DUBAI/WIEN (zoe).In Dubai dreht sich die Welt um eine Palme. Die liegt im Persischen Golf, ist 560 Hektar groß und wurde mit 100 Millionen Tonnen Erde künstlich angelegt. Nach sieben Jahren Bauzeit wurde in der Nacht zum Freitag die Fertigstellung des gigantomanischen Bauprojektes „The Palm Jumeirah“ gefeiert. Die von Menschenhand geschaffene Insel, die ihre Erbauer gerne das „achte Weltwunder“ nennen, ist sogar noch aus dem All zu sehen.
Schöner, größer, teurer – die Devise des ölreichen Wüstenstaats am Golf galt auch für das Einstandsfest im Hotel „Atlantis“. 20 Millionen Dollar machten Dubais Herrscher Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum und der südafrikanische Hotelinvestor Sol Kerzner locker, um ihren 2500 geladenen Gästen ein unvergessliches Spektakel zu bieten. Höhepunkt für die Stars aus Hollywood und Bollywood, die Blaublütigen und die Reichen war ein Feuerwerk – das größte, das je auf Erden verpulvert wurde und auch vom Weltall aus zu beobachten war.
Naomi Campell, Kylie Minogue, Robert De Niro waren dabei, als 100.000 Feuerwerkskörper entlang der 43 Kilometer langen Palmenküste in die Luft gefeuert wurden.
Hauptsache größer
Auf den 17 Palmwedeln, dem Stamm und den sichelförmig angelegten Schutzdämmen sind fast alle der 2650 Wohnungen und 1350 Villen samt eigenem Bootsanlegesteg bereits vergeben. Michael Schumacher, die Beckhams sowie viele Russen und Araber haben sich die besten Plätze gesichert. Französische Landhäuser reihen sich an arabische Paläste und mexikanische Haciendas. Dafür haben 40.000 Arbeiter geschuftet, 100 Millionen Kubikmeter Erde bewegt und sieben Millionen Steine angeschüttet. Doch die Liste der Superlative in steriler Umgebung ist damit noch lange nicht zu Ende: Einkaufszentren, Vergnügungsparks – und Hotels.
Allein auf der Palme befinden sich 30 Hotels, deren Krönung das „Atlantis“ ist. Das kitschige Märchenschloss in Algengrün und Hummerrosa verfügt über 1500 Zimmer und seine eigene kleine Traumwelt mit zahllosen Restaurants und Einkaufszentren. Herzstück ist ein Aquarium, in dem sich 65.000 Fische tummeln. Die Unterwassersuiten, die direkt an das Fischbecken grenzen, sind für 8500 Euro pro Nacht zu haben – Frühstück inbegriffen.
Doch auch in Dubai ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Finanzkrise hat die glänzenden Paläste des Emirats erreicht, die Immobilienpreise purzeln. Häuser und Apartments auf der Palmeninsel Jumeirah sind seit September um 40 Prozent weniger wert geworden. Führende Bauträger in Dubai haben in den vergangenen Wochen bis zu 80 Prozent ihres Börsenwerts verloren.
Finanzkrise schlägt zu
Schon haben Immobilienbüros begonnen, mit Schnäppchen und großzügigen Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent für Häuser zu werben, die 2009 bezugsfertig sind. Teils drängen Besitzer darauf, ihre Immobilien in Dubai wieder zu verkaufen. Insider fürchten sogar den völligen Zusammenbruch des des Immobilienmarkts.
Die staatliche Planungsfirma „Nakheel“, die sich neben der Jumeirah-Palme noch Inselgruppen wie „Die Welt“ ausgedacht hat, musste zuletzt die Bauarbeiten für ein weiteres Palmenprojekt einstellen. Die „Deira“-Palme – größer, schöner, teurer als die nun eröffnete – sollte für mehr als eine Mio. Menschen neue Heimat werden. Doch diese Superlative in der jetzigen Situation zu erreichen, dürfte sogar den Dubaiern schwerfallen.
■Die „Palme Jumeirah“ im Persischen Golf vor dem Emirat Dubai ist nur eines der Mega-Projekte des staatlichen Dubaier Planungsbüros „Nakheel“. Zahlreiche Villen und Luxus-Apartments entstanden innerhalb weniger Jahre auf den künstlichen Inseln „Die Welt“, „Das Universum“ und zwei weiteren Inseln in Form von gigantischen Palmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2008)

The Palm: Die Palme der Superlative
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