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Inhaftierte Mütter: Ein Kind im „Bangkok Hilton“

23.04.2008 | 18:14 |  IRENE ZÖCH (Die Presse)

Häftlinge, die in thailändischen Gefängnissen Babys zur Welt bringen, bekommen Hilfe von einer Staatsanwältin – die noch dazu die Enkelin des Königs ist.

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WIEN. Ihren schlechten Ruf kennt man in aller Welt: Thailändische Gefängnisse bekommen von Menschenrechtsorganisationen immer wieder katastrophale Zeugnisse ausgestellt. Die Zellen sind überfüllt, Häftlinge müssen auf engstem Raum zusammengepfercht schlafen, für Dutzende muss nur eine Toilette reichen.

Mehr als 150.000 Insassen sitzen laut offiziellen Angaben in thailändischen Gefängnissen, die für etwa 112.000 Häftlinge gebaut wurden. In den Zellen treffen Menschen in Untersuchungshaft auf verurteilte Straftäter. Frauen, Männer, Jugendliche, die auf ihre Anklage warten, werden zusammen eingesperrt, wie jüngst ein neuer Bericht des US-Büros für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit erneut kritisierte.

„Etwa 15 Prozent der Häftlinge sind Frauen, und auf ihre speziellen Bedürfnisse wird kaum Rücksicht genommen“, erklärt die zierliche Thailänderin im grauen Business-Anzug. Die 29-Jährige ist nicht nur Staatsanwältin, sie ist auch die älteste Enkelin des thailändischen Königs Bhumibol. Ihre königliche Herkunft sieht Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol von Thailand als Auftrag, sich für humanitäre Projekte zu engagieren.

Vor eineinhalb Jahren hat die Juristin das Kamlangjai-Projekt ins Leben gerufen, das sich um Frauen kümmert, die einschneidende Erlebnisse wie die Geburt eines Kindes hinter Gittern durchmachen. Wie die 24-jährige Orn: Als sie zu sechs Jahren Haft verurteilt wird, ist sie im dritten Monat schwanger. Ihr erstes Kind wird im Gefängnis geboren werden.


Krabbelstube hinter Gittern

„Die Gesellschaft macht sich kaum Gedanken über Gefängnisinsassen und schon gar nicht über Babys, die in Gefangenschaft auf die Welt kommen“, begründet die königliche Hoheit im Gespräch mit der „Presse“ ihr Engagement. Das Kamlangjai Projekt bietet schwangeren Häftlingen medizinische Untersuchungen und Geburtsvorbereitungskurse. Neugeborene werden von den Müttern gemeinsam in Kinderkrippen betreut. So können die Kinder das erste Lebensjahr von ihren leiblichen Müttern betreut werden, bevor sie dem Vater oder den Großeltern übergeben werden.

Im königlichen PR-Film blitzen die Untersuchungsräume sauber und modern. Das bunte Kinderzimmer sieht eher nach Privathort und nicht nach Krabbelstube in einer überfüllten Anstalt aus. So gepflegt geht es in Gefängnissen wie dem berüchtigten „Bangkok Hilton“ zu? „Natürlich sind die Gefängnisse überfüllt. Wir versuchen aber, die UN-Standards einzuhalten“, kommentiert Prinzessin Bajrakitiyabha die Zustände in den Zellen. Ihr Projekt – nur eines von vielen, wie sie betont – wurde bisher in zwei Gefängnissen umgesetzt: in Bangkok und Chiang Mai. Demnächst soll es aber auf die acht Frauengefängnisse im Land ausgedehnt werden. „Auch Kriminelle haben eine zweite Chance verdient“, sagt die Juristin.


Royale „BH-Sammlung“

Hinter dem Namen „Frauen für Frauen“ versteckt sich eine weitere, etwas ungewöhnliche Initiative der Prinzessin: Frauen und Unternehmer aus ganz Thailand spendeten (ungetragene) Unterwäsche für Insassinnen. Die BH-Sammlung sei ein großer Erfolg geworden, so die 29-Jährige.

Flößt denn die Tatsache, dass eine königliche Hoheit als Staatsanwältin Anklage erhebt, Respekt und Furcht ein? „Nein, den Angeklagten ist es gleich. Nur die Polizei wird nervös, wenn ich auftrete“, erklärt die Prinzessin mit einem Augenzwinkern.

ZUR PERSON

Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol von Thailand ist die älteste Tochter des Kronprinzen Maha Vajralongkorn und seiner ersten Frau Soamsavali. Die 29-jährige Juristin studierte in Bangkok und in den USA, bevor sie für die UNO in New York arbeitete. Seit 2006 ist sie Staatsanwältin. Nach Wien kam sie auf Einladung der UNO. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2008)

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