ISTANBUL (keet). Wegen dreier extrem trockener Sommer in Folge und des stark steigenden Wasserverbrauchs droht die Türkei auszutrocknen: Wie Mustafa Atmaca, Dozent an der Mustafa Kemal Universität, berichtet, versteppt etwa die wasserreiche Amik-Ebene in der Provinz Hatay nahe Syriens zusehends. Die einst von kleinen Flüssen bewässerte Ebene ist ein Paradies für Vögel, aber weil das Gebiet immer trockener wird, seien von 250 Arten nur noch 70 übrig.
Auch sonst sind die Niederschläge stark zurückgegangen. Trotz großer Anstrengungen bei der künstlichen Bewässerung sinkt die Weizenernte jährlich. In großen Städten herrscht Wassermangel, der Stand der Wasserreserven wird ängstlich beäugt. Sommer 2007 musste in Ankara zeitweise jeden zweiten Tag in je einer Hälfte der Stadt das Wasser abgedreht werden, während in Istanbul auf Veranlassung der staatlichen Religionsbehörde tausende Menschen öffentlich für Regen beteten – genutzt hat es wenig.
Istanbul dürstet
Relativ feucht ist es zwar noch in der eher regnerischen Schwarzmeerregion und entlang der Ägäis, doch vor allem im Großraum Istanbul samt Thrakien und in der gesamten Osttürkei herrscht immer mehr die Dürre – es sieht so aus, als würde die syrische Wüste einen Keil nach Anatolien treiben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2008)

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