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Niederlande: Dem Gemüse gehen die Vitamine aus

28.04.2008 | 18:49 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Immer mehr Gemüsesorten aus dem Glashaus haben immer weniger Vitamin C.

Den Haag. Niederländer werden immer dicker, leiden aber dennoch an Mangelerscheinungen. Das ist die erschreckende Botschaft von Ernährungswissenschaftlern und Umweltschutzorganisationen, die gerade enthüllt wurde. Sie dürfte aber nicht nur für Niederländer zutreffen, sondern sie gilt für alle, die Gemüse aus Holland essen. Denn die Mangelerscheinungen hängen mit den minderwertigen Produkten aus niederländischen Gewächshäusern zusammen.

Die Qualität des Eisberg-Salats, der Champignons und Gurken sowie anderen Gemüse-Produkten, die auf holländischem Boden wachsen, lässt zu wünschen übrig. Der Boden ist aufgrund seiner intensiven Nutzung total ausgelaugt und versorgt das Gemüse nicht mehr mit ausreichend Mineralien, aus denen dann im Gemüse während des Wachstumsprozesses Vitamine entstehen können.


Nur auf Paprika ist Verlass

Die Folge: Der Gehalt von Vitamin C beispielsweise in Gurken aus niederländischen Gewächshäusern ist in den vergangenen sieben Jahren um 99 Prozent zurückgegangen, fanden Wissenschaftler der renommierten Agrar-Universität Wageningen heraus, die ihre Ergebnisse in der Zeitung „de Telegraaf“ jetzt veröffentlichten. Auch der Vitamingehalt von holländischem Broccoli oder Karfiol ging demnach seit 2001 um 84 bzw. 64 Prozent zurück. Der Chicorée enthält überhaupt kein Vitamin C mehr. Das einzige Gemüse aus holländischer Produktion, das seinen Vitamingehalt steigern konnte, ist der rote Paprika. Er spendet heute 3,6 Prozent mehr Vitamin C als noch vor sieben Jahren.

Ähnliches durchlebte die Holland-Tomate vor einigen Jahren. Konsumenten verspotteten sie als „Wasserbombe“, weil durch Überzüchtung und Massenproduktion der ursprüngliche Geschmack verloren gegangen war. Die Verbraucherkritik hatte Folgen: Es wurden neue Sorten mit mehr Geschmack gezüchtet.

Darüber hinaus scheint die Agrarindustrie nicht viel aus der Wasserbomben-Affäre gelernt zu haben. Der Anbau anderer Gemüsesorten wurde nicht verbessert, der Boden weiter überstrapaziert. „Große Teile unseres Bodens sind einfach tot“, stellt die Verbraucherschutzorganisation „Consumentenbond“ fest. Der Agrarwissenschaftler Paul Blokker von der „Vereinigung Bauer und Umwelt“ meint gar: „Wenn wir nicht bald eingreifen, dann ist die Gesundheit unserer gesamten Bevölkerung in Gefahr.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2008)


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6 Kommentare
 
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Von Coach am 30.04.2008 um 15:18

Nährstoffverlust

Die Meldung bestätigt wieder einmal mehr was von manchen "Vitaminexperten" geleugnet wird. Es gibt einen massiven Nährstoffverlust durch ausgelaugte Böden, Anbaumethoden, Preisdruck auf den Erzeuger, lange Lagerung, lange Transportwege, usw. Seit Jahren liegen alarmierende Zahlen vor: Nährstoffverlust seit 1985 von 95% Vit.B6 bei Bananen,
87% Vit.C bei Erdbeeren, 62% Folsäure bei Brokkoli, 48% Magnesium bei Kartoffeln, usw. Nachzulesen u. a. bei Andreas Jopp "Risikofaktor Vitaminmangel" ISBN 3-8304-2077-3. Informativ auch die Ernährungsworkshops von www.weight-loss-challenge.at

Von speibenderregenbogen am 29.04.2008 um 10:30

ausgelaugte böden???

die böden sind den holländischen "bauern" doch schon längst blunzn! da wächst doch das meiste auf glaswolle und jede pflanze hängt an ihrem eigenen "tropf" und kriegt vieeeeeel wasser und das allernötigste an künstlich erzeugten "nähr"stoffen. dazu noch künstliches licht, damit auch im winter geerntet werden kann, überzüchtete sorten, damit möglichst viel geerntet werden kann...

bei den spaniern wirds über kurz oder lang ähnlich ausschauen, vorausgesetzt, sie haben überhaupt genug wasser. ähnlich marokko und ägypten. aber hauptsache ich krieg im supermarkt billigstes gemüse aus all diesen ländern, muß aber oft vergeblich nach österreichischen produkten suchen.

zum glück hab ich einen balkon, da kann ich mir ein paar sachen selbst anbauen. paradeiser und radieschen brauch ich mir ein halbes jahr lang keine zu kaufen! und wenn alles gut geht, werd ich auch mit gurken, paprika und kohlrabi selbstversorgt bis in den spätherbst kommen!

