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Alaska im Bann des Vulkans

02.02.2009 | 18:31 |  Von unserem Korrespondenten GERD BRAUNE (Die Presse)

Der Mount Redoubt in der Nähe von Anchorage droht auszubrechen – ein riesiges Ölterminal am Cook Inlet, der am dichtesten besiedelten Gegend von Alaska, ist in Gefahr. Auch der Flugverkehr ist bedroht.

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ANCHORAGE. Der US-Bundesstaat Alaska bereitet sich auf eine mögliche Katastrophe vor. Grund: Der Vulkan Mount Redoubt im Südwesten der Stadt Anchorage droht in den nächsten Tagen auszubrechen. Besonders heikel: Kaum 30 Kilometer vom Vulkan entfernt, an der Küste des Meeresarms Cook Inlet, liegt ein riesiges Ölterminal, das ein Fassungsvermögen von fast zwei Millionen Barrel Öl hat (Karte). In der Bucht stehen zudem ein Dutzend Ölbohrinseln. Mit rund 400.000 Bewohnern ist die Region um Cook Inlet die am stärksten besiedelte in Alaska, wo insgesamt nur gut 700.000 Menschen auf etwa 1,7 Millionen Quadratkilometern (das ist 20-mal größer als Österreich) leben. Ascheregen könnte das Leben in den Orten an der Bucht massiv beeinträchtigen.

 

Es raucht aus dem Gletscher

Wissenschaftler in Alaskas Vulkan-observatorium (AVO) beobachten den Berg rund um die Uhr. Sie fanden Löcher („Fumarolen“) im Gletscher an der Nordseite des Vulkans, aus denen Gas und Dampf steigen. Zuletzt hatte sich binnen 24 Stunden die Größe der Löcher verdoppelt. Die Fachbehörde „US Geological Survey“ (USGS) hat Mount Redoubt als einen der gefährlichsten Vulkane in den USA eingestuft.Das deutlichste Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch sei eine Serie kleiner Beben, sagt John Eichelberger, Wissenschaftler beim AVO. Dazu gibt es aktuelle Informationen auf www.avo.alaska.edu

Der 3100 Meter hohe, gletscherbedeckte Redoubt liegt am Ende der Aleuten an der Nordseite des Cook Inlet. Dieser Meeresarm ist nach dem britischen Entdecker James Cook benannt, der die Bucht 1778 auf der Suche nach der Nordwestpassage erkundete. Zuletzt war der 170km südwestlich von Anchorage liegende Vulkan vor 20 Jahren ausgebrochen. Damals wurde Asche in die Atmosphäre geschleudert und gefährdete den Luftverkehr erheblich: „Vor 20 Jahren hatten wir fast einen Flugzeugabsturz“, sagt Eichelberger.

 

 

 

Passagierjet in der Aschewolke

Er sprach damit den beinahe verhängnisvollen Flug 867 der niederländischen Fluggesellschaft KLM an: Nachdem am 14. Dezember 1989 der Redoubt ausgebrochen war und Asche bis auf 13.000 Meter in die Höhe gespien hatte, war die aus Amsterdam kommende Boeing 747-400 am 15. Dezember beim Anflug auf Anchorage in die Aschewolke geraten. Die Partikel wurden von den Triebwerken eingesaugt, die daraufhin ausfielen. Erst nachdem die Maschine etwa 3000 Meter Höhe verloren und die Wolke verlassen hatte, gelang es den Piloten, die Triebwerke neu zu starten und den Jet mit 231 Passagieren und 14 Crewmitgliedern sicher in Anchorage zu landen.

Die Schlammlawinen des Redoubt hatten 1989 zudem die Ölverladestelle Drift River bedroht. Die Gefahr besteht auch heute. Das Terminal, das Öl von den Förderinseln in Cook Inlet sammelt, besteht aus sieben Tanks mit einem Fassungsvermögen von je 270.000 Barrel Öl. Allerdings teilen die Behörden laut der Zeitung „Anchorage Daily News“ unter Hinweis auf die nationale Sicherheit nicht mit, wie viel Öl dort derzeit wirklich gelagert ist.

 

Geheimnistuerei um Ölmenge

Ein Tanker soll Öl aufnehmen, damit die Depots bei einer Vulkaneruption nicht voll sind. Offenbar will man eine Ölkatastrophe verhindern. Vor 20 Jahren wurden die Tanks rechtzeitig geleert.

Der Leiter der Umweltorganisation „Cook Inlet Keeper“, Bob Shavelson, hat kein Verständnis für die Geheimnistuerei. Er stellt die Frage, ob die al-Qaida oder der Vulkan die größere Gefahr darstellten. Das sei ein Beispiel dafür, wie Terrorismus benutzt werde, um Informationen zu verweigern. „Wie kann man auf einen Ölunfall angemessen reagieren, wenn man die Ölmenge nicht kennt?“, fragt er.

LEXIKON

Cook Inlet im Süden Alaskas ist eine 310 km lange, wildromantische Bucht; um sie herum lebt das Gros der 700.000 Bürger Alaskas. 1778 entdeckte sie Captain Cook als erster Weißer. Am Westrand sind Vulkane; hier wird Öl gefördert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2009)

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