda. Er ist das, was man im fernen Europa einen Sozialromantiker nennen würde und sieht aus wie ein frischrasierter schwarzer Che Guevara mit Rastalocken. Companheiro Hemes: „Wir möchten zeigen, dass es eine Alternative zur Monokultur-Bewirtschaftung gibt. In Europa gibt es zum Beispiel noch klein-bäuerliche Strukturen, hier in Brasilien gibt es keine Landbevölkerung mehr. Die wenigen kleinen Landbesitzer haben ihre Böden verkauft und sind in die Städte gezogen, wo sie in Favelas hausen.“

Im August 2003 haben die Landlosen die Fazenda Barra besetzt. Insgesamt zwölfmal sei die Polizei geschickt worden, um die Landbesetzer zur Aufgabe zu zwingen, doch ohne Erfolg, erklärt Companheiro Hemes.

Unterstützung kam von der katholischen Kirche, die einen nahegelegenen alten Bauernhof als Versammlungs- und Kulturzentrum zur Verfügung stellt. Das Gelände erinnert an eine Hippie-Kommune aus den späten 60er-Jahren. Studenten und Schüler sollen laut Hemes in Seminaren eine umweltfreundliche Bewirtschaftung von Grund und Boden lernen.


Rote Fahnen im linken El Dorado

Das besetzte Land ist zehn Autominuten vom Versammlungszentrum entfernt. An den Grenzen des linken El Dorado stehen kleine hölzerne Wachhäuschen, in denen ein Bewohner des Camps die Zufahrt zur Fazenda bewacht. Das Territorium ist mit den roten MST-Fahnen markiert, die Grenzen sind abgesteckt.

In provisorisch zusammen gezimmerten Hütten aus Holz-Spanplatten leben die Familien. Es ist ein bescheidenes Leben, denn außer der kleinen Landwirtschaft, die sie betreiben, besitzen sie fast nichts. Am ersten Mai letzten Jahres hat MST dieses Land zugesprochen bekommen – die Landlosen, die hier leben, können nun ganz legal hier bleiben.


„Arm aber frei“

Leben im lateinamerikanischen Klischee: Von weitem hört man schon Gitarrenklänge und sanften Gesang. Manuel Maraulino dos Santos lebt gemeinsam mit seiner Frau in einem kleinen Holzverschlag. Gleich neben der Hütte wächst eine Bananenstaude. Die Nachbarn sind zu Besuch. Jonas, einer der Nachbarn, begleitet auf seiner Gitarre den ruhigen, getragenen Gesang eines Kirchenliedes. Unter einem hölzernen Abstelltisch ruht der ganze Besitz der Familie in leeren Plastikflaschen – Pflanzensamen. Diese werden sie bei der nächsten Ernte auf ihrem einen Hektar großen Stück Land pflanzen. Sie kochen über einer offenen Feuerstelle und ernähren sich von dem, was ihr Land hergibt. „Ich glaube, es wäre besser, wenn kein Zuckerrohr angebaut werden würde, dann wäre mehr Platz für uns da“, sagt Manuel und fügt hinzu: „Ja, wir leben bescheiden, aber es ist besser als in eines der Elendsviertel der Städte zu ziehen. Hier leben wir viel freier.“

FAKTEN: Landlose

Die Landlosenbewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) will mit Plantagenbesetzungen gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Landverteilung im größten südamerikanischen Staat protestieren. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über 46 Prozent des Landes (85 Millionen Hektar), während rund fünf Millionen Familien Landlose sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)

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1 Kommentare
Der DON
04.03.2008 21:46

MST ein Fluch für Brasilien

Dieser Bericht stellt die MST, eine gewalttätige kriminelle Organisation, die Landwirtschaftlich genutzte Flächen widerrechtlich besetzt als gemeinnützige Organisation da. Leider unterstützt die momentane linke Regierung unter da Silva die teilweise die Bestrebungen dieser Landbesetzerbanden, die durch ihr tun die Landwirtschaft massiv verunsichern, und dadurch Investitionen und dadurch indirekt Arbeitsplätze verhindern. Die Polizei sollte endlich gegen diese Landdiebe, Mörder und Erpresser vorgehen. Erpresst werden vor allem die Mitglieder dieser Organisation, die häufig an den Lagerführer Schutzgeld zu entrichten haben, und dies, in der Hoffnung auf ein Stück Land auch zahlen.

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