Von Gast: falke am 28.04.2008 um 21:32

faule Tomate?

gibt es die heute noch? ja - ungespritztes und unbestrahltes Schrebergartengemüse und Obst verdirbt schnell - dafür war es frisch bestimmt das gesündeste - vitalste Obst/Gemüse, eine bestrahlte Hollandtomate hält im Kühlschrank ja schon Monate - Geschmack fast null - aber wie auch soll eine bestrahlte Tomate noch gesund sein - die Profitgier wird uns noch schwer auf den Kopf fallen - in so ziemlich allen Lebensbereichen

Bio ist da sicher besser - ob man es nun hören und verstehen will oder nicht
- Bioobst und Gemüse fängt nach wenigen Tagen oft schon zu schimmeln an - das ist ein gutes Zeichen
ungespritztes Obst u. Gemüse -geerntet und gleich frisch gekocht - besser geht es eben nicht

Antworten Von Gast: Patrick am 29.04.2008 um 08:21

Re: faule Tomate?

Ich glaube ihnen ist ganz bewusst was "Biogemüse" ist.
Es wird genauso gespritzt und sogar noch mehr als nicht "Biogemüse" der unterschied ist nur jener, dass "Biogemüse" nur mit Biodünger, aus Bioinhaltsstoffen, zum wachsen verholfen wird, aber ungespritzt ist da nichts.
Im Garten angebaut, wird noch das "gesündeste" (wie man das auch definieren mag) sein, obwohl man dazu erst einen Garten und die entsprechende Zeit braucht. Und von dem Ergebnis kann man meist (quantitativ) nicht leben.

In den Niederlanden ist es sicher zu extrem geworden, aber "Biogemüse" ist stark von der jeweiligen Definition des Wortes "Bio" abhängig.

Antworten Antworten Von Gast: answer am 03.05.2008 um 00:00

Re: Re: faule Tomate?

So ist es. Ja.
Nur so wie unsere Böden heute ausgenutzt und behandelt werden, sinkt der Ertrag langfristig extrem.
Die Böden werden nämlich so sicher kaputt und brauchen Jahrzehnte zum Regenerieren.
Wo ist das Problem?
In den 70 und 80 JAHREN ist noch viel so Hausgartenmäßig produziert worden. - Versorgung hat funktioniert, niemand mußte hungern
dreimal mehr Leute haben wir heute auch nicht im Lande, dass es anders nicht ginge
damals war Obst u. Gemüse noch unbestrahlt - durfte noch faul werden - heute essen wir bestrahlte zellgeschädigte Ware GESUND? NEIN
damals hat man noch Äpfel mit Flecken etc. im Regal gefunden - heute nicht mehr
heute ist der Apfel lupenrein und schön gewachst - top für die Darmwänd`
der Apfelbaum x-mal pro Saison gespritzt und hat daher wenig Widerstandskraft und Selbstheilungskraft - Antwort :vermehrt Feuerbrand und Co - hausgemacht - Feuerbrand gab es schon immer, aber er war weit weniger, Problem Profitgier ist zu groß geworden that`s it, nighti

Antworten Antworten Von Gerald am 29.04.2008 um 15:21

Re: Re: faule Tomate?

Sorry, aber ich denke Sie wissen nicht, was "Bio" wirklich bedeutet. "Bio" bedeutet nämlich vor allem keine chemischen Spritzmittel zu verwenden. Die Verwendung von Kunstdünger ist weniger heikel, da die aufgenommenen Nährstoffe (z.B. Phosphor, Stickstoff) ohnehin in Pflanzenwuchs d.h. Biomasse umgewandelt werden und so im Endprodukt kein Unterschied zwischen durch Kunst- oder Naturdünger erzieltes Wachstum mehr erkennbar ist. Chemische Spritzmittel dürfen bei "Bio" jedenfalls gar keine verwendet werden (schwarze Schafe gibts natürlich überall) Schädlingsbekämpfung muss mit natürlichen Mitteln durchgeführt werden, die sind natürlich teurer, deswegen kostet "Bio" auch mehr. Manche Leute verwechseln "Bio" aber mit "Öko" d.h. ein "Bio"Apfel kann umweltschädlicher sein, als ein normaler Apfel, wenn der normale z.B. aus Ö kommt und der "Bio" aus Chile, Neuseeland o.ä.

 
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