Nach einer am Montag veröffentlichten ersten Polizeibilanz wurden bei den Ausschreitungen im Großraum Johannesburg innerhalb einer Woche mindestens 22 Menschen getötet, 19 von ihnen allein am Wochenende. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) kritisierte die Untätigkeit der Regierung, die die wachsenden Spannungen zu lange ignoriert habe.
Südafrikas Präsident Thabo Mbeki und der Chef der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, verurteilten die Gewalt. Mbeki kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Sie soll die Ursachen der Gewalt ergründen und herausfinden, "wer dahinter steckt". Mbeki rief die Anstifter der "schändlichen und kriminellen Taten" dazu auf, die Gewalt einzustellen. Zuma betonte mit Hinweis auf die Unterstützung, die der ANC zu Apartheidzeiten im Ausland erfahren hatte: "Wir können es nicht zulassen, dass Südafrika wegen Ausländerfeindlichkeit berüchtigt wird!"
UNHCR: Spannungen schon lang bekannt
Laut dem südafrikanischen UNHCR-Vorsitzenden Tseliso Thipanyane seien die Spannungen länger bekannt; bereits 1999 seien zwei Ausländer in Pretoria aus einem Zug geworfen worden. "Es gibt ohne Zweifel einen Wettstreit um knappe Ressourcen, Häuser, Arbeit und andere Dienstleistungen", sagte Thipanyane im öffentlichen Radio. Dies werde auch dadurch deutlich, dass die Übergriffe vor allem in Armenvierteln verübt würden.
"Wir sprechen nicht von Fremdenfeindlichkeit, wir sprechen von Kriminalität", unterstrich Polizeisprecher Govindsamy Mariemuthoo. Den festgenommenen Personen würde Mord, Vergewaltigung und Raub vorgeworfen. Die Opposition erneuerte indes ihre Forderung, das Militär zu entsenden, da die Polizei die Lage nicht mehr kontrolliere. Die Polizei bezeichnete die Situation auch am Montag als sehr gespannt. Randalierende Mobs machten weiterhin mit außergewöhnlicher Brutalität Jagd auf Ausländer. Knapp 100 Wohnungen gingen in Flammen auf. Geplünderte Läden, ausgebrannte Autowracks und brennende Barrikaden prägten an vielen Orten das Bild.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnte, die Stadt steuere auf eine humanitäre Katastrophe zu. Auch die Stiftung von Nelson Mandela beklagte die Exzesse. Der erste schwarze Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger hatte die Nation schon vor einer Woche vor einer "zerstörerischen Entzweiung" gewarnt. (Ag.)
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