BERLIN (vier). Einem 41-jährigen Sozialhilfeempfänger, Altenpfleger und Ex-Polizisten gelang, was Legionen von Vorgängern wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg oder Georg Elser missglückt war: ein Attentat auf Adolf Hitler. Keine drei Minuten waren samstags die Pforten des Berliner Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussauds geöffnet, als sich Frank L. auf die Hitler-Figur stürzte, sich dem Zugriff des Sicherheitspersonals entwand, unter der Parole „Nie Wieder Krieg!" den Kopf vom Rumpf trennte und wie eine Trophäe hochreckte.
„Menschlich gesehen: Attentat geglückt": Mit Berliner Mutterwitz quittierte ein Polizeisprecher den Zwischenfall am Eröffnungstag. Bis zu dieser Vollzugsmeldung hatte es immerhin 75 Jahre gedauert.
Wette mit Freunden?
Am Vortag hatte der als Schwarzfahrer notorisch bekannte Frank L. angeblich mit Freunden eine Wette abgeschlossen, bei der es ausschließlich um Ruhm gegangen sei. Geradezu diebisch habe er sich gefreut, dass just das Ebenbild Willy-Brandts im Nebenraum dem Akt der Köpfung zugesehen habe, gab er zu Protokoll.
Am Abend war der „Attentäter" auf freiem Fuß, muss sich indes auf Schadenersatzzahlung der 200.000 Euro teuren Figur gefasst machen. Madame Tussauds darf sich aber über den Gratis-PR-Effekt freuen - pünktlich zur Eröffnung und zur Sommersaison.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2008)
Berlin: Hitler, Marx und Gorbatschow im Madame Tussauds
Wiener Radtaxi Mit der Fahrrad-Kutsche durch Wien
Gefährdete Wörter Wenn der ''Afterarzt'' den ''Autofahrergruß'' zeigt
Stadttempel Zu Besuch in der Wiener Hauptsynagoge
''Eingefroren'' Fünf Minuten Stillstand für zwei Tage Spaß
Sonnenfinsternis ''Feuerring'' auf beiden Seiten des Pazifiks