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China: Kirchgang sorgt für Kontroversen

10.08.2008 | 18:55 | IRENE ZÖCH UND JUTTA LIETSCH (Die Presse)

Mit seinem Messbesuch in Peking wollte Präsident Bush ein Zeichen für die Religionsfreiheit setzen. Denn diese bleibt nach wie vor nur eine Inszenierung Pekings.

PEKING/WIEN. Das Programm für US-Präsident George W. Bushs China-Besuch war dicht gedrängt. Zwischen der Eröffnungszeremonie und Gesprächen mit Staats- und Parteichef Hu Jintao nahm er sich am Sonntagvormittag dennoch ein Stündchen Zeit – und ging zur Kirche. Der Bush-Clan – der Präsident reiste samt Gattin Laura, Tochter Barbara und Vater George nach Peking – zeigte sich nach dem Gottesdienst in der protestantischen Kuanjie-Kirche erfreut über das „erhebende Erlebnis“. „Kein Staat, kein Mann und keine Frau sollten sich vor dem Einfluss einer liebenden Religion fürchten“, erklärte George Bush nach der Messe und rief so zu mehr Religionsfreiheit in China auf.

Dass sich Bush allerdings ausgerechnet die staatlich kontrollierte Kuanjie-Kirche für seinen Messbesuch ausgesucht hat, sieht die Menschenrechtsorganisation „amnesty international“ als Signal in die falsche Richtung. Denn damit würde er die Kontrolle der christlichen Kirchen durch Peking für gut heißen. Doch die Partei kontrolliert nach wie vor das Religionssystem und unterdrückt unabhängige religiöse Gruppen.

Zugelassen sind in China nur die „patriotischen Kirchen“, die unter dem direkten Einfluss der Partei stehen. „Der Bischof bekommt seine Anweisung von der Partei und nicht vom Papst“, erklärt der Leiter der Päpstlichen Missionswerke in Wien, Leo Maasburg. Viele der Aktivitäten verlagern sich daher in den Untergrund. In Privathäusern trifft man sich zu Gottesdiensten oder Versammlungen, die „von oben“ nicht geduldet würden. Männerorden sind offiziell verboten (siehe Interview rechts) und existieren daher nur im Untergrund, während die Partei Frauenorden toleriert – immerhin übernehmen sie soziale Aufgaben wie etwa die Alten- oder Krankenpflege.

Zwischen dem Vatikan und den kommunistischen Machthabern in Peking kommt es immer wieder zu Spannungen. „Auch gegenüber Rom will Peking seine Machtpolitik durchsetzen“, so Pater Leo. Doch jüngst erteilte Rom vermehrt den Segen zu Bischofsernennungen innerhalb der „patriotischen Kirche“.

 

Bibel-Gabe an Olympia-Gäste

Eine große Inszenierung mit religiöser Geste hat sich Peking während der Olympischen Spiele einfallen lassen: Die Regierung schenkt Athleten, Funktionären und Sportfans aus aller Welt eine Bibel. Jeder ausländische Olympia-Gast, der es wünscht, erhält gratis eine Heilige Schrift mit dem Logo der Spiele 2008 darauf. 10.000 Exemplare liegen im Olympischen Dorf bereit, insgesamt 50.000 Sonderausgaben wurden gedruckt. Sie sind zweisprachig in Englisch und Chinesisch. Das besondere daran: In Chinas Buchhandlungen dürfen keine Bibeln verkauft werden. Das bleibt den staatlich kontrollierten Kirchen vorbehalten.

Die Bibel-Gabe soll zur guten Stimmung beitragen und China als Land mit Religionsfreiheit präsentieren. Im Athletendorf wurde für alle fünf Religionen je ein Gebetszentrum errichtet. Die wichtigsten Kirchen, Tempel und Moscheen der Stadt sind in den vergangenen Monaten für internationale Besucher herausgeputzt worden.

Doch hinter den Kulissen sieht es nicht ganz so schön aus. Unter dem Vorwand, Sicherheit und Ordnung vor Olympia zu stärken, haben die Behörden in diesem Jahr ihren Druck auf jene anderen religiösen Gruppen Chinas verschärft, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, bisher aber teilweise toleriert wurden. Erst im Mai wurde eine jährlich stattfindende Pilgerfahrt zum Heiligtum von Sheshan verboten. Zudem hatte Rom an diesen Tag den Weltgebetstag für China gelegt. Allerdings dürfe man bei Unterteilungen in die parteitreue und in die papsttreue Kirche nicht vergessen: „Dabei handelt es sich immer um ein- und dieselbe Kirche“, so Pater Leo.


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