Sie leben in heruntergekommenen Holzbaracken, sind vom geregelten Arbeitsleben seit fast zwei Jahrzehnten systematisch ausgeschlossen und verfallen mehr und mehr der zersetzenden Trostlosigkeit. Die Roma in Osteuropa haben einen langen Leidensweg mit Unterdrückung, Ausgrenzung, Ausbeutung und Geringschätzung zu beklagen.
Nun hat sich ein slowakischer Bürgermeister, Peter Kacvinsky, dem Problem angenommen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die 700 Roma seines Dorfes Letanovce aus den desolaten Holzbaracken in neu gebaute Reihenhäuser zu übersiedeln. Sein Konzept: Ein neues Zuhause wird auch neue Zukunftsperspektiven eröffnen und das Roma-Problem seiner Gemeinde ein für alle Mal lösen.
Unmut über Projekt unter den "Weißen"
Der Bau des neuen Roma-Dorfes kostet fast 80 Millionen slowakische Kronen, das sind umgerechnet knapp 2,7 Millionen Euro. Die Baukosten der Reihenhäuser tragen zu 75 Prozent der slowakische Staat und die EU.
Bei den Roma kommt Freude bei dem Gedanken der bevorstehende Übersiedlung auf. "Wir würden eher heute als morgen umziehen!", sagt ein knapp 30jähriger Roma. Die restliche Bevölkerung unterstützt das Vorhaben ihres Bürgermeisters nicht. Unlängst sind erste Drohbriefe bei ihm eingelangt. In den Reihen der "Gadje" - der weißen Bevölkerung - tut sich Unmut und Unverständnis auf: "Warum kriegen die Zigeuner, die ohnehin nichts arbeiten, faul sind und nur stehlen, einfach so Wohnung geschenkt - und wir nichts?"
Im Dorf Spissky Stvrtok, in dessen Nähe die neuen Reihenhäuser entstehen sollen, gab es bereits heftigen Widerstand gegen die Idee, die Roma-Kinder sollten dort zu Schule gehen. Daraufhin musste Bürgermeister Kacvinsky umdisponieren. Es soll nun ein Weg durch die Felder angelegt werden vom Roma-Dorfteil Letanovce II nach Letanovce I.
Behebung der Arbeitslosigkeit
Über Gegenmaßnahmen zur derzeitigen Arbeitslosigkeit der Roma hat sich der Bürgermeister auch bereits Gedanken gemacht. Ein Projekt für Feldarbeit ist in Vorbereitung und soll von sechs Sozialarbeitern organisiert und betreut werden. Diese sollen gemeinsam mit den Roma in den Reihenhäusern wohnen und dafür sorgen, dass die Gemeinschaft funktioniert. Ein schwieriges Unterfangen, bedenkt man, dass sich die neue Wohnform so ganz von den alten Gewohnheiten der Roma unterscheidet.
(APA)

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