08.11.2009 13:24 | Meine Presse Merkliste0

Jean Ziegler: Welthunger ist "menschengemacht"

19.11.2008 | 09:44 |   (DiePresse.com)

Als Maßnahme gegen das "Massaker des Hungers" fordert der ehemalige UN-Sonder-Berichterstatter bei einem Vortrag in Wien eine drastische Änderung der Welt-Wirtschaftspolitik.

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Das Recht auf Nahrung ist das Menschenrecht, das am häufigsten "skandalös" verletzt wird. Mit dieser scharfen Kritik eröffnete der Ex-UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, am Dienstagabend eine Veranstaltung im Rahmen der Wiener Vorlesungen zum Thema "Das tägliche Massaker des Hungers. Wo ist Hoffnung?" im Wiener Rathaus. Er forderte eine Veränderung des herrschenden Weltwirtschaftssystems mit Beteiligung der Zivilgesellschaft.

Ziegler übte in seinem Vortrag heftige Kritik am neoliberalen Weltwirtschaftssystem. Die Annahme, der freie Markt würde automatisch zur bestmöglichen Lösung führen, sei von der Wirklichkeit widerlegt worden. Die Überschuldung der Entwicklungsländer, Börsenspekulationen und der Klimawandel seien zentrale Gründe für den Hunger auf der Welt, so Ziegler. Der objektive Mangel an Nahrung sei besiegt, die derzeitige weltweite Nahrungsmittelproduktion könne eigentlich doppelt so viele Menschen ernähren wie die Weltbevölkerung ausmache. All diese Gründe für den Hunger seien "menschengemacht", sagte der Entwicklungsexperte und wiederholte eine seiner zentralen Theorien: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet!"

Kritik an Biotreibstoffen

Auch die verstärkte Produktion von Biotreibstoffen sei ein Faktor, den man nicht außer Acht lassen dürfe. Durch die Nutzung von Nahrungsmitteln zur Gewinnung von Treibstoffen würde vielen Menschen ihre Nahrungsgrundlage entzogen. "Der Energieverbrauch verdoppelt sich alle vier Jahre, aber gleichzeitig steigt der Hunger", zeigte Ziegler diese Paradoxie auf. Beispielsweise könne mit der Menge an Mais, die für eine Tankfüllung verwendet würde, ein Kind in Sambia ein ganzes Jahr lang überleben.

Auch der österreichische OECD-Botschafter in Paris, Wolfgang Petritsch, forderte bei einer anschließenden Podiumsdiskussion man müsse "Abstand nehmen von der nördlichen Ignoranz". Entwicklungshilfe könne nur ein Teil der Lösung des Problems sein, es müsse stattdessen zu einer "fundamentalen Änderung der Weltwirtschaft" kommen. Die Industrieländer müssten endlich beginnen, über ihren "verschwenderischen Lebensstil" nachzudenken.

Ziegler: "Massaker des Hungers"

Ziegler mahnte, man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben und sprach von der Entstehung einer "planetarischen Zivilgesellschaft", die die wichtigste Rolle in einem neuen Weltsystem einnehmen müsse. Er appellierte an die Besucher der Veranstaltung, selbst aktiv zu werden. Sie könnten mit demokratischen Mitteln die Regierung beispielsweise dazu zwingen, die Entschuldung der ärmsten Länder der Welt durchzusetzen.

Maßnahmen gegen das "Massaker des Hungers" seien theoretisch leicht durchzuführen. Ziegler forderte unter anderem ein Verbot der Herstellung von Agrartreibstoffen und neue Börsenreglements, um Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln zu unterbinden. Vor allem das Bewusstsein der Zivilgesellschaft müsse gestärkt werden, die "Mächtigen" wüssten ohnehin was passiere: "Sonst könnten sie ja die Welt nicht ausbeuten."

(APA)

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12 Kommentare
Gast: miratisu
19.10.2009 10:55
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ursachen dieser ursache?

hier wird in die "unkontrollierte vermehrung" der bevölkerung als ursache für hunger genannt. und meiner meinung nach zynisch auf das "gleichgewicht der natur" hingewiesen - das man doch sich einstellen lassen sollte.

dass dieses ungleichgewicht aber nicht "natürlich" entstanden ist, bedenkt hier niemand. und schon gar nicht, dass es auch auf "nicht natürliche" art erhalten wird!

verhütungsmittel und aufklärung muß sich eine gesellschaft einmal leisten können. in unserer diesbezüglich privilegierten lage sollten wir sehr genau überlegen, ob und wie wir urteilen dürfen. man könnte zB beim suchen nach ursachen auch auf die missionierung stoßen - wer hat missioniert? was wurde den menschen zum thema verhütung beigebracht?

Gast: G Ast
21.11.2008 01:15
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Die Natur wird diese Problematik auf jeden Fall lösen.

Wenn ich auf meinem Bauernhof statt 20 Rinder 40 Rinder halte, muß ich Futter zukaufen. Kann ich das nicht mehr, weil den Lieferanten das Futter ausgeht, so wird ein Teil der Rinder verhungern und die Angelegenheit ist geregelt.

Perverserweise gilt dieser Vergleich auch für jedes überbevölkerte Land. Je länger diese Problematik verdrängt wird, umso dramatischer werden die Folgen sein.

