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Italien: Sonnenbad neben Leichen

22.07.2008 | 07:30 |   (Die Presse)

Zwei Roma-Mädchen ertrinken an einem Strand westlich von Neapel – die Badenden schauen zu und lassen sich nicht beirren. Der Tod der Mädchen ereignet sich in einem aufgeheizten politischen Klima.

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Neapel (red.). Eine frische Brise zieht über das bewegte Meer, Wellen schlagen an den Strand, an dem sich die Meute der Sonnenanbeter räkelt. Doch etwas stört die sommerliche Idylle bei Torregaveta, westlich von Neapel: Es sind die Füße von Violetta und Cristina, die unter zwei Badetüchern hervorschauen. Denn die beiden Roma-Mädchen sind tot. Die alarmierten Rettungsschwimmer konnten nichts mehr für die ertrunkenen Mädchen tun.

Stundenlang lagen die Leichen laut Augenzeugenberichten am Strand – und nur wenige Meter entfernt genossen die Menschen, die Zeugen des Unglücks gewesen waren, weiter ihren Badetag. Nicht einmal als die Leichen der 14 und 16 Jahre alten Mädchen (laut anderen Berichten waren sie elf bzw. zwölf) endlich in Särgen weggetragen wurden, stiftete das große Unruhe unter den Badenden.

Doch Fotos davon fanden ihren Weg in die Zeitungen, und ganz Italien zeigte sich am Montag entsetzt über den Vorfall: „Zwei Roma-Kinder ertrinken inmitten von Gleichgültigkeit“, titelte „La Repubblica“. Auch der Erzbischof von Neapel, Kardinal Crecentio Seppe, meldete sich zu Wort – im Internet-Tagebuch seiner Diözese: „Gleichgültigkeit ist keine Gefühlsregung, die einem menschlichen Wesen ziemt.“


Rassismus-Vorwürfe

Der Tod der Mädchen ereignete sich in einem aufgeheizten politischen Klima: Vergangene Woche hatte Italiens Regierung damit begonnen, den rund 150.000 im Land lebenden Roma die Fingerabdrücke abzunehmen, was im Ausland für scharfe Kritik und Rassismus-Vorwürfe sorgte.

Sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten, lancierte Innenminister Roberto Maroni von der rechts-populistischen Lega Nord nun eine andere Maßnahme: Roma-Waisen, die in Italien geboren wurden, soll die italienische Staatsbürgerschaft gewährt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2008)

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11 Kommentare
Bin-Da
23.07.2008 12:39
0 0

Tragisch?

Die Story ist eher "spanisch" für mich.
1) Warum liegen Leichen stundenlang unbeaufsichtigt
am Strand? - Stellen Sie sich diese situation im Gänsehäufel vor oder auf der Autobahn . . .

2) Woher soll man erstens wissen, dass diese bedeckten
Körper Roma (Sinti?)-Kindern sind oder zweitens eher
Personen die um Sonnenbrand zu vermeiden bedeckt
schlafen möchten?

Bevor jetzt jemand einen Schreikrampf bekommt, möge
er beim nächsten Mal nachschauen wie viele Personen
ruhig und bedeckt in diversen Bädern herumliegen.

Gast: Rumi
22.07.2008 11:39
0 0

Traurig !

Was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft los, dass selbst der Tod von Kindern uns nicht mehr nahe geht???
Es ist unbeschreiblich traurig zu erkennen, dass Mitgefühl und Mitleiden der Individualisierung zum Opfer gefallen sind. Mir tun die Leute leid, die neben Kinderleichen die Sonne genießen, sie haben ihr Herz verloren...

Antworten Gast: Filip
24.10.2008 22:09
0 0

Re: Traurig !

Hatte die nahestehende Familien und Angehörige der zwei ertrunkenen Mädchen persönlich kennengelernt, Sie sind sehr traurig und sehr entäuscht das so etwas von unmenschlichkeit überhaupt gibt un unserer Welt.
Den Verlust haben und werden Sie nie verkraften!
Ich wünsche trotz dem für die ganze Familienangehörige viel Kraft und den zwe Christina (13) und Violetta (12) möge Sie in frieden ruhen !
Filip

0 0

Re: Traurig !

was genau hätten sie machen sollen???

