SEOUL/WIEN (db). Psychologen in Südkorea haben eine böse Begleiterscheinung der Wirtschaftskrise bemerkt: Während die Börsen krachen, erreicht die Selbstmordrate im Land ungekannte Ausmaße. Die Krise treibt die Leute in den Tod.
Die Suizidrate in Südkorea ist ohnehin hoch: Nirgendwo sonst gab es in den letzten Jahren einen solchen Anstieg: laut WHO eine Verdreifachung seit 1985. 2007 lag Südkorea mit 25 Fällen pro 100.000 Personen auf Platz eins der 30 OECD-Länder und weltweit auf Platz neun. Suizid (meist Erhängen, Medikamente, Sprünge) ist die vierthäufigste Todesursache. Die Zahl der U-Bahn-Springer stieg 2007/08 um 150 Prozent, daher wurden in Seoul die Bahnsteige von U-Bahnstationen verglast: Die Sperren gehen nur auf, wenn der Zug steht. Als Gründe werden neben der Krise, die Existenzängste schürt, Änderungen in den Familien genannt. Vor dem Wirtschaftswunder lebten mehrere Generationen unter einem Dach. Heute fehlen Familienverbände als „Auffangnetz“. Psychologische Hilfe wird selten gesucht.
Litauer am lebensmüdesten
In Österreich brachten sich 2007 laut Statistik Austria 1280 Menschen um, drei Viertel davon Männer, meist zwischen 25 und 35. Damit liegt Österreich auf Platz 25. Am lebensmüdesten sind die Litauer: 39 von 100.000 wählen dort den Freitod.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2008)

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