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Wassernotstand: Wenn es in Spanien nicht mehr grünt

09.04.2008 | 18:24 |  Von unserem Korrespondenten NIKOLAUS NOWAK (Die Presse)

Die größte Dürre seit 40 Jahren hat die Stauseen austrocknen lassen. Barcelona droht die Wasserrationierung.

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PALMA/MADRID. Als der nordspanische Ebro-Fluss nach den österlichen Schneefällen in den Pyrenäen über die Ufer trat, war das nicht ohne Symbolkraft. Die Fluten des Flusses überschwemmten unter anderem das Gelände für die Expo 2008, mit der sich Aragoniens Hauptstadt Zaragoza diesen Sommer ganz dem Wasser widmen will.

Die meiste Zeit des Jahres ist der Ebro nur ein dünnes Rinnsal. Doch an seinem Unterlauf ist der Ebro wie so viele Flüsse Spaniens gestaut und beliefert die Felder an der Mittelmeerküste mit Wasser.


44 Prozent weniger Regen

Doch der Wassermangel wird in Spanien immer virulenter. Nach Angaben des Umweltministeriums herrscht die schwerste Dürre seit mindestens 40 Jahren. Insgesamt ist der Niederschlag in Spanien seit 1930 um sagenhafte 44 Prozent zurückgegangen. Die Stauseen sind auf ein Minimum geschrumpft oder teilweise ausgetrocknet.

Und es soll sogar noch heißer und trockener, dabei stürmischer werden. Damit verbunden werden sich auch die wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen im Königreich beschleunigen: Versteppung und Entvölkerung des Hinterlandes, Zuwanderung und Bebauung der Metropolen und Küsten. Der konservative Premier José María Aznar gab ein Mammut-Projekt in Auftrag, mit dem Wasser aus dem Ebro und dem nördlichen Segura-Fluss nach Valencia, in die Gemüseregion Murcia und bis nach Andalusien umgeleitet werden sollte.

Der Sozialist José Luis Rodríguez Zapatero ließ das Vorhaben nach seinem Wahlsieg 2004 stoppen und stattdessen Meerwasserentsalzungsanlagen bauen, Umweltaspekte spielten dabei nur vordergründig eine Rolle: Valencia und Murcia sind Hochburgen der konservativen Volkspartei (PP), während Katalonien von Nationalisten oder von dem örtlichen Verband der Sozialisten regiert wird.

Wasser ist im Spanien des 21. Jahrhunderts der Quell allen Wohlstands geworden. Die geopolitischen Achsen der PP laufen von Südost (Valencia, Murcia) nach Nordwest (Galicien, derzeit sozialistisch), während die Sozialisten sich von Nordwesten (Katalonien, Aragonien) nach Südosten (Kastilien, Andalusien) orientieren.

Kurz nach seiner Wiederwahl am 9. März bringt der chronische Wassermangel an der Mittelmeerküste Zapatero aber in eine politische Zwickmühle: In Barcelona, wo die Sozialisten sich gerade behaupteten, drohen im Herbst Wasserrationierungen, sollte es nicht überraschend regnen. Entsprechend fordern die Katalanen nun zügig eine Umleitung des Wassers aus dem Segura-Fluss nach Katalonien.


Kanäle für politische Freunde

Eine derartige Maßnahme würde den Konservativen aber politische Munition liefern: Die „umweltfreundlichen“ Sozialisten bauten Staudämme und Kanäle nur für ihre politischen Freunde, während sie Valencia und Murcia wörtlich „austrockneten“.

Widersetzt sich Zapatero aber den Forderungen aus Barcelona, riskiert er die wichtige Unterstützung Kataloniens für seine Regierung. Bisher fiel Madrid nur ein, eine weitere Entsalzungsanlage zu bauen. Bis diese fertig ist, hieß es, könne Wasser aus einer entsprechenden Anlage aus Andalusien geliefert werden – per Schiff.

WISSEN

In Katalonien in Nordost-Spanien sind die Stauseen nur mehr zu 19% gefüllt. Damit haben sie die Untergrenze erreicht, ab der das Wasser als brauchbar gilt. In Barcelona wurden die Springbrunnen abgedreht, Parks werden nicht mehr gegossen. Wer Trinkwasser etwa zum Autowaschen verschwendet, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 3000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2008)

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10 Kommentare
Gast: autowäscher
10.04.2008 14:54
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alt bekannte Probleme

als neue bitter Katastrophen zu verkaufen war immer schon eines der beliebtesten Steckenpferde der Medien .

Ja in 100 Jahren wird dort überall Wüste sein - aber ob das sie Schuld von Gurken und Paradeisern ist wage ich doch sehr zu bezweifeln .
Zugegeben wird offensichlich zu viel Wasser für Industrie & Wirtschaft verbraucht - ist aber in jedem Land so .

Abgesehen davon wird Spanien von diesem Wasser auch nicht mehr Grün.....

poldionkel
10.04.2008 12:19
0 0

das herumgejeiere

ist typisch, zuerst mittels irrer eu-förderungen landwirtschaftliche großprojekte in halbwüstenregionen aus dem boden stampfen und dann das knappe wasser für paradeiserkulturen und teilweise sogar für reispflanzungen vergeuden. wenn ber dann einaml der regen ausbleibt sind natürlich die reserven und pufferspeicher rasch verbraucht. ich mache mir da weniger sorgen um die großbauern welche mit wanderarbeitern aus afrika billigst produzieren und im notfall aus den eu-fördertöpfen überleben werden, vielmehr sind es die kleinen betriebe oder privatpersonen die das dilemma ausbaden müssen. und unterm strich ist die böse umweltkatastrophe da und keiner weis warum und niemand will schuld sein .

Gast: Chris
10.04.2008 11:22
0 0

Der Mittelmeerraum

Südspanien und Süditalien in 100 Jahren Wüsten?

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Wann wird endlich

das Baskenland und Katalanien unabhängig?

Die haben mehr Einwohner als Tibet.

Wird es dort internationale Proteste gegen die spanische Expo geben?

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten cabron
10.04.2008 18:00
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Re: Wann wird endlich

Der Berg der Freude hat gekreißt und ein Mäuslein ward geboren!

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Mal eine ganz simple Frage

Ich bin zwar kein Geologe/Meteorologe oder so, aber wundern sollte das eigentlich keinen:

Mit Blick in die Gemüse- und Obstabteilungen unserer Supermärkte sieht man überall "San Luca" oder sonstiges aus Spanien, Gurken, Paradeiser, Weintrauben usw. All das besteht zu 70-90% aus Wasser. Und dann wundert man sich, daß das Land austrocknet?

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Re: Mal eine ganz simple Frage

Vollkommen richtig!

Das Wasser wird eben dort für die landwirtschaftliche Export-Produktion umgeleitet.

Aber die Treibhaus-Hysteriker brauchen aber immer wieder Horror-Schlagzeilen in den Medien zur Rechtfertigung ihrer sinnlosen Arbeitsplätze.

Außerdem regnet es dort seit Wochen.

Noah von der Arche am Berg der Freude

alice
09.04.2008 19:36
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wasser

warum baut spanien nicht meerentsalzungsanlagen...???
als reiches land sollte es sich sowas leisten können

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Re

a)bitte artikel lesen...das tut es
b)es ist kein reiches land

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Re: Re

Und wo ist das Gold und Silber der räuberischen Spanier bei der Ausplünderung von Latein-Amerika geblieben?

In den Kirchen und Tresoren des Vatican-Konzern¿s?

Noah von der Arche am Berg der Freude