Washington (zoe). Der Name ist Programm: Das Lokal „Heart Attack Grill“ im US-Bundesstaat Arizona brüstet sich, die fettigsten und ungesündesten Burger der Welt zu verkaufen. Vom „vierfachen Bypass-Burger“ könnte sich eine vierköpfige Familie ernähren. Mit seinen versprochenen 8000 Kalorien hätte man auch gleich alle Mahlzeiten auf einmal erledigt.
Fast-Food-Restaurants wie die „Gaststätte zum Herzinfarkt“ und das üppige Essen, das dort serviert wird, sind amerikanischen Gesundheitsexperten schon lange ein Dorn im Auge. Denn der Gusto auf fritierte Lebensmittel und die oftmals daraus resultierende Fettleibigkeit kostet dem Industriestaat, der weltweit als das Zentrum der Übergewichtigen gilt, Milliarden an Dollar pro Jahr.
Eine neue, von der Regierung finanzierte Studie dürfte die ohnehin schon hitzige Debatte weiter anheizen: Geht der Trend zu Übergewicht und Fettleibigkeit in der bisherigen Geschwindigkeit ungebrochen weiter, dann werden in 40 Jahren alle Amerikaner zu viel Gewicht haben. Bereits bis 2030 – so rechnen die Studien-Autoren vor – werden 86 Prozent der Erwachsenen zumindest leicht übergewichtig sein, 51 Prozent fettleibig. Schon jetzt bringen zwei Drittel der amerikanischen Erwachsenen zu viele Kilos auf die Waage.
„Unsere Untersuchung zeigt, dass die Amerikaner immer schwerer werden“, erklärt Ma Beydoun von der John Hopkins Bloomberg School, die gemeinsam mit vier Kollegen die Studie erstellte. Auch wenn der Trend in den kommenden Dekaden gebremst werden könne, müsse man die Prognosen als „Weckruf“ sehen.
Deutlich beobachten konnten die Wissenschaftler auch ein Gefälle innerhalb der Bevölkerungsgruppen. Akut dürfte das Problem bei 100 Prozent der afroamerikanischen Frauen schon 2034 werden. 90 Prozent der Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln werden 2030 übergewichtig sein.
Zeigt die Waage mehr Kilos, dann steigen auch die Ausgaben im Gesundheitssektor. Pro Jahrzehnt ist mit einer Verdopplung zu rechnen, bis 2030 könnte der Staat satte 957 Milliarden Dollar für durch Übergewicht hervorgerufene Erkrankungen aufwenden.
Gefallen lassen mussten sich die Gesundheitsexperten allerdings den Vorwurf der Zahlenspielerei. Auch wenn die Nation immer schwerer wird, könne man nicht alle 303 Millionen Amerikaner über einen Kamm scheren. Dennoch: Der Trend ist alarmierend, darauf beharren die Autoren.
Aus für neue Burger-Buden
Im Kampf gegen überflüssige Kilos greifen die Behörden zu drastischen Mitteln: In Los Angeles haben die Stadträte vor kurzem beschlossen, keine neuen Schnellimbisse mehr zuzulassen. Betroffen sind vor allem Burger-Buden in Einwanderer-Viertel, deren Bewohner überdurchschnittlich von Übergewicht betroffen sind. Mit sinkendem Angebot sollen sie zu gesünderer Ernährung angehalten werden. Die Gäste des „Heart Attack Grill“ kümmert das aber wenig. Sie beißen weiterhin herzhaft in ihren 8000-Kalorien-Burger.
■Fettleibigkeit wird durch den „Body Mass Index“ (BMI) definiert, der sich aus Gewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Metern zum Quadrat berechnet. Ist der BMI höher als 30, spricht man von Fettleibigkeit. Ein Index von 25 bis 30 zeigt Übergewicht an. In den USA sind derzeit zwei Drittel aller Erwachsenen von Übergewicht betroffen. Bis 2048 könnten es 100 Prozent der Bevölkerung sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)

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