Die Leute nur durchzufüttern, ohne einen Bewußtseinswandel herbeizuführen ist sinnlos und unmenschlich.

Ob Heuschrecken oder Menschen unsere Lebensgrundlagen zerstören bleibt im Endeffekt gleich.

freeman
20.11.2008 12:49
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Es ist schon Chuzpe,

wenn ausgerechnet ein Marxist wie Ziegler, dessen Gesinnungsgenossen als sie mächtig waren Hunger ganz bewußt als Waffe einsetzten, heute über "menschengemachten Hunger" schwadroniert...

Gast: sid
20.11.2008 10:43
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verschweigen

der nette herr ziegler ist sicherlich nicht dumm, aber er sagt nicht die volle wahrheit. warum verschweigt er den wirklichen grund für den hunger in der welt ?
in manchen, insbesonders afrikanischen, staaten hat sich die bevölkerung in den letzten 20-30 jahren vervielfacht. z.b. burkino faso 1970 5,4 mill., 2008 15,3 mill. einwohner.
unausdenkbare sind die folgen wenn sich europäer ebenso vermehrt hätten.

Gast: 753
19.11.2008 20:31
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753

Natürlich ist der Welthunger menschengemacht! Um ein Beispiel von vielen zu nennen: Überschussproduktionen von Mais etc. werden einfach ins Meer geworfen.
Hört auf zu reden, handelt!

Antworten Gast: Sepp
21.11.2008 01:26
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Re: 753

Von wegen Mais ins Meer verklappen!

Mais erzielt Höchstpreise und es gibt längst keine Überschußproduktion mehr.

Sie sind mit Ihrem Wissensstand wohl irgendwo um 1968 hängen geblieben.
Mit diesem Märchen punkten Sie maximal noch bei ein paar verbohrten Grün/Alternativen.

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Solange es Präsidenten gibt

wie Robert Mugabe, der, ob aus Altersverblödung oder politischer Einstellung oder wegen subjektiven Machtrauschs, ganz b e w u ß t die Landwirtschaft in s e i n e m, - nein, ihm anvertrauten Land -, ruiniert und s e i n, - nein, ihm anvertrautes Volk -, damit seit Jahren dem Hunger und dem Mangel opfert und die Menschen zu Tausenden aus i h r e r Heimat vertreibt, solange kann Hilfe, in Jean Zieglers Sinn, nicht funktionieren. Mit dieser Hilfe hilft man zuerst diesen MUGABES, aber erst diese MUGABES müssen zu humanitärer Handlungsweise gezwungen werden.

Gast: Zam
19.11.2008 15:57
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Ja, an was wir nicht alles schuld sind

Der Welthunger ist in der Tat menschengemacht, allerdings nicht vom böse lenkenden Hirn im Westen (ein perfides Ding!), das sich die Ausbeutung der Welt auf die Fahnen geschrieben hat (also wirklich, wir sollten uns alle in Grund und Boden schämen - Ironiemodus aus), sondern von absolut zynisch denkenden Schwerverbrechern der jeweiligen hiesigen Elite, denen es wichtiger ist, mit solchen Nachrichten höhere Summen aus den Etats der Entwicklungshilfe zu lukrieren, um sich und ihr Klientel zu füttern (das dafür keine Revolutionen organisiert), als "ihr" Volk wie Menschen zu behandeln und die institutionelle Misswirtschaft zu beenden. Was, ihr habt da was dagegen? Ihr wollt uns doch nur kolonisieren!!!

Aber nein, natürlich stimmt das alles nicht. Wir sind schuld, weil.. na, weil wir uns in einem bequemen Selbsthass unserer Kultur sonnen, über die wir uns natürlich individuell erhöhen. Wäre sonst auch schwierig, zu einem ruhigen Schlaf zu finden.

Antworten Gast: wolo
19.11.2008 17:24
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Re: Ja, an was wir nicht alles schuld sind

Ein nicht anstößiger oder beleidigender Kommentar, sondern einfach nur dumm.

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Herr Ziegler ist ein netter älterer Herr...


Herr Ziegler ist ein netter älterer Herr, der den Unterschied zwischen Ursache und Wirkung nicht kennt.

Wenn sich irgendwo in Afrika die unter Naturschutz gestellten Elefanten so lange vermehren, bis sie den Gesamten Landstrich abgegrast und verwüstet haben, verhungern sie. Damit sorgt die Natur für ein Gleichgewicht, seit millionen Jahren.

Wenn sich die Menschheit in ressourcenarmen Landstrichen zu stark vermehrt, was macht man dann? Man schickt Hilfsgüter, damit sch auch die nächsten Generationen vervielfachen können.

Mit den Hilfslieferungen von heute werden die Hungernden von morgen erzeugt!

Das hört sich hart an, das hört man in manchen Kreisen nicht gerne, aber das ist eine unbestreitbare Tatsache.

Antworten Gast: Sonnenschein
19.11.2008 19:44
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Re: Herr Ziegler ist ein netter älterer Herr...

Da haben Sie leider recht!

democrates
19.11.2008 12:16
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Überbevölkerungsfolgen

Das Problem hat auch eine andere Seite.

http://fact-fiction.net/?p=1380

Fertilitätsraten über 2 pro Frau führen zwangsläufig in die Barbarei.


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