Antworten freeman
22.07.2008 15:09
0 0

Was sollten sie denn tun?

Sich die Haare raufen und am Boden wälzen?
Fluchtartig den Strand verlassen?
Spontan für die Abschaffung des mörderischen Meeres demonstrieren?
Herumstehen, glotzen und fotografieren?

Wie sähe Deiner Meinung nach die angemessene Reaktion einer Durchschnittsfamilie mit "Herz" und 2 Kindern, die Entspannung am Strand gesucht hatte in so einem Fall aus?

Woher weißt Du, daß die Sache denen, die daneben waren nicht doch naheging?
Wer hat denn "die Rettungsschwimmer alarmiert"?

Aufgrund eines tendenziösen und lückenhaften Artikels platte Kulturkritk zu posten ist leicht.

LePenseur
22.07.2008 11:08
0 0

Die »Meute« der Sonnenanbeter ...

Ach, von irgendwelchen Italiener-Hunden ist wohl die Rede, die ein Freiwild jagen. Vermutlich haben sie die beiden ertrunkenen Mädchen ins Wasser gejagt und ersäuft — wer weiß ... ?

Leider bleibt uns der Artikel die Antwort schuldig, warum nun die beiden Zigeunermädchen *) ertrunken sind, doch das allein wäre interessant! Daß Badende erfahrungsgemäß nicht in spontane Trauerkundgebungen verfallen, könnte man unschwer auch bei einem (dann und wann vorkommenden) Herzschlagtoten im Krapfenwaldlbad feststellen, wo die Badenden trotzdem weiterbaden werden und nicht konduktartig dem Toten das Geleit zum Leichenwagen geben.

Mit anderen Worten: politisch korrekte Stimmungsmache statt eines Artikels. Wie wir eigentlich schon gewohnt sein sollten, seit die "Presse" auf Standard-Imitat tut.

*) Im Artikel steht zwar "Roma", aber dieses politisch korrekte Gesülze wollen wir mal außen vor lassen — oder hat die "Presse" etwa nachgeforscht, ob es sich nicht vielleicht um Sintimädchen handelt?

Gast: Gans
22.07.2008 11:03
0 0

Darf man fragen,

welches Verhalten angemessen gewesen wäre?

Gast: Mordechai
22.07.2008 10:43
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Angemessene Reaktion?

Sofern es sich dabei nicht um unterlassene Hilfeleistung handelt (aus dem Artikel geht nicht klar hervor ob die anderen Badegäste das Unglück verhindern hätten können) sehe ich nicht ein was die ganze Aufregung soll.
Natürlich ist so ein Unfall tragisch. Aber worum geht es hier eigentlich?
"...die Badenden lassen sich nicht beirren"
"...stiftete keine große Unruhe"
Was wird von den Menschen erwartet? Oder besser gesagt, welche Reaktion hätten die Badenden denn zeigen sollen um offiziell als beirrt und beunruhigt zu gelten?
Wenn irgendwo ein tödlicher Autounfall passiert stehen die Unbeteiligten ja auch nicht heulend und Händeringend herum. Das liegt in der menschlichen Natur.
Dieses ständige Einfordern von Betroffenheit bei den Unbetroffenen ist reine Heuchelei.

Antworten Gast: pravda
22.07.2008 17:18
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Es geht doch offensichtlich nur darum

wegen der Fingerabdrücke der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden.

Antworten Gast: Rumi
22.07.2008 13:56
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Re: Angemessene Reaktion?

Es geht nicht um das Zeigen von Betroffenheit, sondern um das Betroffen sein. Wer es nicht ist, ist es nicht, aber das ist nicht mehr menschlich sondern 'zeitgemäss'.

Antworten Antworten freeman
22.07.2008 15:12
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"Betroffen sein."

Schon die Verwendung dieser Phrase impliziert, daß das Geschehen die Leute in irgendeiner Form betreffen müsste um "Betroffenheit" auszulösen.

Das ist beim Tod von Wildfremden ohne eigene Beteiligung üblicherweise nicht der Fall.

Warum sollten sie also "betroffen" von etwas sein, von dem sie nicht betroffen sind?